In den kommenden Jahren könnten im kalifornischen Central Valley bis zu 100.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche aufgegeben werden, da das Wasser dafür fehlt. Die regionalen Wasserbehörden schlagen vor, diese Flächen künftig für Solaranlagen zu nutzen: Weniger Bewässerung, dafür mehr Sonnenstrom.
Kalifornien zählt zu den produktivsten Agrarregionen der Welt. Der Bundesstaat beliefert große Teile der USA mit Orangen, Äpfeln und Kiwis, ist der größte Exporteur von Mandeln und anderen Nüssen und liefert darüber hinaus bedeutende Mengen an Wein und Weintrauben in internationale Märkte. Entsprechend hoch ist das wirtschaftliche Gewicht der Landwirtschaft – und mit ihm der Wasserbedarf.
Das Rückgrat dieses Systems ist das Central Valley, ein heißes, trockenes Tal mit geringen Niederschlägen, in dem die landwirtschaftlichen Erträge nie eine Selbstverständlichkeit waren. Sie wurden technisch ermöglicht – durch Wasserleitungen aus der Sierra Nevada, durch tiefe Grundwasserbrunnen und durch eine Politik, die die Ertragssicherung höher bewertete als die ökologische Resilienz.
In Kalifornien beansprucht die Landwirtschaft bis zu 80 Prozent der verfügbaren Wasserressourcen. Über Jahrzehnte wurde mehr Wasser entnommen, als sich regenerieren konnte. In der Folge sank der Grundwasserspiegel, Böden setzten sich ab und die Infrastruktur wurde beschädigt. Gleichzeitig wird auch die Wasserversorgung aus der Sierra Nevada immer unzuverlässiger. In dieser Region gibt es keine Gletscher, die als dauerhafte Speicher dienen könnten. Saisonale Schneefälle, die durch steigende Temperaturen weniger werden, spielten bislang eine entscheidende Rolle für das Bewässerungssystem
Auch in Europa übersteigt die Nutzung natürlicher Ressourcen in einzelnen Regionen deren Regenerationsfähigkeit.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Umnutzung landwirtschaftlicher Flächen für Solarenergie folgerichtig. Kalifornischen Landwirten wird angeboten, ihre Flächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen und stattdessen Photovoltaikanlagen zu errichten. Mit Agri-PV ließen sich die Einnahmen zumindest stabilisieren – ein ökonomisch rationaler Schritt in einer ökologisch instabilen Situation. In Kalifornien scheint die Sonne an rund 280 Tagen im Jahr, also mehr als doppelt so häufig wie in Deutschland. Das energetische Potenzial ist erheblich.
Ob Photovoltaik auch zur Stabilisierung des regionalen Wasserhaushalts beiträgt, ist jedoch unklar. Sie stabilisiert keine Aquifere und kann Niederschläge nicht ersetzen. Der Klimawandel wird sich nicht kurzfristig aufhalten lassen und Strom kann man weder essen noch trinken.
Jahrzehntelang wurde die landwirtschaftliche Produktivität durch technischen und politischen Aufwand stabilisiert, obwohl die natürlichen Voraussetzungen dafür fehlten. Die Umnutzung zu Solarflächen ist deshalb weniger ein Zeichen von Nachhaltigkeit als die logische Konsequenz eines Systems, das seine eigenen Grundlagen übernutzt hat.
Es werden Symptome bekämpft, jedoch nicht die Ursachen.
Bild: Petra Boeger mit KI generiert


