Ganz Paris träumt von der Liebe – und längst nicht mehr vom Blechgetriebe

Man stelle sich vor, die damaligen Oberbürgermeister in Stuttgart (Fritz Kuhn, Grüne) oder München (Dieter Reiter, SPD) hätten vor 10 Jahren das gemacht, was ihre Amtskollegin (Anne Hidalgo, Parti Socialiste) im viel größeren Paris in Angriff genommen hatte: Eine Vision und die dazu gehörende Strategie in die Tat umzusetzen. Und die lautete: 

Autos und Parkplätze ‚raus aus der Stadt,

mehr Fahrradstraßen und Fußgängerzonen für die Bewohner*innen von Paris.

Und kaum zu glauben: Die aktuelle Bürgermeister-Wahl hat bezeichnenderweise derjenige gewonnen, der die autofreien Zonen in Paris sogar noch deutlich ausbauen will! Interessanterweise ging es in Paris vor allem darum, das öffentliche Wohl, die Lebensqualität und die Gesundheit in den Mittelpunkt verantwortungsvoller Regierungsarbeit zu stellen. Gerne auch mit Schlagworten wie „Autos töten“ oder „Autos machen krank“. Statt lästiger CO2-Diskussionen einfach ein Versprechen für das Wohlergehen aller Bürgerinnen und Bürger – und nicht dasjenige der Autolobby.

Keine Frage, bei uns in Deutschland würden solche zugespitzten Aussagen sofort die Vertreter individueller Mobilität, die Autolobby und die Zulieferindustrie auf den Plan rufen. Und im Gegensatz zu Paris könnten sich die jeweiligen Oberbürgermeister*innen im Ernstfall auf die Zuständigkeit in Berlin berufen, wo sich die Sympathien mittlerweile wieder eher dem Verbrenner zuwenden.

Verhehlen darf man aber auch nicht, dass man in der französischen Hauptstadt viel weniger Pendlern den Garaus machen musste als dies beispielsweise in Berlin der Fall wäre: In Paris sind es lediglich 10 Prozent der Arbeitnehmer, die sich mit ihrem Auto auf den Weg zur Arbeit machen. Hingegen in Berlin: 40 Prozent! Viele davon kommen aus der näheren Umgebung der Hauptstadt, und die meisten dieser Autofahrer sind natürlich potentielle Wählerinnen und Wähler, die man auf keinen Fall verprellen möchte. Die meisten davon fänden es selbstverständlich erstrebenswert, wenn ihre Stadt ein wenig schöner, umweltfreundlicher und verlockender daher käme, und man findet es auch toll, dass die Zahl der Fahrradstraßen sichtbar zunimmt. Aber bitte: nIcht auf Kosten von Parkplätzen!

Vielleicht ginge ja ein Umdenken in dieser Angelegenheit deutlich schneller, wenn man sich an Beispielen wie New York (40 km/h in der ganzen Stadt), Bologna (30 km/h) oder Lyon (Tempolimit) orientieren würde, wo viele nicht zuletzt deswegen auf den ÖPNV umgestiegen sind, weil sie die Schleicherei und die Staus genervt haben.

Freilich: In Paris deckt die Metro nicht nur das Zentrum, sondern auch die Außenbezirke schnell, günstig und zuverlässig ab – und das vor allem pünktlich. Und damit wären wir bei dem Problem, das Deutschland in dieser Hinsicht hat…

Cartoon: KI-generiert

 

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