„Vom Klärwerk zum Kraftwerk“, das ist das Motto des Abwasserverbandes Kempten.
Was steckt hinter diesem interessanten Slogan?
Klärwerke gehören in vielen Kommunen zu den größten Stromverbrauchern. Es geht aber auch anders, so wie es das Klärwerk Kempten schon seit Jahren zeigt: Durch moderne Verfahrenstechnik kann der Stromverbrauch (z.B. durch effiziente Pumpen) reduziert und die im Abwasser „versteckte Energie“ geschickt genutzt werden. Im Rahmen eines umfangreichen Förderprogrammes wird ganz aktuell die Energienutzung weiter optimiert. Ein modernes Blockheizkraftwerk wandelt das in den Faulbehältern erzeugte Methan (Biogas) in Strom und Wärme um. Ein Batteriespeicher hilft Erzeugung und Verbrauch an Strom effizient abzustimmen. Dazu kommt noch ein Wasserelektrolyseur, der überschüssigen Strom in Wasserstoff umwandelt.
Vorbildlich ist es nicht nur die Energiebilanz eines Klärwerkes zu optimieren, sondern das gesamte „Ökosystem“ im Auge zu behalten. So gibt es im Fuhrpark bereits einige Batterie-elektrische Fahrzeuge, die auf dem Gelände des Klärwerkes mit eigenem Strom und auch noch schnell geladen werden können.
Im nächsten Schritt geht es um den Schwerlastverkehr, der auch zum Betrieb des Klärwerkes gehört: Die Lieferung von Molke aus umliegenden Molkereien, um das daraus Biogas zu erzeugen, die Lieferung von Eisenchlorid für die Phosphatfällung und der Abtransport des getrockneten Klärschlammes. Diese Lkws emissionsfrei und klimafreundlich mit dem eigenen Wasserstoff zu betreiben, ist der nächste Schritt.
Das war der Hintergrund für den Besuch bei Iveco, dem Hersteller von emissionsfreien Nutzfahrzeugen im nahen Ulm. Auf der eindrucksvollen Montage-Linie, die die Delegation aus dem Oberallgäu besichtigen durfte, können heute bis zu 3.000 Fahrzeuge mit rein batterie-elektrischem Antrieb oder mit Brennstoffzelle und Wasserstofftanks produziert werden. Neben den Verantwortlichen des Klärwerkes informierten sich regionale Unternehmer, Experten für Industriegase, Vertreter des Stadtrates Kempten und die Bürgermeister von Lauben und Wiggensbach über alle wichtigen Aspekte eines klimaneutralen Güterverkehrs.
Ein fundiertes Verständnis für das komplett neue „Ökosystem“ – von der Bereitstellung des grünen Stromes oder Wasserstoffs, über die Wartung der Fahrzeuge bis zur Finanzierung – ist die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung.
Die Fahrt mit einem 40-Tonnen-schweren, völlig leisen und emissionsfreien Lkw auf der Iveco Testrecke und durch die Steilkurve war der krönende Abschluss des Besuches.
Titelbild: Delegation aus dem Oberallgäu vor den Brennstoffzellen- und Batterie-Lkw bei Iveco in Ulm
Das Klärwerk des Abwasserverbandes Kempten, das zu einem wichtigen Bestandteil des regionalen Energiesystems wird:

Bildquellen: Abwasserverband Kempten


