1973: Autofreier Sonntag

Wer von Ihnen erinnert sich noch an das 1973, die erste Ölkrise? Ich kann mich noch an den Fahrradausflug auf der Autobahn erinnern. Mit der Ereignissen im Nahen und Mittleren Osten in den letzten Tage gingen mir die Frage durch den Kopf:

Warum gibt es heute keine autofreien Sonntage?

Am 25.November 1973 ruhte der Verkehr in ganz Deutschland: Kinder spielten mitten auf der Autobahn Fussball, viele waren in allen Richtungen mit dem Fahrrad unterwegs – es herrschte Partystimmung an den vier autofreien Sonntagen. An den anderen Tagen galt ein Tempolimit von 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen. So hatte es die damalige Bundesregierung unter Willi Brand beschlossen.

Nur wenige Wochen vorher hatte damals die Organisation der Arabischen Erdölexportierenden Staaten verkündet,  Produktion und Export von Erdöl um fünf Prozent zu drosseln. Zum Vergleich: Durch den Golf von Hormus, der vom Iran gesperrt wurde, werden 20 Prozent des weltweiten Erdöls und ein ebenso großer Anteil an LNG (verflüssigtes Erdgas) transportiert.

Auslöser war der damalige Jom-Kippur Krieg. Ägypten hatte auf der Sinai Halbinsel Israel angegriffen und syrische Einheiten marschierten auf den Golan-Höhen ein. Die arabischen Staaten wollten Druck auf Israel und seine Verbündeten ausüben. Seit dem ist es in der Region alles andere als ruhiger oder besser geworden. Das große Geschäft mit Erdöl und Erdgas bestimmt bis heute das Geschehen.

Damals stieg der Ölpreis von 3 US Dollar pro Barrel auf etwa 5 US Dollar. Mit der Erschöpfung des billigen Öls aus Texas und dem Erstarken der OPEC stieg er bis 1980 auf über 10 Dollar pro Barrel. Aktuell ist er von 70 auf über 80 US Dollar gestiegen.Traumhaft für alle an Produktion und Handel von Erdöl und Erdgas beteiligten Unternehmen.

Willi Brand wollte mit den kurzfristigen Maßnahmen unsere Abhängigkeit vom Erdöl bewußt machen und auch ein Signal an die Erdöl-produzierenden Staaten setzen: Wir lassen uns nicht erpressen.

Bislang haben wir nichts dazu gelernt!

Wie wäre es, wenn die Politik heute ebenfalls sehr konkret und kurzfristig Maßnahmen ergreifen würde:

Zum Beispiel ein sonntägliches Fahrverbot für alle Verkehrsteilnehmer, die mit fossilen Kraftstoffen unterwegs sind.

Natürlich wäre ein Aufschrei aus allen Branchen mit tausend Argumenten gegen solch eine Maßnahme. die Folge.  Dabei geht es doch primär um den Symbolgehalt so einer Maßnahme: Wir meinen es ernst mit der Energiewende!

P.S. Für alle Politiker, die sich nicht trauen:

Willi Brand war einer der bedeutendsten Politiker Deutschlands – Nachahmer sind gefragt.

und noch eine Anmerkung für Kommunalpolitiker, die gerne die Verantwortung auf die Bundesregierung schieben: In Rom kostet jetzt die Fahrerlaubnis für die Innenstadt 2.016 Euro, für E-Fahrzeuge die Hälfte.  Auch die Bürgermeisterin von Paris hat erfolgreich die Innenstadt vom Autoverkehr befreit!

Titelbild: Petra Boeger, KI generiert

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