Radfahren in Lindau/Bodensee: Ein Gespräch mit dem Mobiltätsmanager

Sichere und attraktive Radwege in der Stadt und der Region sind entscheidend für eine breite Akzeptanz des Fahrrades als Verkehrsmittel. Da liegt es nahe, darüber mit dem Mobilitätsmanager der Stadt Lindau, Jaime Valdés Valverde, zu sprechen. Jaime war nicht nur für den Ausbau des Bodenseeradweges durch Lindau verantwortlich, er ist auch leidenschaftlicher Radfahrer und hat für sein historisches, täglich genutztes Rad einen angemessenen Platz im Büro gefunden (Titelbild).

e2connect: Seit wann bist Du bei der Stadt Lindau und was sind Deine Aufgaben?

Jaime: Ich arbeite seit 2015 bei der Stadt Lindau – zunächst als Mobilitätsplaner. Nach der Erarbeitung des Mobilitätskonzeptes KLiMo haben wir die Strukturen so weiterentwickelt, dass ich mich stärker um die Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen kümmern kann. Als Mobilitätsmanager bin ich für die strategische Mobilitätsplanung und ihre Umsetzung zuständig. Dabei geht es um ein breites Spektrum: Den Fuß- und Radverkehr, den öffentlichen Personennahverkehr, die Steuerung des motorisierten Individualverkehrs und die Entwicklung neuer Mobilitätsangebote. Mobilitätsmanagement ist eine Querschnittsaufgabe. Dazu stimme ich mich mit verschiedenen Ämtern und externen Partnern ab. Meine Rolle ist nicht nur, Ideen einzubringen, sondern auch die Umsetzung von Maßnahmen zu koordinieren und voranzubringen.

e2connect: Der Bodensee-Radweg wurden deutlich ausgebaut. Wie lange hat das inklusive Planung gedauert und was waren die größten Herausforderungen?

Jaime: Vom Beginn der Planungen bis zum Abschluss der Bauarbeiten im Sommer 2025 waren es rund fünf Jahre. 2020 haben wir die Ideen für vier Abschnitte entwickelt und die Förderanträge gestellt. Nach der Bewilligung konnten wir konkret planen. 2021 wurde die erste Maßnahme umgesetzt. Anschließend haben wir die weiteren Abschnitte Schritt für Schritt ausgebaut. Eine besondere Herausforderung war, eine hochwertige und durchgängige Route zu schaffen, die sowohl im Alltag als auch in der Freizeit gut funktioniert. Auf einer solchen Premiumroute treffen unterschiedliche Bedürfnisse und Verkehrsteilnehmende aufeinander. Deshalb war es wichtig, ausreichend Platz für den Radverkehr vorzusehen und Fuß- und Radverkehr möglichst klar voneinander zu trennen. Bei den Fahrradstraßen haben wir uns für einen Querschnitt von 5,50 Metern entschieden, damit die Menschen dort komfortabel und mit weniger Konflikten unterwegs sein können. Zugleich konnten wir Verbindungen schließen, die bisher gefehlt hatten.

e2connect: Wie bist Du und wie sind die Radfahrerinnen und Radfahrer mit den neuen Radwegen zufrieden?

Jaime: Mit der neuen Radverkehrsführung bin ich sehr zufrieden. Ich freue mich darauf, dass immer mehr Menschen die Strecke nutzen und die Vorteile des Radfahrens für sich entdecken. Für eine abschließende Einschätzung, wie zufrieden die Radfahrerinnen und Radfahrer insgesamt sind, braucht es Zeit und weitere Rückmeldungen. Wichtig ist, die Entwicklung der Nutzung im Blick zu behalten und dort nachzubessern, wo sich noch Verbesserungsbedarf zeigt. Weitere Optimierungen – insbesondere für mehr Verkehrssicherheit – bleiben deshalb ein wichtiges Thema.

e2connect: Was würdest Du tun, um Radfahren in Lindau noch attraktiver zu machen? Schaffen wir es, so gut wie die Niederländer zu werden?

Jaime: Wir werden unsere Radverkehrsstrategie Schritt für Schritt weiter umsetzen. Die Premiumroute „Bodensee Fahrradstraße“ ist ein wichtiger Baustein. Darüber hinaus geht es darum, die Hauptrouten der Kategorien 1 und 2 auszubauen, wichtige Ziele in der Stadt besser miteinander zu verbinden und Lücken im Netz zu schließen.

Ein Beispiel ist die Verbindung vom Bahnhof Reutin in Richtung Gewerbegebiet: Dort soll die Radverbindung komfortabler werden. Auch die Reutiner Straße wollen wir aufwerten. Grundsätzlich muss Radfahren gegenüber dem Auto noch konkurrenzfähiger werden – mit sicheren, breiten und durchgängigen Wegen sowie guten Abstellmöglichkeiten an den Zielen. In Lindau ist das Fahrrad auf vielen Strecken schon heute eine schnelle Alternative: Abkürzungen wie der Bleicheweg oder die Unterführung an der Bregenzer Straße helfen dabei. Mit dem Auto kommt außerdem oft noch die Parkplatzsuche hinzu.

Die Niederlande können uns beim konsequenten und komfortablen Ausbau der Radinfrastruktur durchaus ein Vorbild sein. Ihre Verkehrskultur und die Rahmenbedingungen lassen sich aber nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Bei uns gelten andere Regeln und Planungsanforderungen. Entscheidend ist, dass wir gute, sichere Verbindungen schaffen und das Miteinander im Verkehr stärken. Auch Pedelecs machen das Radfahren für mehr Alters- und Bevölkerungsgruppen zugänglich. Je einfacher und angenehmer das Angebot ist, desto mehr Menschen werden es nutzen.

e2connect: Du bist selbst leidenschaftlicher Radfahrer. Was war Dein schönstes Erlebnis mit dem Rad?

Jaime: Vor zwei Jahren habe ich mit meinem Bruder meine erste Bikepacking-Tour gemacht: Wir sind rund 1.000 Kilometer auf dem Donauradweg bis nach Budapest geradelt. Schon ab dem ersten Tag habe ich gemerkt, wie gut es tut, mit dem Rad unterwegs zu sein: Man bekommt den Kopf frei und fühlt sich schnell erholt. Diese Mischung aus Bewegung, Natur und dem Gefühl, aus eigener Kraft voranzukommen, war für mich etwas Besonderes.

Seitdem habe ich weitere längere Touren unternommen. Aber auch im Alltag ist das Fahrrad für mich nicht mehr wegzudenken. Ich habe mein eigenes Auto vor sieben Jahren verkauft und bin in der Stadt mit dem Fahrrad unterwegs – auch mit kleinen Kindern, zum Beispiel mit dem Lastenrad. Wir leben in einer herrlichen Region, in der schöne Erlebnisse oft direkt vor der Haustür beginnen. Radfahren macht Spaß, hält aktiv und ist gerade auf kurzen Strecken oft sehr komfortabel.

e2connect: Jaime, vielen Dank für die interessantenEinblicke und weiterhin viel Erfolg mit dem Rad.

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