Die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters zum Bau einer Solarfabrik des E-Auto-Hersteller Tesla ist schon sehr bemerkenswert. Mein erster Gedanke: Warum macht das eigentlich keiner der tratdionellen europäischen Fahrzeughersteller?
Um was geht es da?
Tesla plant bis Ende 2028 in den U.S.A. eine Fabrik zur Fertigung von Solarzellen aufzubauen. Die Produktionsanlagen im Wert von 2,9 Milliarden US Dollar soll eine chinesische Firma liefern. Damit können pro Jahr etwa 100 Gigawatt (GW) an Solarmodulen produziert werden. Die heute weltweit installierte Produktionskapazität liegt bei etwa 1.000 GW und ist fast komplett in China aufgebaut. Dabei sorgen Überkapazitäten für niedrige Preise im Weltmarkt. Warum macht Tesla dann so eine Investition?
Eine Antwort findet man, wenn man sich die Historie des Autobauers Tesla anschaut.
Der ursprüngliche Plan von Elon Musk war es, für sein erstes Serienfahrzeug, das Model S, primär die weltweit etablierte Zulieferindustrie zu nutzen. Schnell erkannte er, dass diese viel zu langsam war und sich wenig für neue Technologien interessierte. Dann machen wir das eben selbst, schneller und besser – so seine Schlussfolgerung.
So entstand zunächst das Model S und dann die Folgemodelle mit eigener Technologie in allen wichtigen Bauteilen des Fahrzeuges. Ganz aktuell plant Tesla mit Terafab sogar die weltweit größte Chipfabrik in Texas.
Vielleicht am bekanntesten ist die eigene Produktion von Batteriezellen, von denen heute etwa eine Million pro Woche (20 GWh pro Jahr) hergestellt werden. Kein anderer der westlichen Fahrzeughersteller hat das bisher geschafft. Alle verlassen sich auf asiatische Zulieferer.
Analog lief es bei der so entscheidenden Ladeinfrastruktur: Tesla hat das von vornherein selbst in die Hand genommen und ist bis heute bei Technologie, Preisen und Kundennutzen allen anderen weit voraus. Inzwischen nutzen sogar Fremdfabrikate die Tesla-Ladestationen. Allerdings müssen sie für das Laden mehr bezahlen als die Tesla-Fahrer.
Tesla gehört auch zu den großen Herstellern von Batteriespeichern: Vom kleinen Speicher für die heimische Garage (Powerwall) bis zu Großspeichern im Megawatt-Bereich. Damit generieren sie nicht nur einen Umsatz von etwa USD 10 Milliarden pro Jahr, sondern erhöhen auch den Anteil an grünem Strom zum Laden der Fahrzeuge.
Um wirklich unabhängig von Dritten zu werden, fehlt jetzt nur noch die eigene Erzeugung von grünem Strom. Um nicht von den Handelskonflikten (Solarmodule aus China) verwickelt zu werden, soll jetzt in Rekordzeit eine Megafabrik in Texas entstehen. Europa hat das in den letzten 10 Jahren nicht geschafft, und die heimischen Fahrzeughersteller sehen sich dafür nicht in der Verantwortung.
Die Kunden der Fahrzeughersteller wollen aber nicht nur günstige und effiziente Fahrzeuge, sondern auch niedrige Strompreise und eine zuverlässige Lade-Infrastruktur. Die Unternehmen, die das durch eigene Fahrzeugtechnologien (Batterien, Chips), geringe Energiekosten in der Produktion, eigene Ladeinfrastruktur und eigenen Strom für die Kunden kostengünstig sicherstellen können, werden am Ende die Gewinner sein – bei der Kundenzufriedenheit und beim Gewinn!
Titelbild: Petra Boeger, KI generiert


