1.Mai: Tag der Sonne

Die negative Strompreise am Tag der Arbeit beherrschten die Schlagzeilen. Dieses Thema wollte ich gerne etwas näher beleuchten und die Aspekte dazu aufgreifen, die es bislang nicht in die Medien geschafft haben.

Dafür ist es ganz hilfreich, sich einmal Deutschlands Stromversorgung der letzen Woche genauer anzusehen. Die passende Grafik stammt von der Internetseite „Energy Charts“ des Fraunhofer Institutes ISE. Die ganze Woche gab es sehr viel Sonnenschein und bis zu etwa 50 Gigawatt an Sonnenstrom (gelbe Flächen), etwa die Hälfte der installierten Kapazität. Beim Wind kamen nochmals etwa 20 Gigawatt dazu (hellgrüne Flächen). Das ist etwa ein Drittel der installierten Kapazität. Bei einem Strombedarf (Last, schwarze Linie) von etwa 60 Gigawatt am Tag und deutlich weniger in der Nacht. Am 1. Mai und am Wochenende brauchten wir in Folge nur noch wenig fossilen Strom für die Nacht (schwarze, dunkelbraune und hellbraune Flächen). Mit dem dringend notwendigen Ausbau von Batteriespeichern könnten wir dessen Nutzung nochmals deutlich reduzieren.

Ein genauer Blick auf die Grafik zeigt, dass mit dem Einsetzen des Sonnenstrom ab etwa 7h morgens der Strom aus Windkraftanlagen regelmäßig zurückging. Das heißt, die Windmühlen wurden abgeschaltet, weil gleichzeitig der Strompreis (rote Kurve, Day Ahead Preis) stark nach unten ging. Am Abend, ab etwa 17h, wurden die Windmühlen dann wieder eingeschaltet – die Solaranlagen lieferten dann keinen Strom mehr. Am 1. Mai wurde es dann extrem, da der Stromverbrauch am Tag auch noch stark zurück ging und niemand, auch in unseren Nachbarländern, den Strom brauchen konnte, obwohl die Abnahme sogar noch mit 50 Cent pro Kilowattstunde fürstlich entlohnt worden wäre. Da hilft uns auch der viel zitierte Ausbau des Stromnetzes nicht weiter, wenn es keine Kunden für den Strom gibt.

Wie schon erwähnt, würde der Ausbau an Batteriespeichern, viel helfen. Allerdings sind die Batterien nach wenigen Stunden voll geladen. Einen Überschuss an Strom hatten wir aber an mehr als 10 Stunden.

Eigentlich sollten wir unsere E-Autos in der Zeit des vielen Sonnenstroms laden. Mein E-Auto war aber die ganze Woche schon vollgeladen – ich war meistens mit dem Rad unterwegs. An den öffentlichen Parkplätzen wären zu diesen Zeiten günstige Ladetarife zu diesen Zeiten sicherlich hilfreich gewesen. Allerdings sind die Ladeplätze gerade an Tagen wie dem 1.Mai in den Ausflugszielen alle belegt, trotz der hohen Ladepreise. Kein Grund für die Betreiber die Preise zu reduzieren.

Was tun wir dann?

Die sinnvollste Lösung, die in den Medienberichten so gut wie nie vorkommt, ist die Produktion von Wasserstoff aus dem überschüssigen und sehr kostengünstigen Strom. Der Wasserstoff kann dann sehr einfach gespeichert werden und bei Bedarf für den Betrieb von Wasserstoff-Bussen oder -Lkw eingesetzt oder einfach in das vorhandene Gasnetz eingespeist werden. Wie gut das funktioniert,  beweist Hy2B in Pfeffenhausen eindrucksvoll (link).

Die letzen Jahre hatten wir etwa 10 Terrawattstunden an grünen Strom abgeregelt (nicht genutzt). Damit hätten sich zum Beispiel 15.000 Stadtbusse das ganze Jahr über betreiben lassen – macht doch Sinn!

So ginge Energiewende und geopolitische Unabhängigkeit – ganz einfach und kostengünstig!

 

Titelbild: Petra Boeter, KI generiert

 

 

 

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