Die IG Metall warnt die Politik: „Im Lkw-Sektor darf uns nicht das passieren, was wir im Pkw-Bereich erleben“ so ein Bericht im Handelsblatt. Die Gewerkschaft und Betriebsräte von Daimler Truck und Iveco warnen vor dem Verlust von Aufträgen und Beschäftigung bei Zulieferern und Herstellern.
„Wenn unsere Industrie bei der Elektromobilität wettbewerbsfähig sein soll, brauchen wir einen europaweiten strategischen Industrieplan, der die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen fördert“, erklärte Michael Brecht, Betriebsratschef von Daimler Truck. Das hat er richtig erkannt! Er hat jedoch vergessen, dass sich Daimler im Jahr 2017 – damals waren Pkw und Lkw noch vereint – gemeinsam mit vielen anderen deutschen Konzernen gegen eine Batteriezellfertigung ausgesprochen hatten. Die Bundesregierung wollte dagegen zu dieser Zeit unbedingt eine Zellfertigung und hat dafür viele Fördermittel bereitgestellt.
Zur Batteriezellfertigung in Europa gibt es seit vielen Jahren eine sehr umfangreiche politische und finanzielle Unterstützung. Leider schafft es die Industrie nicht, diese Pläne auch umzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist ACC, ein Joint Venture von Stellantis, Daimler und Total Energies zur Fertigung von Batteriezellen. Die Pläne für Fabriken in Deutschland und Italien wurden gerade beerdigt und die Produktion in Frankreich scheint mehr schlecht als recht zu laufen.
Schon im Jahr 2018 sorgte der damalige IG Metall-Chef mit der Aussage „Die Elektromobilität kostet uns 100.000 Arbeitsplätze“ für viele Schlagzeilen. Zu dieser Zeit konnte ich mit einem hochrangigen Vertreter dieser Gewerkschaft ein sehr gutes und ausführliches Gespräch führen und ihm die weltweiten Entwicklungen zum Thema bewußt machen: „Es ist nicht die E-Mobilität, die Arbeitsplätze kostet, sondern das Nichtstun und Abwarten unserer Konzerne“. Leider hatte das Gespräch keine Konsequenzen (siehe oben).
Über was nie gesprochen wird: Die IG Metall ist in vielen Aufsichtsräten deutscher Konzerne vertreten und könnte die Vorstände ganz einfach zu den weltweiten Entwicklungen befragen. Die europäische Gesetzgebung zur CO2-Reduktion im Verkehr ist mit Sicherheit auch seit vielen Jahren ein Thema der Aufsichtsratssitzungen. Offensichtlich haben auch die IG Metall-Mitglieder im Aufsichtsrat die fragwürdige Strategie der Vorstände mitgetragen oder nicht richtig aufgepasst.
Wenn die IG Metall jetzt wieder einmal Forderungen an die Regierung stellt oder, wie im letzten Jahr bei Volkswagen, gegen den Stellenabbau im eigenen Konzern wettert, ist das sehr irritierend – schließlich haben sie das alles im Aufsichtsrat mitentschieden.
Chinesische Firmen haben dagegen nicht abgewartet, sondern sind bei allen Zukunftstechnologien konsequent in die Vollen gegangen. Ob bei der Photovoltaik, der Batterie oder den E-Fahrzeugen: Sie haben sehr schnell dazugelernt und mit großem Engagement die Produktion hochgefahren (siehe auch das 996-Prinzip). Inzwischen können sie weltweit Produkte anbieten.
Dabei ist es wichtig zu verstehen: Ohne deren Produkte könnten wir die Energiewende nicht umsetzen! Unternehmen wie Longi (Photovoltaik, Wasserstoff), CATL (Batterien), BYD (Batterien, Pkw), Xiaomi (Smartphone, Sportwagen), Sana (Lkw) und viele, viele andere sind zu großen, weltweit agierenden Unternehmen herangewachsen und verdrängen inzwischen viele unserer traditionellen Konzerne von den Märkten.
Vor mehr als einhundert Jahren haben kluge und mutige Köpfe wie Robert Bosch, Carl Benz, Ferdinand Porsche und Gottlieb Daimler den Grundstein für den Erfolg unserer Industrie und den damit verbundenen Wohlstand gelegt. Nur wenn wir auch die Technologien der Zukunft beherrschen und wieder gemeinsam und mit viel Mut handeln, schaffen wir es, unseren Wohlstand zu erhalten.
Diese Botschaft richtet sich in erster Linie an die Führungskräfte und die Aufsichtsräte, denn an guten und kreativen Ingenieuren und Technikern zur Umsetzung mangelt es nicht.
Titelbild Petra Boeter, KI generiert:
So hat der Wohlstand vor einhundert Jahren begonnen – wir beherrschten die Schlüsseltechnologien dieser Zeit.



Eine Antwort
Dem kann man nur zustimmen!!!