Einige Autofirmen wissen, dass eingefleischte Fans sogar deshalb Abstand vom Kauf eines E-Autos nehmen, weil sie halt den vertrauten Klang ihrer Verbrenner-Motoren vermissen würden. Klar, wenn man das typische Geräusch eines nahenden Porsches erkennt, ohne sich umzudrehen, oder der vertraute Klang eines startenden Diesel-Mercedes alte Erinnerungen wach ruft, dann kann man dafür durchaus ein gewisses Verständnis haben.
Jetzt, wo der Druck aber auch für diese Klientel immer größer wird, sich endlich ein E-Auto zuzulegen, hat natürlich auch ein Teil der Autoindustrie entsprechend reagiert, um diese Gruppe nicht zu verlieren. Und sie hat damit gleichzeitig eine neue Berufsbezeichnung erschaffen, die schon wegen des Namens mit Sympathie und Zustimmung rechnen darf: Sounddesigner nennt sie sich, und man muss wohl davon ausgehen, dass hierfür mehr Erfahrung über den Klang unterschiedlicher Motoren vonnöten ist als über die raffinierten Klangfarben einer Mozart-Sinfonie.
Man kann ja über diese MIschung aus Nostalgie und spezieller Klangbefriedigung bei bestimmten Fahrzeugen, die irgendwann trotzdem „historisch“ sein werden, denken wie man will. Doch sie gehören einfach zum sog. „Mythos Auto“, der gerade im Autoland Deutschland noch immer tief verwurzelt ist.
Insofern mag es für diejenigen, die einfach ein Auto benötigen, um von A nach B oder zur Arbeitsstelle zu kommen, oder die ganz einfach (noch) gerne Auto fahren, ein Trost sein, dass selbst die EU den Erlass von „Lärmschutz-Grenzwerten“ für nötig befand: Allein in den letzten 10 Jahren wurden diese immerhin von 72 Dezibel auf zunächst 70, und ab 2028 auf 68 Dezibel herab gesenkt. Ab diesem Zeitpunkt dürfen dann zumindest Neuwagen mit höchstens 68 Dezibel zugelassen werden.
Gleichwohl ist es beruhigend zu wissen, dass die meisten E-Auto-Fahrer die Ruhe in ihrem Fahrzeig schätzen und genießen. Und sie halten die Warnungen von Umwelt- und Lärmschutzverbänden für berechtigt, wenn hier vorsätzlich ein zentrales Versprechen für die Elektromobiität – nämlich deutlich weniger Verkehrslärm – untergraben wird.
Wahrscheinlich würden deshalb viele unter ihnen den köstlichen Ausspruch bekräftigen, der in Zusammenhang mit den neuen Sounddesignern zu hören war
„Früher war der Krach wenigstens echt. Heute ist selbst der Lärm vegan:“
Bild: Uta Weik


