Wird 2027 noch trockener?

Ein Gastbeitrag von Michael Trapp aus Ludesch

Laut UN-Bericht werden wir die 1,5-Grad-Marke globaler Oberflächentemperatur voraussichtlich schon in den kommenden Jahren überschreiten und auf die 2,6-Grad-Marke zusteuern. Neue Studien deuten darauf hin, dass sich die Erde noch schneller erwärmen könnte, auch weil eine weitere Zunahme der atmosphärischen CO2-Konzentration in den nächsten Jahren nicht verhindert werden kann. Die extremen Dürre- und Hitzephasen in 2026 werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr noch übertroffen. 2027 könnte das heißestes Jahr der Geschichte werden.

Wir dürfen landwirtschaftliche Anpassungsgrenzen nicht erreichen!

Um Nahrungsmittelengpässe zu verhindern, müssen wir weitsichtiger agieren, traditionelle Techniken optimieren und neue Technologien schneller nutzen, auch wenn hohe Investitionen erforderlich sind. Erste Schätzungen für 2026 zeigen je nach Fruchtart und Region unterdurchschnittliche Ertragsmengen. Sommerweizen, Mais und Hafer lagen um ca. 19 Prozent niedriger als im 10-Jahresschnitt. Landwirte In der Bodenseeregion berichten bis zu 50 Prozent Einbußen bei der Grünlandernte. Die Apfelernte wird auf 7 Prozent Einbußen geschätzt.

Die nächst liegende Maßnahme ist, den Wasserverbrauch in allen Bereichen zu reduzieren sowie traditionelle Wasserspeicherungsmethoden auszubauen und zu modernisieren.

Unterirdische Zisternen sind platzsparend, bieten Schutz vor Verdunstung sowie Algenbildung und sind geeignet, hohe Niederschlagsmengen zu kanalisieren (Retentionszisternen). Entwässerungsgräben mit Kaskadenwehren bremsen Starkregenmengen und erhöhen den Grundwasserspiegel.

Unterflur-Tropfbewässerung (Subsurface Drip Irrigation) sind mit relativ hohe Investitionskosten verbunden. Sie reduzieren aber laufende Kosten im Vergleich zur oberirdischen Tropfrohrbewässerung. Es wird bis zu 40 Prozent weniger Wasser gebraucht, die Flächen sind jederzeit nutzbar und Pilzkrankheiten sowie Unkrautwachstum sind reduziert. Selbst die Düngung (Fertigation) ist über die Tropfschläuche möglich.

Biokohle (Pflanzenkohle) in den Humus eingearbeitet erhöht die Speicherfähigkeit für Wasser und Nährstoffe, erhöht die Humusschicht und die Bodenfruchtbarkeit, absorbiert Schadstoffe und bindet klimaschädliches CO2 für Tausende von Jahren (Negativ Emission).

Agro – Forstwirtschaft machen Felder in mehrfacher Weise widerstandsfähiger. Monokulturen auf großer freier Fläche sind den Witterungsbedingungen mehr ausgesetzt als die Kombination von Gehölzen mit Ackerkulturen. Sie bietet sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Bäume und Büsche schützen die Biodiversität, verhindern Erosion, schützen den Boden vor Wind und Wasserverlust, da ihre tiefen Wurzeln Wasser nach oben holen. Fruchttragende Gehölze bieten zusätzliche Ernteerträge. Darüber hinaus binden sie Kohlendioxid (Negativ Emission).

Agri-Photovoltaik in der Landwirtschaft hat eine Mehrfachnutzung. Solarzellen über dem Acker, der Wiese oder einer Obstplantage bieten Schutz vor Hagel-, Frost-, Dürreschäden und starker Sonneneinstrahlung ohne wertvolle Ressourcen an fruchtbarem Boden nennenswert zu verbrauchen. Je nach Fruchtart sind sogar höhere Erträge möglich und durch die Stromerzeugung kann mit Zusatzeinnahmen gerechnet werden. Ein Nebeneffekt erfreut das Vieh, die Paneele spenden Schatten an heißen Tagen.

Biogas hat ein noch nicht ausgeschöpftes Potential, Erträge zu steigern und Investitionen für die Transformation in eine Dürre und Trockenheit widerstandsfähige Landwirtschaft zu unterstützen.

Widerstandsfähige robuste Fruchtarten nehmen – neben Standortbedingungen, Fruchtwechsel oder Marktlage – eine zunehmend wichtige Rolle bei der Anbauplanung ein. Der Klimawandel ist mit jährlichen Schwankungen verbunden und wird zunehmend Anbauplanungs-Unsicherheiten verursachen. Ob feuchte, kühle Phasen liebende Kulturen (C3 Pflanzen wie Hafer oder Zuckerrüben) oder trocken und heiße Phasen liebende Kulturen (C4 Pflanzen wie Hirse oder Amarant) angebaut werden sollen, braucht noch mehr Klimaforschung und verbesserte Prognosen. Ein vielfältiger Feldfruchtanbau ist eine erste Maßnahme, um das Risiko von Ernteausfällen und Versorgungsengpässen zu reduzieren.

Viehwirtschaft könnte mit häufigeren Dürrephasen schwierig werden. Steigende Kosten in der Viehhaltung und Engpässen bei der Futter- und Wasserversorgung könnten Betriebe dazu zwingen, ihre Tierbestände zu reduzieren, und Fleisch würde zum teuren Gut werden.

Sollte es nicht gelingen, in den nächsten Jahren die Treibhausgas-Emissionen im erforderlichen Zeitraum zu bremsen und begonnen werden, CO2 aus der Atmosphäre zurückzuholen, könnte eine Anpassung an klimatische Veränderungen noch weitreichendere Folgen haben. Noch höhere Investitionen in eine Klimawandel resiliente Grundnahrungsmittelversorgung hätten dann nicht nur steigende Lebensmittelpreise zur Folge, sondern auch größere Veränderungen im Handel, in den Lieferketten und im Bereich der Erzeuger.

In der Strategie, Nahrungsmittel- und Wasserversorgung zu sichern, sollte berücksichtigt werden, dass sich die nördliche Hemisphäre deutlich schneller erwärmt als die südliche und Europa etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt!

Den ausführlichen Bericht mit Quellenangaben und Grafiken finden Sie hier: Landwirtschaft und Klimawandel 

 

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