Studieren an der DHBW – Den Kohlenstoffzyklus verstehen

Ein Gastbeitrag von Prof. Konrad Reif von der DHBW* in Friedrichshafen

Einstieg

Ob erneuerbare Energien, Wasserstoff, regenerative Kraftstoffe oder Kunststoffe: Für viele der aktuellen Themen ist der Kohlenstoffzyklus ein einfacher, aber sehr wirkungsvoller Schlüssel zum Verständnis. Er hilft, Technologien nicht nach Schlagworten zu bewerten, sondern nach ihrer Wirkung im Gesamtsystem. Genau darum geht es auch bei e2connect: emissionsfrei, effizient, erneuerbar – und verständlich erklärt.

1. Der Kohlenstoffzyklus – kurz und verständlich

Der Kohlenstoffzyklus beschreibt den natürlichen Austausch von Kohlenstoff zwischen: Atmosphäre, Pflanzen, Tieren, Böden, Meeren und Gesteinen.

Über sehr lange Zeiträume war dieser Kreislauf im Gleichgewicht.
Das Problem beginnt dort, wo wir fossilen Kohlenstoff – also Kohle, Erdöl und Erdgas – in kurzer Zeit freisetzen. Dieser Kohlenstoff war Millionen Jahre gespeichert und findet keinen schnellen Rückweg in stabile Speicher.

Der Klimawandel ist deshalb weniger ein „Emissionsproblem“ als ein Systemproblem: Wir haben den Kreislauf asymmetrisch gestört.

Merksatz: Nicht jede CO₂-Emission ist gleich – entscheidend ist, woher der Kohlenstoff stammt und wohin er zurückkehrt.

2. Was der Kohlenstoffzyklus über die Energieversorgung sagt

Viele Technologien lassen sich erstaunlich klar einordnen, wenn man sie aus dieser Perspektive betrachtet:

  • Erneuerbare Energien (Wind, Sonne, Wasser):
    → kein zusätzlicher Kohlenstoff im Kreislauf
  • Biogene Energieträger:
    → Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs, wenn sie nachhaltig genutzt werden
  • Wasserstoff & E-Fuels:
    → klimatisch nur dann sinnvoll, wenn der benötigte Kohlenstoff nicht fossilen Ursprungs ist.

Diese Unterscheidung ist nicht weltanschaulich, sondern physikalisch begründet. Sie erklärt, warum manche Lösungen langfristig tragfähig sind – und andere nicht.

3. Kunststoffe: Problem oder Teil der Lösung?

Kunststoffe sind ein gutes Beispiel dafür, warum einfache Antworten oft zu kurz greifen.

  • Fossil hergestellt und verbrannt: zusätzlicher CO₂-Eintrag
  • Biogen hergestellt, langlebig genutzt und recycelt: temporärer Kohlenstoffspeicher

Entscheidend sind:

  • Herkunft des Kohlenstoffs
  • Nutzungsdauer
  • Kreislaufführung

Damit werden Kunststoffe nicht automatisch „gut“ – aber sie zeigen, dass Kreislaufdenken wichtiger ist als Materialdenken.

 

 

4. Warum das für regionale Akteure wichtig ist

Gerade in der Bodenseeregion wird an vielen Stellen an:

  • erneuerbaren Energiesystemen
  • Speicherlösungen
  • neuen Kraftstoffen
  • effizienter Ressourcennutzung gearbeitet.

Der Kohlenstoffzyklus hilft dabei,

  • Technologien sachlich zu vergleichen
  • Investitionen realistischer einzuschätzen
  • Zielkonflikte früh zu erkennen

Er verbindet Technik, Ökologie und Wirtschaft – genau dort, wo e2connect ansetzt.

5. Fazit

Der Kohlenstoffzyklus ist kein theoretisches Konstrukt. Er ist eine praktische Orientierungshilfe, um neue Technologien einzuordnen und verständlich zu erklären. Wer über emissionsfreie, effiziente und erneuerbare Lösungen sprechen will, gewinnt mit dieser Perspektive deutlich an Klarheit.

Weiterführende Links

Vertiefende Darstellungen finden sich in zwei ausführlicheren Beiträgen:

 

*Duale Hochschule Baden-Württemberg. Prof. Dr. Konrad Reif leitet  die Aktivitäten zur Energie- und Umwelttechnik an der DHBW am Campus Friedrichshafen. Er beschäftigt sich mit Energiesystemen, Nachhaltigkeitsstrategien und der Einordnung technischer Lösungen im Kontext von Klimaschutz und Ressourcenfragen. Sein Schwerpunkt liegt auf dem verständlichen Vermitteln komplexer Zusammenhänge zwischen Technik, Umwelt und Gesellschaft. Mehr Informationen zum Studiengang finden Sie hier


Bilder und Grafiken: Konrad Reif

Titelbild: Konrad Reif erklärt Studenten ein Brennstoffzellensystem

 

 

 

 

 

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