Die Blockierung der Ölversorgung aus der Golfregion trifft derzeit China und viele weitere asiatische Staaten sehr viel härter als uns in Europa. In diesem Zusammenhang gibt ein Interview mit dem Volkswagen China-Vorstand Brandstätter einige interessante Einblicke in die Entwicklungen vor Ort.
Volkswagen macht etwa 40 Prozent seines Konzernumsatzes in China und ist dort bei den Fahrzeugen mit Verbrennern Marktführer mit einem Anteil von 22 Prozent. Bei den New Energy Vehicle (NEV), zu denen auch die Batterie-elektrischen Fahrzeuge gehören, hat Volkswagen allerdings nur einen sehr geringen Anteil und steht in sehr harter Konkurrenz zu einhundert chinesischen Herstellern. Während bei den Verbrennern der Markt rückläufig ist, steigt er bei den E-Fahrzeugen und macht dem deutschen Konzern das Leben besonders schwer.
Der Wegfall der Subventionen für Batterie-elektrische Fahrzeuge führt darüber hinaus zu niedrigeren Margen für alle Marktteilnehmer.
Die auch in China stark gestiegenen Benzinpreise erhöhen das Interesse an E-Fahrzeugen. Der Preis für den Strom zum Laden ist nicht gestiegen. Brandstätter erwartet in China für dieses Jahr einen Marktanteil von 60 Prozent der emissionsfreien Autos. Immer mehr E-Fahrzeuge aus China werden auch in die ganze Welt und vor allem in die Länder des globalen Südens exportiert, die sich ebenfalls von ihren Abhängigkeiten von Erdöl befreien wollen. China will globaler Marktführer werden. Das hatte sich vor 15 Jahren die damalige Kanzlerin Merkel von der deutschen Industrie unter dem Motto „Vom Leitmarkt zum Leitanbieter“ für die E-Mobilität auch gewünscht.
Interessant, vor allem im Vergleich zu Deutschland, sind die Kosten für das Laden In China. Wer zu Hause sein E-Auto laden kann, zahlt zwischen 4 und 9 Euro-Cent pro Kilowattstunden. Das öffentliche Laden kostet zwischen 10 und 26 Euro-Cent pro Kilowattstunde. Dabei gibt es viele regionale Unterschiede. Dynamische Stromtarife machen das Laden in der Nacht besonders attraktiv. In Deutschland ist das drei- bis vier-Mal so teuer und von dynamischen Stromtarifen an öffentlichen Ladesäulen sind wir noch weit weg. Bislang kämpfen wir immer noch mit der Nutzerfreundlichkeit der Ladesäulen.
Um eventuellen wilden Argumenten zu den Gründen für die deutschen Strompreise vorzubeugen: Wer bei uns mit eigenem Sonnenstrom sein Auto laden kann, der hat die gleichen Kosten wie die chinesischen E-Autofahrer!


