„Deutschland drohen bis zu 38 Milliarden Euro Klimastrafen“, so die Schlagzeile im Handelsblatt vor wenigen Tagen. Warum? Wir werden im Jahr 2030 bis zu 255 Millionen Tonnen an Klimagasen zu viel ausstoßen. Bei einem Zielwert von 440 Millionen Tonnen für 2030 ist das eine Abweichung von 65 Prozent! Das ist der Hammer. Jeder Schüler, der sich um 65 Prozent verrechnet, wird von seinem Lehrer als versetzungsgefährdet eingestuft. In der Politik, bei vielen Wissenschaftlern von renommierten Forschungsinstituten und von Fachjournalisten werden solche Fehler gar nicht erst bemerkt oder noch schlimmer bewußt verschwiegen.
So hatte der Umweltminister in einer Pressemitteilung vom März diesen Jahres verkündet: „…Klimaziele 2030 bleiben erreichbar. … „. In der Pressemitteilung findet sich pikanterweise die Grafik im Titelbild, die genau das Gegenteil seiner Schlagzeile aufzeigt, genau das, was das Handelsblatt berichtet hat. Das sind keine kleinen Abweichungen, das sind 65 Prozent Überschreitung der gesetzlich vereinbarten Ziele, deren Erreichen von Verantwortlichen im gleichen Dokument bestätigt wurde! Eine Erklärung dazu findet sich in der Pressemitteilung nicht.
Der Präsident des für die Zahlen verantwortlichen Umwelt Bundesamtes (UBA) Dirk Messner in der Pressemitteilung: „… Die gute Nachricht: Wir wissen, was zu tun ist, um die nationalen Klimaziele noch zu erreichen ….. Zentrales Fundament bleibt eine erfolgreiche Energiewende mit einem weiterhin starken Ausbau der erneuerbaren Energien, den dafür erforderlichen Speicher- und Netzinfrastrukturen und der Elektrifizierung im Verkehr und in den Gebäuden sowie ein gezielter Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft.“
Wie das gehen soll, hat das UBA vor zwei Wochen in der folgenden Grafik aufgezeigt:

Die CO2-Emissionen der Energiewirtschaft (Strom, braune Linie) bis zu 2030 zu halbieren, ohne zu wissen, woher der grüne Strom vor allem in den Wintermonaten herkommen soll, ist schon sehr mutig. Fossile Kraftstoffe für den Verkehr (hellgrün) und fossiles Heizen der Gebäude (lila), die sich in den letzten Jahren durch leicht steigende Verbrauch (= CO2-Emissionen) „ausgezeichnet“ hatten, sollen offensichtlich in den verbleibenden vier Jahren einen dramatischen Wandel erfahren. Ich kenne bislang keine vereinbarten, politischen Maßnahmen, die solch hoffnungsfrohe Prognosen stützen würden. Die extreme Diskrepanz zum Diagramm im Titelbild bleibt unbeantwortet.
Für die meisten Zeitgenossen ist es ein Grauen, Grafiken richtig zu lesen und die auch noch meist komplexen Hintergründe zu verstehen. Von den Experten in den entsprechenden Instituten, von Chefs einer Behörde wie das UBA oder von einem Fachminister würde ich schon erwarten, dass die Aussagen in Pressemitteilungen und Studien nachvollziehbar und ehrlich sind. Oder sind diese primär durch politisches Kalkül und Fantasien geprägt? Wie sollen Bürgerinnern und Bürger zwischen Fakten und Fake unterscheiden können, wenn sie selbst von den Verantwortlichen irreführend informiert werden? Wo sind die Medien, die gerne investigativ sein und aufklären wollen?
Für mich persönlich ist das alles sehr frustrierend. Ich weiß, das ich mit vielen meiner Aussagen im Newsletter, Vorträgen und Veröffentlichungen immer wieder auf Skepsis und Ablehnung stoße. Das ist nicht verwunderlich, da ich in vielen Aspekten im krassen Widerspruch zum „Mainstream“, den Aussagen der prominenten Experten und den Medien, stehe. Die aus meiner Sicht einzige und leider sehr gefährliche Erkenntnis ist:
Abwarten, bis die Fakten sichtbar werden!
Bildquellen: UBA


