Streisal: Ein Hidden Champion aus dem Allgäu

Das mittelständische Unternehmen Streisal aus Wangen im Allgäu liefert Rührwerke und Tauchmotoren für Biogasanlagen in der ganzen Welt. Vor einigen Tagen konnte ich die Firma besuchen und mit Dipl. Wi-Ing. Thomas Stemmer, Miteigentürmer und Geschäftsführer, ein Gespräch über die weltweite Verwertung von Biomasse und die Rolle von Streisal führen. Streisal wurde 1988 von Eugen Salomon, einem genialen Erfindergeist aus Vorarlberg gegründet. Rührwerke für die Landwirtschaft (Gülleverarbeitung), die Industrie und Klärtechnik sind seither das Kerngeschäft.

  e2connect: Seit wann bist Du bei Streisal und was ist Deine Rolle?

Thomas Stemmer: Gemeinsam mit Peter Starz habe ich das Unternehmen im Jahr 2010 vom Gründer übernommen. Seither führen wir gemeinsam Streisal. Meine Rolle ist im Prinzip „Mädchen für alles“, also den kaufmännischen Bereich, Technik und Vertrieb.

e2connect: In Deutschland gibt es aktuell viele kontroverse Diskussionen zu Biogas. Wie wird es hier weitergehen?

Thomas Stemmer: Vor knapp 20 Jahren entstand aufgrund der politischen Unterstützung ein rasant wachsender Markt an Biogasanlagen. Die heute etwa 9.300 Biogasanlagen in Deutschland erzeugen jährlich etwa 29 Milliarden Kilowattstunden Strom und 32 Milliarden Kilowattstunden Wärme. Die klassischen Biogasanlagen sind für uns Bestandsgeschäft. Solche Anlagen werden kaum noch gebaut. Der Trend geht sehr stark in Richtung flexible und damit netzdienliche Stromerzeugung und die Produktion von Bio-Methan, das entweder verflüssigt (Bio-LNG) oder ins Gasnetz eingespeist wird. Jede Biogasanlage ist anders,  so produzieren sie neben Strom und Wärme beispielsweise auch wertvollen Wirtschaftsdünger (Stickstoff- und Phosphat-Dünger) oder auch CO2 für die Lebensmittel-Industrie und die Erzeugung von E-Fuel in Kombination mit grünem Wasserstoff. Die Verwertung von Reststoffen aus der Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und kommunale Reststoffe spielen eine immer größere Rolle – das ist gelebte Kreislaufwirtschaft.

e2connect: 70 Prozent eures Geschäftes findet im Ausland statt, von Brasilien bis zu den Philippinen. Wie kommt das?

Thomas Stemmer: Weltweit werden heute nur zwei Prozent der Abfallbiomasse wiederverwertet. Die restlichen 98 Prozent werden deponiert, was nicht nur mit ungenutzter Energie, verlorenen Rohstoffen und erheblichen CO2-Emissionen verbunden ist. Beispiele sind die Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr in Brasilien oder die Verarbeitung von Ananas auf den Philippinen. Das ist ein riesiger Zukunftsmarkt und „Bio-Recycling“ wird mitentscheidend sein gegen die Klimakatastrophe. Über die Verwertung der Biomasse könnten global mehr als 10.000 Terrawattstunden Strom erzeugt werden. Das ist zwanzig Mal so viel wie der Stromverbrauch von Deutschland. Die mögliche Vermeidung von CO2-Emissionen wird auf 3,8 Milliarden Tonnen geschätzt, etwa sechs Mal so viel die jährlichen Emissionen Deutschlands.

 

Die optimale Verwertung von Abfällen aus der Ananas-Verarbeitung auf den Philippinen
Bildquelle: Steisal

 

   e2connect: Warum sind eure Produkte so beliebt?

Thomas Stemmer: Die möglichst gleichmäßige Vermischung der Biomasse, ein dicker Brei aus sehr vielen Bestandteilen, ist technologisch sehr anspruchsvoll. Die Gärbehälter haben einen Durchmesser von bis zu 30 Metern und einer Tiefe von zehn Metern. Mangelhafte Homogenisierung führt zu erheblichen Verlusten bei der Erzeugung von Bio-Methan. Die Vergärung läuft auch Tag und Nacht durch und das über viele Jahre. Ein defektes Rührwerk oder einen kaputten Tauchmotor zu tauschen, kostet ein Vermögen. Die notwendige Zuverlässigkeit und die Effizienz sind die Stärken von Streisal.

   e2connect: Meine letzte Frage: Habt ihr eine Photovoltaik auf dem Dach?

Thomas Stemmer: Klar – wir haben eine 100 Kilowatt Anlage installiert und laden damit auch unsere fünf Elektroautos. Das spart fossile Kraftstoffe und viel Geld.

 

Thomas Stemmer beim Laden seines E-Autos in der Firma

 

Nachdem sehr lehrreichen Besuch ist mir noch eine Zahl eingefallen, die das Potential der Verwertung von Biomasse verdeutlicht: Weltweit ist nur die Hälfte der Bevölkerung an eine Kanalisation für die Abwässer angeschlossen. Und von denen, die an einen Abwasserkanal angeschlossen sind, verfügt wiederum nur die Hälfte über Kläranlagen, wie sie bei uns üblich sind. Mit dem verfügbaren Stand der Technik könnten wir riesige Mengen an Erdöl und Erdgas für die Strom- und Wärmeerzeugung einsparen. Gleichzeitig ließen sich viele Wertstoffe recyceln und CO2 für die Erzeugung von E-Fuel gewinnen.

Mein Fazit:

Wir sollten viel mehr die weltweiten Chancen im Auge behalten und nicht nur die heimischen Probleme diskutieren. Streisal ist ein tolles Beispiel für German Engineering und globale Anerkennung.

 

Titelbild: Blick auf ein Rührwerk in einer Biogasanlage – Quelle Streisal

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