Kürzlich sind wir mit unserem E-Auto das erste Mal eine längere Strecke gefahren – fast 1200 Kilometer. Die Fahrt selbst war angenehm, leise und entspannt. Was mich unterwegs allerdings immer wieder beschäftigt hat, war nicht das Fahren, sondern das Laden.
Entlang der Autobahn mussten wir an verschiedenen Ladesäulen und Ladeparks stoppen. Und fast jedes Mal bedeutete das: eine neue App herunterladen, ein neues Konto anlegen, Kreditkartendaten eingeben, Bedingungen akzeptieren. Manchmal funktionierte es sofort, manchmal erst nach mehreren Versuchen.
Ich habe mich gefragt: Warum ist das so kompliziert?
Ein Grund ist, dass es viele unterschiedliche Betreiber von Ladesäulen gibt – mit eigenen Systemen, eigenen Apps und eigenen Abrechnungen. Für die Anbieter mag das nachvollziehbar sein, für den Nutzer macht es das Laden unnötig umständlich. In der Werbung und in vielen Berichten über E-Autos wird häufig vor allem die hohe Ladeleistung und damit die kürzere Ladezeit betont. Ein anderer Punkt ist jedoch mindestens genauso entscheidend: Wie einfach oder kompliziert das Laden im Alltag tatsächlich funktioniert.
Wir wollten nach der langen Fahrt natürlich auch wieder nach Hause kommen. Deshalb haben wir nicht nur tagsüber, sondern auch abends geladen – und dann sicher nicht mit grünem Strom.
Soviel zur gerne beschworenen Flexibilisierung bei der Nutzung von grünem Strom!
Im Alltag achten wir darauf, möglichst tagsüber zu laden und – soweit möglich – erneuerbare Energie zu nutzen. Auf langen Fahrten lässt sich das jedoch kaum konsequent umsetzen. Wer unterwegs ist, lädt dann, wenn es nötig ist – auch nachts, um ans Ziel zu kommen.
Wenn Elektromobilität im Alltag funktionieren soll, sollte das Laden so unkompliziert sein wie das Tanken von Benzin oder Diesel.
Eine App für alle Anbieter wäre ein Anfang.
Klare Preise vor dem Laden ebenso.
Und die Möglichkeit zu sagen: Ich lade für einen bestimmten Betrag – so wie ich an der Tankstelle entscheiden kann, für wie viel Geld ich tanken möchte.
Warum sollte man an einer Ladesäule nicht auch direkt bezahlen können?
Mit der EC-Karte, mit dem Smartphone oder auch bar – nicht jeder möchte seine Daten bei jeder neuen App hinterlegen.
Es gibt Selbstzahlersäulen beim Tanken: Betrag eingeben, bezahlen und dann genau für diesen Betrag tanken.
Warum sollte das an Ladestationen nicht möglich sein?
Neben dem Laden unterwegs zeigt sich auch im Alltag, wie wichtig die Infrastruktur ist.
Für Eigenheimbesitzer ist Laden oft relativ einfach. Schwieriger wird es in Mietwohnungen, in dicht bebauten Wohngebieten oder im ländlichen Raum ohne eigene Ladepunkte.
Wenn Elektromobilität selbstverständlich werden soll, dann müssen Laden, Bezahlen und die Verfügbarkeit von klimafreundlichem Strom einfacher, transparenter und verlässlicher sein.
Nicht nur technisch, sondern auch praktisch.
Mich würde interessieren, wie ihr das erlebt.
Wie geht Ihr mit den vielen Apps und Bezahlsystemen um?
Achtet ihr darauf, wann und wie ihr ladet?
Was müsste sich ändern, damit Elektromobilität alltagstauglich wird?
Bild: Petra Boeger + KI


