Vor gut zehn Jahren hatte ich den Roman Blackout verschlungen. Marc Elsberg hatte nicht nur super spannend erzählt, sondern auch alle Themen rund um unserer verwundbare Stromversorgung exzellent recherchiert. Jedes Mal, wenn wieder einmal aufgrund von Terroranschlägen oder Unwettern die Stromversorgung für längere Zeit ausfällt, ist das Buch in aller Munde. Kurz danach haben die meisten Verantwortlichen schnell vergessen, sich auch wirklich um eine resiliente Stromversorgung zu kümmern.
„Eden, wenn das Sterben beginnt“, von Marc Elsberg hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Dabei ging es mir beim Lesen nicht um den Klimawandel und seine Folgen. Dazu gibt es seit 20 Jahren unendlich viele und hervorragende Reportagen. Für mich war entscheidend, wie sich unsere Gesellschaft und deren wichtigste Akteure bei Krisen verhalten. „Fake gegen Fakten“ lautet mein Resümee, ohne zu viel von der Handlung zu verraten. Gleichzeitig konnte ich eine fast vollständige Übereinstimmung mit unseren e2connect-Erlebnissen und meinen persönlichen Erfahrungen aus mehr als 40 Jahren mit der Energie- und Mobilitätswende feststellen.
Zu den Fakten: Im Roman ermöglicht die KI die weltweite Erfassung sehr vieler Umweltdaten in Echtzeit und deren Auswertung in Sekundenschnelle. Damit lassen sich dann sofort Veränderungen und Zusammenhänge erkennen und sehr zuverlässige Vorhersagen ableiten. Anmerkung: Die Nutzung der KI hat nichts mit Intelligenz zu tun, wie manche gerne aus dem I des Begriffes KI ableiten – es geht „nur“ um super schnelle Datenverarbeitung.
Für den allergrößten Teil der Menschheit sind Zahlen und Grafiken unverständlich und langweilig. Selbst Fachleute tun sich schwer, größere Zusammenhänge und schnelle Veränderungen zu begreifen. Nicht nur die Meeresbiologen im Roman mussten das feststellen. Auch ich durfte in den letzten Jahren bei meinen Themen zur Energie- und Mobilitätswende hier schmerzhaft dazulernen.
Die Hauptfigur im Roman, der geniale und mutige Influenzer Linus, schlägt sich auf die Seite der Meeresforscher und lässt in emotionalen Videos das Nilpferd Hippo die komplexen Zusammenhänge einfach und eindrucksvoll erklären. Seine Reichweite in den sozialen Netzwerken explodierte.
Diese Expertise fehlt uns leider bei e2connect noch.
Aber es gibt im Roman wie im realen Leben sehr mächtige Gegenspieler: Die Welt der Investoren, die mit allen Mitteln versuchen kurzfristig maximale Gewinne zu machen. Sie können sich die weltweit besten Profis aus dem Kommunikationsbereich leisten und lassen diese ihre eigennützigen Geschichten, die meist in das Reich der Fake-News gehören, verbreiten. So entführen sie geschickt die komplette Gesellschaft und damit auch die Politik in eine Scheinwelt, die ihren Geschäftsinteressen dient. Selbst hochrangige Politiker, die sich in ihrem Fachgebiet gut auskennen, haben dann keine Chance sich gegen die Kollegen im Kabinett oder der EU durchzusetzen. Sehr Ähnliches habe ich über viele Jahre immer wieder erlebt: Selbst einfache Fakten werden in einer Welt, die von unrealistischen Wunschvorstellungen geprägt ist, wahrgenommen.
Wie geht der Kampf zwischen Fakten und Fake im Roman aus?
Das verrate ich nicht. Nur soviel und eine für mich neue Erkenntnis aus dem Roman: Mit den KI-Methoden lassen sich in Echtzeit auch die Risiken von Investitionen bewerten und verbreiten. Das bringt die Versicherungsbranche, die eine entscheidende Rolle bei den großen Investitionen für die Zukunft spielt, zunehmend in Bedrängnis.
Die aktuelle Krise in der Erdöl- und Gasversorgung bietet eine perfekte Chance, die Analogien zum Geschehen im Roman von Marc Elsberg herauszufinden: Niemand hat eine Idee, wie man das grundlegende Problem der Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas schnell lösen kann. „Benzinpreisbremsen“ oder die Freigabe von strategischen Reserven sind keine Lösung, sondern lindern nur kurzfristige die Symptome.
Fazit:
Um zwischen Fakten und Fake unterscheiden zu können, bedarf es eines offenen und ehrlichen Diskurses und einer ganzheitlichen Sichtweise. Leider haben wird das alles verlernt.


