Fast genau vor 7 – in Worten: sieben! – Jahren haben wir bei uns in Lindau eine sehr gut und mit lokaler Prominenz besetzte Veranstaltung organisiert. Titel: „Eine Wasserstofftankstelle für Lindau“. Es war der Start für unser Projekt H2-, später e2connect/Bodensee. Ziel war es gleichzeitig, die Weichen für eine entsprechende Tankstelle auf der viel befahrenen Autobahn in Richtung Süden zur Verfügung zu stellen. Denn damals wäre für die überschaubare Menge an Wasserstofffahrzeugen Ulm die nächste Tankmöglichkeit gewesen. Die aber ist inzwischen stillgelegt worden, soll aber im Laufe des kommenden Jahres durch eine „Tankstelle der Zukunft“ an der Autobahnausfahrt-Nord ersetzt werden, grüner Wasserstoff inclusive.
Vor diesem mittlerweile fast „geschichtlichen“ Hintergrund war die Einladung der e-con zur Infoveranstaltung „Wasserstoff-Ökosystem Schwaben-Allgäu-Bodensee: Förderungen | Nutzfahrzeuge | Infrastruktur“ eine gute Gelegenheit, sehr viel Erfreuliches, Aktuelles und Konkretes zu unserem regionalen Lieblingsthema zu hören. Und regional heißt in diesem Fall Memmingen – 65 Kilometer entfernt von Lindau.
Gleich zu Beginn der Vortragsreihe wurde deutlich, was möglicherweise einer der Gründe sein könnte, weshalb es meist Familienunternehmer sind, die Großes auf den Weg bringen. Mit ihrer Erfahrung, einem verlässlichen Netzwerk und ihrem weitsichtigen Denken zeigte gleich die erste Folie, zugleich unser Beitragsbild, was damit gemeint ist: Sie gewährt den beeindruckten Zuhörern*innen einen Überblick darüber, wo sich im Raum Memmingen die wichtigsten Energieverbraucher, aber auch die Erzeuger von regenerativem Strom und Wärme befinden. Das ist zugleich ein Paradebeispiel dafür, wie ein regionales und nachhaltiges Energiekonzept erfolgreich werden kann.
Und zu diesem Konzept gehören bald zwei Elektrolyseure mit je 5 Megawatt, die derzeit am Flughafen Memmingen und in Aitrach gebaut werden. Wie Andreas Müller, Chef der Alois Müller Unternehmensgruppe für Energie und Gebäudetechnik ausführte, fallen dann bald auch die Trailer für den Transport von Wasserstoff weg, mit denen dieser derzeit noch zur Tankstelle am Flughafen geliefert wird.
Das wird insbesondere auch deswegen möglich, weil er zusammen mit den Sauerstoffwerken-Friedrichshafen das Joint Venture SWAM gegründet hat. Als Teil davon hat Dr. Robert Förster das gemeinsame Ziel sehr deutlich gemacht: „Wir gehen gemeinsam das komplette Ökosystem H2 im Verkehr an.“
Auch hier zeigt sich wieder, dass es engagierte Familienunternehmer sind, die solche zukunftsfähigen Wege rechtzeitig gehen.
Nach den spannenden, manchmal geradezu erhellenden Vorträgen bestand draußen noch die Möglichkeit, die H2-Nutzfahrzeuge von RYGG Refire, Hyundai, Keyou und IVECO zu erkunden, für die zuvor ihre jeweiligen Repräsentanten geworben hatten. Dort war auch zu erfahren, dass es die für den Fernverkehr dominierenden Sattelschlepper derzeit nur batterieelektrisch gibt (MAN und Daimler); solche mit Wasserstoff soll es ab dem kommenden Jahr von Hyundai und Rygg geben.
Und noch eine Erkenntnis gab es für uns aus den Präsentationen und einem Gespräch mit einer erfolgreichen Spedition aus der Region: Für die Entscheidung zum Kauf eines emissionsfreien LKWs sind vor allem die Einsparung der LKW-Maut auf Autobahnen entscheidend. Für den Verteilerverkehr gibt es diese Einsparmöglichkeit nicht.
Ebenso durften wir lernen, dass die Spediteure möglichst nur in den eigenen Depots laden, um die teuren öffentlichen Schnelllader zu vermeiden. Für ihre Depots haben sie attraktive Stromlieferverträge und können durch Lastmanagement (z.B. Kühllager während des Ladens nicht kühlen) einen erhöhten und damit teuren Strombedarf vermeiden.
Immerhin: Bei den gezeigten Preisen sind die H2-Lkws in Kürze wettbewerbsfähig zum Diesel (TCO-Rechnung, Total Cost of Ownership).
Bleibt zu hoffen, dass es angesichts der unsicheren Weltlage und der niedrigen Wasserstände in den Flüssen (Schiffstransport) schnell einen Ersatz für den fossilen Diesel gibt, der nicht nur immer teurer, sondern womöglich auch nur noch begrenzt verfügbar sein wird.



