Zum Buch „Der Auto-Schock“ – Resümee 1

Der Autor verfügt über tiefgreifende Kenntnisse über den chinesischen Automarkt. Über nahezu jede relevante Automarke, ihr Zustandekommen und ihr Rolle auf dem Markt mit noch (!) 130 Automarken weiß er spannende Geschichten zu erzählen, die zwar viel Raum und Zeit einnehmen, jedoch allemal lesenswert sind.

Ist man dann am Ende der rund 500 Seiten mit insgesamt zwölf Kapiteln angelangt, folgt dann im „Ausblick“ eine ziemlich klare Einschätzung darüber, was das alles mit der bisher so komfortablen Rolle der europäischen und insbesondere der deutschen Autoindustrie zu tun hat. Es ist zu befürchten, dass der Autor recht hat, wenn er davon ausgeht, dass von diesen 130 chinesischen Automarken kaum mehr als ein bis zwei Dutzend übrig bleiben dürften. Immerhin eine gute Gelegenheit für deutsche Firmen, günstig aus der Konkursmasse an chinesische Technologie zu kommen…

Denn dort hat sich der Wandel vom „Nachahmer“ zum Innovationsmotor dank hochqualifizierter Ingenieure, Produkten, die stark auf KI setzen und staatlichen Langzeitstrategien so schnell entwickelt, dass man Europa nur wünschen kann, ebenso mutig und vor allem langfristiger zu denken. Mit der bisher üblichen Überregulierung und dem ausgeprägten Willen zur Besitzstandswahrung dürfte es jedenfalls sehr schwer werden. Trotzdem sollte man den Blick auf das riesige Potential im chinesischen Autobereich nicht verlieren: Die Autodichte beträgt dort 322 Stück pro 1000 Einwohner – gegenüber Deutschland mit 580 und den USA mit 800.

Allerdings sollte man für die Zukunft dann auch diesen Satz aus dem „Auto-Schock“ bedenken:

„Beim Thema Autos sind nicht länger gediegene Modellpflege, deutsche ‚Wertarbeit‘ und ‚Freude am Fahren‘ gefragt, sondern Vernetzung, Experimentierfreudigkeit und Chillen im rollenden Lounge-Ambiente.“ 

In China werden diese Autos allerdings vor allem von klug programmierten Robotern gebaut, nicht von gut geschulten Arbeitern…

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