Unabhängig von Energieimporten – ein Traum?

„88 Prozent der Umfrageteilnehmer halten es für wichtig, dass Deutschland bei der Energieversorgung möglichst unabhängig von Energieimporten wird, 64 Prozent sogar für sehr wichtig“, so die repräsentative Umfrage bei 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, die im Auftrag von Green Planet Energy, einer großen Energiegenossenschaft, durchgeführt wurde.

In Zeiten, in denen wir von Despoten erpresst und von geldgierigen Konzernen ausgepresst werden, ist dieser Wunsch mehr als verständlich. Aber, ist dieser Wunsch auch erfüllbar?

In dem IWR-Bericht zur Abhängigkeit von Importen wird darauf hingewiesen, dass heute 67 Prozent des deutschen Energiebedarfs importiert werden. Für eine Einschätzung der Größenordnung, über die wir hier sprechen, wäre ein Hinweis auf den Anteil der Sonnenenergie am Primärenergiebedarf hilfreich gewesen: Der liegt aktuell bei drei Prozent.

Machen wir doch eine kleine Rechenübung, nicht schwierig – das haben wir alle einmal in der Schule gelernt.

Das von Industrie und Export geprägte Deutschland importiert heute etwa 2.000 Terawattstunden (TWh) an fossiler Energie. Das sind zwei Drittel des Primärenergieverbrauches. Die Menge an heimisch erzeugtem grünen Strom beträgt insgesamt 260 TWh. Davon sind 90 TWh Sonnenenergie mit einem Wachstum von 15 TWh pro Jahr. Bei allen anderen Erneuerbaren Energien, auch beim Wind*, rechnen wir mal – der Einfachheit halber –  mit keinem nennenswerten Zuwachs. Auch den notwendigen Ersatz der heimischen Braunkohle lassen wir diesmal außer Acht.

Frage: Wie viele Jahre dauert es, bis wir bei gleichbleibendem Wachstum der Sonnenenergie auf den Import von fossilen Energien verzichten können?

Wenn wir durch Effizienzsteigerungen und Einsparungen den Bedarf der heute importierten fossilen Energien halbieren können, wie lange dauert es dann?

Sie werden schnell feststellen, dass wir in den noch verbleibenden 19 Jahren, bis zur vereinbarten Klimaneutralität, realistisch nicht sehr viel an importierter Energie einsparen können.

Es gibt noch einen anderen Aspekt, der bei den Wünschen zur Importunabhängigkeit gerne vergessen wird: Wir leben in Deutschland in einer gemäßigten Klimazone mit Jahreszeiten, die  (noch) viel Landwirtschaft und Wald ermöglichen. In Folge ist die Ernte von Sonnenenergie bei uns  im Winterhalbjahr deutlich eingeschränkt. In den vielen, sehr sonnenreichen Regionen unserer Erde können wir mit dem gleichen Solarmodul bis zu drei Mal mehr Strom ernten als in Deutschland (siehe Grafik von Arno Evers unten). Es macht sowohl wirtschaftlich wie auch in der Ökobilanz sehr viel Sinn, die Energie auch aus diesen Regionen zu importieren.

Fazit:

Wir brauchen beides, die heimische Versorgung mit Erneuerbaren Energien aller Art, aber auch den Import von Energie, vor allem für das Winterhalbjahr.

 

 

*Trotz des Zubaus an Windenergie ist der damit geerntete Strom rückläufig -es gab einfach wenig Wind in den letzten Jahren.

 

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