Die sonderbare Logik in Sachen Tempolimit und Benzinpreis

Merkwürdig: Es ist jetzt ungefähr ein Jahr her, dass die FDP nach ihrem schwachen Ergebnis (4,3 Prozent) aus dem Bundestag geflogen ist. Zuvor hat sie jedoch noch ihr Ewigkeits-Mantra „Nein zum generellen Tempolimit“ in den damaligen Koalitionsvertrag hinein gepresst: Denn es war letztlich ein Deal mit der SPD, die dafür Zustimmung beim Mindestlohn und Wohnungsbau erwarten durfte.

Klar, die SPD will im Nachhinein nicht treulos wirken, und die CDU/CSU wird in diesem Zeiten kein neues Fass aufmachen, das sie selbst am liebsten geschlossen halten würde.

So also bleibt Deutschland weiterhin das einzige Land in Europa, wo insbesondere seine mobilen Vorzeigemodelle von VW, BMW und Mercedes gerade auch auf Autobahnen zeigen können, wer hier der „Herr im Haus“ ist, und dass bei 200 km/h noch keineswegs Schluss sein muss.

Wie gesagt: Man kann es merkwürdig finden, wenn der 4,3 Prozent-Wille einer Partei, die mittlerweile gar nicht mehr in der Regierung sitzt, größere Auswirkungen auf eine Gesellschaft hat, wo doch mehr als die Hälfte  der Bevölkerung ein Tempolimit begrüßen würde. Viele davon nicht nur aus Klimaschutzgründen oder der höheren Verkehrssicherheit, sondern weil auch entspannteres Fahren zum Autofahrer-Glück gehören kann. 

Und damit komme ich zu einer weiteren Merkwürdigkeit. Nach meinem physikalischen Verständnis braucht schon ein ordentlicher Mittelklassewagen  – und das sind immer noch überwiegend Verbrenner – ca. 6-7 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Wenn er dann auf der Autobahn statt 130 endlich 180 fahren kann, dürfte er locker 10 Liter und mehr benötigen. Nun bezahlt der aber derzeit nicht mehr nur 1,75 oder 1,80 pro Liter, sondern plötzlich Euro 2,10 für die gleiche Menge.

Das freut natürlich diejenigen, die längst ein E-Auto ihr eigen nennen. Alle anderen aber, zumindest diejenigen, die häufig Autobahn fahren oder es gern „sportlich“ angehen, stehen jetzt vor der Tanksäule und wundern sich, dass eine Tankfüllung statt bisher € 80 plötzlich über € 100 kostet.

Und damit einer weitere Merkwürdigkeit: Statt auf die Idee zu kommen, einfach weniger schnell zu fahren und damit weniger Benzin zu verbrauchen, sprich: Geld zu sparen, schimpfen die Betroffenen lieber auf den Staat, weil der sich zum Glück (zumindest bisher) schwer damit tut, diesen hohen Spritverbrauch auch noch mitzufinanzieren.

Und damit zur letzten Merkwürdigkeit: Einige ganz Schlaue im Bundestag, die sich vermutlich gegenüber den Einflüsterungen der Autolobby nicht ganz verschlossen zeigen – hatten angesichts der schlechten CO2-Emissionen gerade bei den Sektorenzielen Verkehr und Gebäude die Idee, dieses Manko doch mit denen auszugleichen, die hier in Sachen Umweltschutz viel besser da stehen. Also z.B. bei Stromerzeugung, Abfallwirtschaft oder Gewerbe und Handel. Deshalb schaut man seitdem nur noch auf das Gesamtergebnis, wo sich dann die permanenten „Umweltsünder“ – also insbesondere auch der Verkehr – hinter dem Gesamtergebnis verstecken können. Allerdings: wenn der Expertenrat feststellt, dass die erlaubte Summe der Emissionen zwei Jahre hintereinander überschritten wurde, muss die Regierung eingreifen. Wenn ich richtig informiert bin, wäre das genau jetzt der Fall. Und zwar ein gebotener Anlaß für ein Tempolimit!

 

Bild: Uta Weik

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