Pizza auf der Terrasse, Strom von der Marina

Im Ofen der Außenküche backt die Pizza, während auf der Terrasse Gläser klirren und im Garten Kinder zwischen Apfelbäumen und Planschbecken Fangen spielen. Es ist ein warmer Abend am Bodensee.  Die Sonne steht noch hoch genug, um alles in dieses goldene Licht zu tauchen, das Gespräche länger werden lässt.

An der Hauswand hängt ein Foto ihrer Yacht. Weißer Rumpf, klare Linien – auf Teilen des Decks und auf den Sonnendächern am Heck und über dem Steuerrad strahlen dunkle Solarmodule.

„Wir haben sie letztes Jahr umbauen lassen“, sagt sie beiläufig, als der Blick eines Gastes auf das Bild fällt. „Eine Werft hier in der Region. Solarpaneele, eine große Batterie, Kühlschrank und Elektroherd und zusätzlich einen Elektromotor.“

Er nickt. „Für kurze Strecken fahren wir jetzt elektrisch. Nur wenn wir weite Strecken fahren oder bei starkem Gegenwind, schalten wir den Benziner dazu.“ Jetzt brauchen wir fast keinen teuren Sprit tanken – und schön leise ist es auch. In der Badebucht spenden die Solarpaneele einen angenehmen Schatten, der Ventilator sorgt immer für eine leicht Brise und die Batterie wird für die Heimfahrt nachgeladen.

Und das Boot macht inzwischen mehr, als nur herumzuliegen“, sagt sie und nimmt die fertige  Pizza aus dem Ofen.

Die meisten Yachten verbringen den Großteil ihres Lebens im Hafen. Auch ihre. Unter der Woche liegt sie ruhig in der Marina, angeschlossen an Landstrom. Nur dass der Strom inzwischen in beide Richtungen fließt – meistens vom Boot zur Marina

Die Solarmodule auf dem Deck produzieren Strom, solange die Sonne scheint. Die Batterie speichert sie. Am Abend, wenn im Netz der Bedarf steigt, wird ein Teil davon wieder eingespeist. Die Marina hat die Technik dafür aufgebaut, mehrere Boote zusammengeschaltet, die Speicher gebündelt und hat sich inzwischen als Grünstromhändler positioniert.

Was früher einfach nur Liegeplatz war, ist heute ein kleines, verlässliches Energiesystem.

Er deutet mit einem Lächeln auf die Terrasse. „Der Strom hier kommt gerade vom Boot bzw. der Mariana, mit der wir einen Stromliefervertrag haben.

Die Gäste schauen erst zum Ofen, dann wieder auf das Foto an der Wand. Die Vorstellung gefällt ihnen. Strom vom See, konserviert in einer Batterie unter Deck, geliefert zur richtigen Zeit.

„Und im Winter?“, fragt jemand.

„Da steht die Yacht im Lager“, sagt sie. „Angeschlossen bleibt sie trotzdem. Die Batterie arbeitet weiter. Ein Großteil der Liegegebühr kommt so wieder zurück.“

Es ist kein großes Geschäft, aber es hat ihren Blick verändert. Das Boot ist nicht mehr nur Freizeit, nicht nur Besitz, nicht nur Status. Es ist Teil eines Systems geworden, das Energie erzeugt, speichert und zur Verfügung stellt, wenn sie gebraucht wird.

Die Kinder kommen lachend zurück an den Tisch. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem See. Der Ofen läuft weiter, gespeist aus einem Netz, das längst nicht mehr nur aus Kraftwerken besteht, sondern aus vielen kleinen Beiträgen.

Auch wenn die Geschichte erfunden wird, technisch ist das alles bereits heute möglich und muss nur noch umgesetzt werden.

Allein am Bodensee liegen tausende Boote die meiste Zeit ungenutzt. Mit Photovoltaik auf den Decks und Speichern an Bord oder in der Marina ließe sich daraus ein beachtliches, dezentrales Potenzial entwickeln.

Bild: Petra Boeger, KI generiert

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