Warum das Speichern des regionalen Obstes ziemlich viel mit dem Speichern von regionalem Strom zu tun hat.
Ich vermute, dass viele unserer Leser:innen dieses Bild noch kennen: Gefüllte Einmachgläser im Kellerregal, sauber getrennt nach Fruchtsorte. Wie man hört, ist dieser Beitrag zur Nachhaltigkeit längst wieder zum Trend geworden.

Dieses Bild kam mir vor Augen, als meine Frau und ich die eingangs erwähnten „Zibärtle“ – eine Art Wildpflaume – vor einigen Wochen von unserem Baum ernteten und damit immerhin über 60 Gläser „eingeweckt“ haben. Es handelte sich also um Obst, das zuvor nicht per Schiff oder gar Flugzeug um die halbe Welt transportiert wurde. Denn die erste Regel sollte lauten: Regional und saisonal gewachsen, und dann in Gläsern konserviert.
Gespeichert für die Zukunft.
Damit sind wir jetzt direkt bei unserem Thema gelandet, nämlich der emissionsfreien Mobilität. Beispielsweise beim E-Auto. Und weshalb das Befüllen eines Marmeladeglases prinzipiell auch sehr viel mit der Logik eines solchen Fahrzeugs zu tun hat.
Denn so wie ein Marmeladeglas nur dafür da ist, um mit seinem halbsüßen Inhalt, der nur im Sommer wächst, auch später für unseren Energieschub zu sorgen, so sollte auch der Strom, der einem E-Auto seinen nötigen Schub verleiht, zu jeder Zeit, wenn natürlich auch für einen deutlich kürzeren Zeitrahmen, zur Verfügung stehen. Es gilt das gleiche Prinzip wie beim Zibärtle: Ernten – sprich laden – , wenn Strom zur Verfügung steht, verbrauchen, wenn es Bedarf gibt. Entscheidend dafür ist ein Speicher für Strom, der möglichst regional und erneuerbar produziert wurde. Insofern ist unser Ziel, möglichst emissionsfrei mobil zu sein, nicht nur eine Frage des Antriebs, sondern ebenso eine Frage des Speicherns und des richtigen Ladezeitpunkts. Analog zum Marmeladeglas ist das E-Auto erst einmal nichts weiter als das Gefäß, das dank seiner Batterie überschüssigen Strom aufnehmen kann und ihn später für die Fahrt wieder abgibt. Das funktioniert bei Batterien selbstverständlich nur für eine kürzere Zeitspanne. Doch wie unsere Vorfahren etwa Käse, Speck, Schnaps und eben auch Marmelade für viele Monate lagern konnten, so lässt sich diese technische Energiespeicherung heute zum Beispiel auch mit Wasserstoff oder e-Fuel lösen, um viel später Strom daraus zu gewinnen.
In jedem Fall aber gilt fürs Zibärtle ebenso wie für die regionale Energie:
Erntezeit ist Speicherzeit. Und Speicherzeit ist Zukunft.


