Noch immer beschäftigen mich die ungewöhnlichen Ideen, die Stephan Remmler in seinem Buch Eurotopia 2050 vorstellt. Für unser e2connect-Team stellen sie gewissermaßen die Prachtausgabe unseres neulichen Versuchs dar, sich die Welt in 25 Jahren vorzustellen. Schwerpunkt: Emissionsarme und klimafreundliche Mobilität.
Und die betrifft diesmal insbesondere die Neuausrichtung der künftigen Reisekultur innerhalb Europas, wie Remmler sie sich vorstellt. Denn bei ihm erzeugen beispielsweise berufliche Meetings an verschiedenen Orten – das sogenannte Tele-Pendeln – durch ein ganz neu organisiertes Zusammenwirken von Bus und Bahn eine attraktive Arbeitsform dar, verbunden mit Zeitersparnis und tatsächlicher Entschleunigung, die letztlich auch der Qualität des angestrebten Ergebnisses zugute kommen.
Stephan Remmler nennt dieses neue, vor allem zuverlässig funktionierende Verkehrsangebot „Nachtsprung“. Seine optimistische Zukunftsvision geht für das Jahr 2050 nämlich von den „Vereinigten Staaten Europas“ aus, welche sich bis dahin gebildet haben sollten – nicht zuletzt als Antwort auf die Entwicklung der Großmächte China, Russland und auch der neuen, zu Recht selbstbewußten Rolle Afrikas.
Dieser Nachtsprung setzt ein breites Bündnis von europäischen Metropolen und Städten voraus, die das Reisen für Jung und Alt besonders einfach und vor allem auch günstig machen: In der Tat eine große Konkurrenz für den Luftverkehr, weil „grün“ und klimaneutral“ schon längst als Ausdruck des Lifestyles in den 2050er Jahren gelten.
Die Idee hinter dieser schnell etablierten und komfortablen Standardreiseform ist eigentlich ganz einfach und naheliegend: Abends am Startort einsteigen, bequem und ungestört schlafen, morgens am Zielort aufwachen. Die Strecken sind optimal zwischen Bus und Zug bzw. Nachtzug und Nachtbus aufeinander abgestimmt. Das digitale Ticket sorgt automatisch für den Einlass, den Koffer übernimmt ein Roboter, der auch längst mit den persönlichen Daten des Reisenden vertraut ist. Kein Wunder, dass die meisten europäischen Strecken, die bisher mit dem Flugzeug zurückgelegt wurden, inzwischen mit dem Nachtsprung stattfinden.
Und so begründet das der Autor in seinen auch technisch gut begründeten Ausführungen:
„Für Distanzen bis zu zwölf Stunden Fahrzeit sind Nachtzüge und Nachtbusse eine ökologisch sinnvolle und komfortable Reisemöglichkeit und eine echte Alternative zum innereuropäischen Flugverkehr. Aufgrund der hohen Attraktivität werden aber heute auch weitaus längere Distanzen mit dem Nachtsprung bereist – wie jetzt auf einer Strecke von Berlin nach Barcelona, die etwa 15 Stunden dauert.«
Schöner Nebeneffekt: Dieses bisher nur in den Vereinigten Staaten von Europa praktizierte System hatte schon früh einen Effekt, den anfangs niemand auf dem Schirm hatte: Unter den vielen Reisenden innerhalb Europas entstand zunehmend ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, wo im Gegensatz zum Rest der Welt Probleme und Herausforderungen in friedlicher Kooperation gelöst werden. Das zeigt sich auch darin, dass die durchaus üppige Finanzierung dieses überall akzeptierten Fortbewegungs-, und ja: Erholungssystems von allen europäischen Mitgliedsstaaten gemeinsam und entsprechend der jeweiligen Einwohnerzahl akzeptiert wurde.
(Und nächste Woche gibt es dann einen Beitrag zum kontinentalen Luftschiff-Netz und die Revolution des Gütertransportes)
Bild: KI-erstellt


