Dem, was zunächst ganz unverfänglich klingt, nämlich „Der Herr der Fässer“, folgt unmittelbar danach das eigentliche Thema: „Atom-Debakel Asse„. Jenem ehemaligen Salzbergwerk in der Nähe von Wolfenbüttel, wo ab 1967 insgesamt 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll eingelagert wurden. Es ist jetzt im gleichnamigen Film auf der ARD-Mediathek abrufbar.
Das Bergwerk wurde 1965 vom Bund als Forschungsstätte für die Endlagerung radioaktiver Abfälle gekauft. Elf Jahre hat der hochgefährliche Vorgang gedauert, bis all diese Fässer in einer Tiefe von 511 bis 750 Meter eingemauert waren. Problem für mindestens die nächsten 10.000 Jahre gelöst! So jedenfalls hatte das die Politik den Bürgerinnen und Bürgern der benachbarten Gemeinden „verkauft.“
Schon damals war bekannt, dass eine zunächst überschaubare Menge Wasser in die Schachteinlage eintritt – was bei Bergwerken durchaus üblich ist. Doch im Laufe der Zeit stieg das Risiko eines größeren Wassereinbruchs – nicht zuletzt durch bisher unbekannte „Quellen“ oder kontaminierte Salzlösungen, so dass die Sicherheit für die hochkomplexen Arbeiten unter Tage irgendwann nicht mehr garantiert werden kann. Dies nicht zuletzt dadurch, dass in dem Augenblick, wo die Folgen nicht mehr abzusehen sind, weil der Laugenpegel immer näher bis zu den unterirdischen Fässern vordringen könnte. Das hat die Angst der Bevölkerung vor radioaktiver Verseuchung ihrer Umgebung endgültig vergrößert.
Und nun hat man ein Dilemma, vor dem die Fachleute und auch die Bevölkerung stehen. Es geht tatsächlich um eine Entscheidung zwischen „Pest und Cholera“:
- Ein Teil von ihnen plädiert dringend für eine Rückholung der Fässer – eine Bergung, die nach ersten Schätzungen bis zum Jahr 2039 dauern und mehrere Milliarden Euro kosten könnte; mit Risiken wegen der unsicherenen Decken und des Zustands der Fässer, Gasbildungen und ähnlichen Unwegbarkeiten, die insbesonder die Arbeiter zu tragen hätten. Viele nennen es ein Hochrisiko-Großexperiment, dass durch die falschen Annahmen bezüglich der Sicherheit von den Verantwortlichen entstanden ist.
- Andere bevorzugen eine komplette „Befüllung“ mit Beton und Abdichtung der bestehenden Anlage – wohlwissend, dass niemand weiß, ob das für längere Zeit kontrollierbar bleibt.
Da passt der damalige Satz der Apollo 13-Besatzung vor der abgebrochenen Mondlandung ganz gut: „Houston, wir haben ein Problem“. Nur handelt es sich in unserem Fall um ein ungleich schwerwiegenderes Problem, das offenbar manchem Politiker nicht mehr bewußt ist. Es handelt sich um unser Atommüll-Problem. Und dafür ist nicht Houston, sondern Berlin zuständig.
Bild: Uta Weik


