Das Dilemma der Konzerne mit klimafreundlichen Produkten

Stellen Sie sich vor, Sie sind Chef (CEO) eines international agierenden Konzerns. Viele Organisationen aus dem Klima- und Umweltbereich und in Folge die Medien bedrängen Sie, endlich klimafreundliche Produkte auf den Markt zu bringen. Das könnte ein emissionsfreier Antrieb oder ein klimaneutraler Kraftstoff oder ein CO2-freies Kraftwerk sein.

Zunächst fragen Sie die Experten aus Entwicklung und Produktion was es kosten wird, so ein Produkt zur Marktreife zu bringen. Die Antwort könnte lauten: Für Entwicklung, Qualifikation, Entwicklung und Anfahren der Produktion rechnen wir mit etwa 500 Millionen Euro pro Jahr über die nächsten 10 Jahre. Aufgrund der vielen neuen Technologien kann das auch deutlich teurer werden.

Dann geht die Frage an den Vertrieb: Wie wird es mit dem Verkauf und mit den Gewinnen beim neuen Produkt aussehen? Der Vertriebschef zuckt mit den Schultern: Da gibt es sehr viele Unsicherheiten. Wie ist die Akzeptanz und Gesetzgebung  in den jeweiligen Ländern? Wie schnell steht die notwendige Infrastruktur? Eines ist sicher: Unsere Kunden wollen nicht mehr zahlen als für die traditionellen Produkte.

„Ooooh, das kann ich meinen Aktionären und Aufsichtsräten nicht erklären. Die suchen sich sofort einen neuen Chef und ich bin gefeuert„, so Ihr Resümee der Analyse.

Was tun?

Ich könnte unseren Profis für Kommunikation bitten eine Kampagne zu starten, um die vorhandenen Produkte deutlich klimafreundlicher darzustellen. Über Forschungsaufträge an Institute könnten wird auch die Klimafreundlichkeit der gewünschten neuen Produkte kritisch hinterfragen. Unsere Lobbyisten sollten die Politiker über den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen aufklären. Auch unsere Spezialisten in juristischen Fragestellungen sollten doch prüfen, welche Regelwerke den Fortbestand der traditionellen Produkte sichern. Wenn ich deren Budgets um ein paar Millionen erhöhe, dann können sie sich die Besten der Besten einkaufen und mein Problem mit den Kosten und Risiken für die klimafreundlichen Produkte geschickt lösen.

Meine Investoren freuen sich über stabile Renditen und ich behalte meinen lukrativen Job!

Die Experten unter den Lesern mögen mir diese stark vereinfachte Darstellung nachsehen. Mir geht es darum, das Dilemma bewußt zu machen. Die traditionellen Konzerne werden sich erst bewegen, wenn neue klimafreundliche Produkte der (neuen) Konkurrenten das etablierte Geschäft bedrohen. Dann ist es aber zu spät und die Lösung lautet: Personalkosten reduzieren und ganze Firmenteile verkaufen.

Titelbild: Greenwashing ist zwar verboten, kostet aber fast nichts und wirkt immer.

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