Auf den ersten Blick natürlich nichts. Auf den zweiten Blick gibt es doch viele Parallelen.
Kodak* gehörte zu den Ersten, die die Digitalkamera entwickelt und auf den Markt gebracht haben. Die sehr agilen Unternehmen aus Asien, zu dieser Zeit vor allem aus Japan und Korea, haben dann schnell den Markt mit sehr kostengünstigen Produkten übernommen, und die einhundertjährige Erfolgsgeschichte von Kodak ging zu Ende.
Porsche hat sehr früh Milliarden in die Entwicklung des elektrischen Taycan investiert und war zunächst erfolgreich im Markt für luxuriöse Sportwagen unterwegs. Bald verloren die Kunden aber die Lust am Neuen. In China kopierte Handy-Hersteller Xiaomi den Taycan und brachte ihn schnell zu einem sehr niedrigen Preis auf den Markt. Im Jahr 2025 verkaufte Xiaomi mehr als 400.000 seiner elektrischen Sportwagen. Im gleichen Jahr hat das traditionsreiche Erfolgsunternehmen Porsche 280.000 Fahrzeuge insgesamt verkauft – 61.000 davon waren E-Autos.
Hinter beiden Schicksalen, dem von Kodak und dem von Porsche, wie auch der gesamten traditionellen Fahrzeugindustrie, verbergen sich über Jahrzehnten hinweg gut untersuchte Mechanismen, die ich mit Kollegen in einem wissenschaftlichen Beitrag zusammengefasst habe.
Hier können Sie das Dokument lesen:
Disruption- und-Tradition-das-Innovationsdilemma-etablierter-Industrien_preprint-de
Für das schnelle Lesen habe ich die Zusammenfassung aus dem Beitrag heraus kopiert:
Die traditionelle Fahrzeugindustrie kann auf eine einhundertjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken, die in den Industrieländern für enormen Wohlstand gesorgt hat. Durch kontinuierliche Optimierungen – die sogenannten inkrementellen Innovationen – kamen immer attraktivere Fahrzeuge auf den Markt. Nach mehr als einhundert Jahren wird die Fahrzeugindustrie erstmals wieder mit disruptiven Innovationen konfrontiert. Damals hatten Henry Ford mit der Massenproduktion von „Benzin-Kutschen“ und John. D. Rockefeller mit dem zum Fahren notwendigen Benzin die Pferdekutschen und deren Ökosystem aus dem Markt gedrängt. Heute sind es die Erneuerbaren Energie, die Elektromobilität und die Internettechnologien, die der traditionellen Fahrzeug- und Kraftstoffindustrie das Leben schwer machen. Für deren Zukunft ist es essenziell, sich mit den typischen, gut untersuchten Merkmalen disruptiver Innovation auseinanderzusetzen. Dazu gehören die nur sehr schwer einschätzbare Entwicklung der Märkte für die völlig neuen Produkte und das exponentielle Wachstum in der frühen Phase der Marktdurchdringung. Schnelle und flexible Entwicklungsprozesse und die fortlaufende Beobachtung der Treiber für die Innovation, wie zum Beispiel die Klimaschutz-Gesetzgebung in allen relevanten Märkten, sind entscheidend für den Erfolg. Bei den oft kritisierten hohen Kosten und der teilweise mangelnden Qualität bei neuen Technologien wird regelmäßig vergessen, dass technologische Weiterentwicklung und die schnell wachsenden Produktionsvolumina zu kostengünstigen und attraktiven Produkten führen. Disruptive Innovationen erfordern in den frühen Jahren bis zur Erreichung einer kritischen Produktionsmenge erhebliche finanzielle Mittel, die nicht mit den Renditeerwartungen des traditionellen Geschäftes einhergehen. Die von C.M. Christensen analysierten, disruptiven Innovationen erstreckten sich über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren und haben ein fundamentales, durchgängiges Merkmal gezeigt: Etablierten Konzerne haben es fast nie geschafft, bei disruptiven Innovationen aus sich heraus erfolgreich zu sein und die globalen Entwicklungen mitzugestalten. Meist wurden sie Opfer der sich schnell veränderten Märkte. Das liegt primär an den über Jahrzehnte etablierten Strukturen und Prozessen, die für den Erfolg mit den klassischen Produkten entscheidend waren.
Fazit
Entscheider in Konzernen und der Politik sollten die Zusammenhänge erkennen und daraus die richtige Strategie ableiten. Für viele der europäischen Volkswirtschaften verbirgt sich dahinter deren heutiges Dilemma.
Titelbild: Petra Boeter, KI-generiert
* für die junge Generation: Bis vor 30 Jahren hat man Filme und Fotopapier belichtet und über einen chemischen Prozess dann Bilder erzeugt. Im Zeitalter von Smartphone und Internet gerät so etwas schnell in Vergessenheit.


