E-Bike statt Verbrenner – ein Interview mit dem Fahrradies

Die hohen Spritkosten motivieren immer mehr Autofahrer dazu, auf ein E-Auto umzusteigen. Warum wird in der öffentlichen Debatte eigentlich nicht der Umstieg auf das Fahrrad diskutiert? Mit dem E-Bike lassen sich bequem längere Strecken zurücklegen, ob zur Arbeit oder für den Wochenendausflug mit der Familie oder Freunden. Man könnte ja für den berühmten Fall der Fälle den alten Verbrenner behalten und die meiste Zeit des Jahres das Rad nutzen. Damit kann man sowohl viel Geld und sofort viel CO2 einsparen.

Was liegt näher, als sich mit einem Experten dazu zu unterhalten. Johannes Jocher verkauft und pflegt in seinem Fahrradies in Lindau schon seit 30 Jahren Jahren Räder aller Art.

e2connect: Kannst Du mit den aktuell steigenden Spritpreisen auch eine verstärkte Nachfrage nach E-Bikes (der korrekte Fachbegriff ist Pedelec) feststellen?

Johannes: Nein. Zum einen gibt es eine gewisse Sättigung auf dem Pedelec-Markt: Ca. 30 % haben schon eines, ca. 10 % fahren damit täglich und ca. 40 % mehrmals die Woche.  Zum anderen stelle ich bei Rädern im mittleren Preissegment eine gewisse Zurückhaltung im Kaufverhalten fest.

e2connect: Ein neues E-Auto bekommt man inzwischen ab etwa 25.000 €. Was kostet ein gutes E-Bike für die tägliche Fahrt zur Arbeit

Johannes: Inzwischen beginnt der Einstieg im Fachhandel bei ca. 2500,- €. Unter anderem macht das der neue Bosch Nabenmotor mit niedrigerem Drehmoment möglich – eine gute Lösung für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Räder (so dürfen Pedelecs auch noch genannt werden) mit hoher Kapazität beim Akku und hohem Drehmoment beim Mittelmotor liegen zwischen 3.500 und 5.000 €. Mehr geht natürlich immer. Auf der Seite Zukunft-Fahrrad findet man dazu viele interessante Informationen, auch über das Dienstrad-Leasing über die steuersparende Gehaltsumwandlung.

e2connect: Bei den Autos wird gerne mit der Effizienz argumentiert: Ein Verbrenner verbraucht etwa 600 Wattstunden (Wh) pro Kilometer, ein E-Auto 150 Wh. Wie ist das beim E-Bike?

Johannes: Die Diagnosedaten zeigen Verbrauchswerte von 1,2 Wh pro Kilometer bei sportlichen Radlern, die gerne ohne E-Motor fahren und nur bergauf den Eco-Modus nutzen, und  bis zu 16 Wh pro Kilometer bei Fahrern, die den Turbomodus lieben, und bei Lastenrädern. Einen Mittelwert sehe ich bei 8 Wh pro Kilometer. Für den heimische Stromverbrauch ist das alles unbedeutend.

Bislang wird das wichtige Thema „hybrider Antrieb“ beim Pedelec in der öffentlichen Wahrnehmung leider nicht beachtet. Hybrid bedeutet hier die Kombination aus der traditionellen reinen Muskelkraft (HPV = human powered vehicle) und der Unterstützung durch einen E-Motor. Das ist die eigentliche Bedeutung von Pedelec (Pedal Electric Cycle) und macht es zur idealen Lösung im alltäglichen Gebrauch.

e2connect: Wie ist das mit der Reichweite eines E-Bikes? Kann ich damit rund um den Bodensee fahren?

Johannes Jocher: Die kleine Bodenseeumrundung ist dank der Range Extender Optionen (= Zusatzbatterie) keine Herausforderung mehr. Verbaut sind 750 Wh Hauptbatterie plus + 250 Wh Zusatzbatterie. Für die älteren Systeme muss eine Zwischenladung – ideal bei der Rast im Biergarten – eingeplant werden oder man kauft sich einen zweiten Akku. Die kleine Bodenseerunde ist auch mit nur einem 500Wh Akku zu bewältigen, der Puls (und Durst) steigt dann aber.

e2connect: Wie lange hält der Akku oder das E-Bike?

Johannes Jocher:
Zum Akku: Hier geht die Schere weit auf. Ein Kunde hat es mit dem Originalakku Bosch 500 Wh PP in 8 Jahren auf 40.000 km gebracht. Nicht, bzw. wenig genutzte Akkus haben eine geringere Lebenserwartung. Den „Renteneintritt“ des Rades erlebt der Akku häufig nicht. Bei regelmäßiger Nutzung können Akkus bis zu 8 Jahren mit hoher Kapazität funktionieren. Für die tägliche Fahrt in der Stadt tut es auch ein alter Akku.

Zum Rad (Pedelec): Ein abendfüllendes Gespräch …  deshalb nur kurz: 12 Jahre Lebensdauer sind möglich, mal etwas länger, öfter aber auch kürzer, je nach Nutzungsbedingungen und Pflegeintervallen.

e2connect: Ausreden, wie „es kann zum Regnen kommen“ oder „ich muss noch etwas für das Abendessen einkaufen“, sind beliebt, um doch das Auto zu verwenden. Wie machst Du das, Johannes?

Johannes: Für meine Regelstrecken macht es ganzjährig keinen Sinn, ins Auto zu steigen. Ein zweiter Laufradsatz mit Spikereifen bringt mich sicher durch den Winter – wie auf Schienen. Wasserdichte Packtaschen braucht´s, und natürlich gilt es, die Bekleidung an die Außenbedingungen anzupassen. Positiv scheint sich das Ganzjahresradeln auch auf das Immunsystem auszuwirken …. da hat die Grippe kaum eine Chance.

e2connect: Und nicht vergessen: Die Probleme mit der Parkplatzsuche und den Parkgebühren, sowie die regelmäßigen Verkehrsstaus gibt es beim Radfahren nicht. Vielen Dank für die sehr hilfreichen Einblicke, Johannes.

Blogbeitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren ...

Genuß pur – Spritkosten Null

Wo wollen wir am Wochenende hinfahren? Wie wäre es mit dem Oktoberfest, dem Wasen, einem Freizeitpark oder dem neuen Instagramm-Top-Reiseziel? Natürlich mit dem Auto –

Weiterlesen »