Mit Luftschiffen klimaneutral fliegen?

Beginnen wir zunächst beim Beispiel Zeppelin, genauer gesagt: Bei Graf Ferdinand von Zeppelin. Ihm ist es zu verdanken, dass sich in unserer Region, nämlich in Friedrichshafen, im Jahr 1900 das erste große Luftschiff vom Boden erhob, das auch in dieser Stadt gebaut wurde. Immerhin: Inklusive der Kriegsjahre wurden danach an diesem Standort insgesamt rund 120 ähnliche Luftschiffe gebaut.

Nach dem ersten Weltkrieg war aber zunächst Schluss mit dem ehemaligen Erfolgsmodell, das sich auch im Krieg als nützlich erweisen sollte. Danach fiel es allerdings der „Entwaffnung“ zum Opfer und durfte nicht weiter gebaut werden. Erst 10 Jahre später erlebte es seine Wiederauferstehung. Doch dann kam der 6.Mai 1937: Bei der Landung des Linienflugs zwischen Frankfurt und Lakehurst (USA) brach dort im Heck Feuer aus, das Luftschiff stürzte ab – 35 der 97 Menschen an Bord starben. Und mit ihnen ging die Ära der Passagier-Luftschifffahrt zu Ende. Kleiner Trost: Seit 25 Jahren gibt es zumindest wieder drei Zeppeline für zivile Rundflüge in unserer Region und im Ruhrgebiet, die allesamt in Friedrichshafen gebaut wurden und jetzt im Besitz der Zeppelin Reederei sind.

Und an dieser Stelle zu meiner Aussage im Blogbeitrag der letzten Woche, nämlich zu meiner Buchbesprechung von Eurotopia 2050 und der Episode „kontinentales Luftschiff-Netz und die Revolution des Gütertransportes.“ Hier also kurz zusammengefasst die Visionen – oder bleiben es Utopien? – für unsere Zukunft in 24 Jahren.

Der Autor Stephan Rammler setzt sich nämlich für die Rückkehr der Luftschiffe in Europa ein. Und er hält in der Tat eine ganz Menge von nachvollziehbaren Vorteilen parat, welche die neue Art der Fortbewegung und des Warentransports ziemlich erstrebenswert erscheinen lassen könnten.

Klar, ein perfektes und funktionierendes Fernreisevergnügen, das er durch verlockende Panoramaplätze in einem solchen „Zeppelin“ erhöhen möchte, hat schon was für sich. Dazu klimaneutrale Antriebe, eine maßvolle Geschwindigkeit von rund 150 Stundenkilometern, die er für die menschliche Wahrnehmung für absolut angemessen hält, und das bei gleichzeitiger Aussicht auf darunter liegende Landschaften aus 800 Meter Höhe.

Viel intensiver aber widmet sich der Autor den zahlreichen Vorteilen, die der Gütertransport für schwere Produkte aller Art mit sich bringen, die nicht gleich ein Paar Stunden später beim Empfänger sein müssen. Oder auch dem Einsatz von medizinisch perfekt ausgestatteten Luftschiffen, die gerade auch bei Katastrophen in unzugänglichen Gebieten helfen können. Auch wenn es aktuell noch schwierig ist, die verschiedenen Knackpunkte (Zulassungen, Steigerung und Ausgleich der Zuladungsmenge, Antrieb, etc.) unter einen Hut zu bringen, so weiß man, dass bereits heute Ingenieure in den USA mit dem Pathfinder 3 daran arbeiten, ein 180 Meter langes Luftschiff mit einer Zuladung von fast 100 Tonnen zu bauen. Mal sehen, ob das Geld des Google-Mitbegründers Sergey Brin mit seiner Firma LTA („Lighter Than Air“) ausreicht, um der Physik ein Schnippchen zu schlagen und gegenüber heutigen Drohnen zu bestehen, die bereits jetzt bis zu einer Tonne Ladung transportieren können.

Im Buch Eurotopia 2050, über das ich hier schreibe, beschreibt der Autor zu diesem Thema sehr anschauliche Beispiele, wie etwa der Luftschiff-Transport von Flügeln für Windräder oder sperrige Bauteile von Hochhäusern klappen könnte, wenn diese riesigen, besonders wichtigen Bauteile nicht wie bisher über den Landweg, sondern aus der Luft angeliefert würden: keine Straßensperrungen, keine Polizeieskorte, kein Fällen von Bäumen, um Kurven zu bewältigen, und das alles bei viel weniger Logistikkosten. Er verschweigt dabei nicht, dass bei hohen Windgeschwindikeiten alle Luftschiffe am Boden bleiben müssen. Gleichzeitg hält er für 2055  eine weitere Lösung bereit: Bis dahin sollen nämlich europäische (!) Firmen Luftschiffe anbieten, die in einer Höhe von 12.000 Metern fahren. Vorteil: Die Jetstream-Winde sorgen für einen zusätzlichen Schub, und so lassen sich mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h bis zu 300 Tonnen z.B. nach Südamerika oder Kanada bringen. Wahrscheinlich nur schöne Träume, weil uns hier die Physik natürliche Grenzen setzt.

Einstweilen aber – und da sind wir wieder beim Thema „regional handeln“ und „Arbeitsplätze schaffen“ – müssen wir feststellen: Trotz aller berechtigten Zweifel an dem Projekt Pathfinder 3 hätte es bei entsprechender Finanzierungsbereitschaft statt in den USA auch in Friedrichshafen stattfinden können. Zum Glück aber haben sich Graf Zeppelin und sein Nachfolger für alle Fälle die wesentlichen Elemente seines Luftschiffes patentieren lassen. Und die Quellen besagen, dass die hiesige Zeppelin Luftschifftechnik entscheidendes Wissen und konkrete Bauteile, wie die Passagiergondel, das Leitwerk und die Landemechanik“, zu dem Vorhaben Pathfinder 3 beigesteuert hätten.. Immmerhin!

Bildausschnitt: LTA Research

 

 

 

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