Die Schlagzeilen zur E-Mobilität werden immer optimistischer: 30 Prozent der Neuzulassungen in Europa waren im September E-Autos. 73 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das berichtet der Branchenverband ACEA. Die hohen Preise bei fossilen Kraftstoffen, verbunden mit wachsenden Unsicherheiten bei der Versorgungslage, sind der Auslöser für das stetig steigende Interesse an der E-Mobilität. Dem entsprechend sank auch die Zahl der neu zugelassenen Benziner- und Diesel-Pkw in den ersten neun Monaten um 19 Prozent.
Alle Hersteller weltweit, darunter viele aus China, präsentierten kürzlich ihre neuen Modelle auf dem Pariser Automobilsalon. Welches Auto wie schnell beschleunigt und welche Farbe die Sitze haben, finde ich persönlich ziemlich langweilig. Daher einige grundsätzliche Gedanken rund um die E-Mobilität.
Das E-Auto ist traditionell das perfekte Fahrzeug für die Stadt und die Fahrt zur Arbeit. Zum Glück werden inzwischen immer mehr kleine, kompakte Fahrzeuge angeboten, mit denen man in Parkhäusern auch noch bequem Platz findet. Damit auch hin und wieder eine große Strecke zurückzulegen ist kein Problem, wie meine eigene Erfahrung zeigt (siehe Titelbild). Unterwegs schnell nachladen, bis man am Ziel oder zu Hause wieder viel kostengünstiger Strom „tanken“ kann, wird immer kundenfreundlicher. Wenn dann beim Laden auch noch gleichzeitig die Sonne scheint, ist die Gewissheit grünen Strom zu tanken hoch. Der Preis für das Schnellladen an der Autobahn ist mit etwa 15 € pro einhundert Kilometer nicht mehr höher als der für Diesel oder Benzin. Inzwischen fahre seit fast sechs Jahren und 80.000 Kilometer elektrisch, leise und entspannt.
Die deutschen Autohersteller lieben die kleinen E-Autos nicht besonders. Damit lässt sich weniger Geld verdienen als mit den großen. Bei E-Fahrzeugen sind die Margen dann auch noch deutlich niedriger als bei Verbrennern. Das liegt an den Batterien, die meist von chinesischen Unternehmen zugekauft werden. Mit der eigenen Produktion von Batteriezellen scheint es auch nicht so gut zu klappen, wie beispielsweise die neuen Vereinbarungen von Volkswagen mit dem chinesischen Partner Gotion zeigen. Die neue Fabrik in Spanien wird jetzt gemeinsam gebaut, so aktuelle Berichte. Gleichzeitig hilft das wachsenden Interesse an E-Autos bei der besseren Auslastung der Werke. Bei den Verbrennern klappt das inzwischen nicht mehr so gut.
Der französische Stellantis Konzern will seine Werke mit der Produktion von Fahrzeugen seiner chinesischen Partner Leapmotor und Dongfeng auslasten. Bei den deutschen Konzernen scheint das noch kein Thema zu sein.
Der neue, wieder nur 2,75 m lange „Ur-Smart“ kehrt zurück, so die Schlagzeilen auf dem Pariser Autosalon. Die Geschichte von Smart begann 1994 aus einer Kooperation von Daimler-Benz mit dem Schweizer Uhren-Hersteller Swatch und sorgte nach dem Produktionsstart 1998 über viele Jahre für viel Furore. Inzwischen wird der E-Smart in einem Joint Venture mit Geely in China produziert und soll von dort aus (und nicht mehr aus Hambach oder Stuttgart) die Weltmärkte erobern.
Geely, mit knapp 10 Prozent an Mercedes beteiligt, baut gerade selbst mit seiner Kernmarke die Präsenz in Deutschland auf und hat bereits 75 Händler-Vereinbarungen getroffen. Konkurrent BYD transportiert seine Autos mit eigenen Frachtern in die Welt. Die Flotte an Autotransportern soll von heute acht in den nächsten zwei Jahren auf 18 Schiffe ausgebaut werden. Jedes Schiff kann 9.200 Fahrzeuge aufnehmen.
In diesem Jahr (bis September) wurden weltweit 15,5 Millionen E-Autos produziert, davon 8,1 Millionen in China und 3,9 Millionen in Europa. Das erscheint mir schon eine sehr schlagkräftige Industrie geworden zu sein. Braucht es da noch Subventionen? In China wurden sie gestrichen.
Noch einmal zurück zu den 30 Prozent E-Autos bei den Neuzulassungen. Die Zahl steht einerseits für die geschilderte Markteroberung, bedeutet aber auch, dass 70 Prozent der Neufahrzeuge über einen Verbrenner angetrieben und die nächsten 10 bis 15 Jahre auf den Straßen unterwegs sein werden. Sind wir dann einmal bei 100 Prozent bei den Neuzulassungen, dann wird es immer noch mehr als 10 Jahre dauern, bis nur noch wenige, dann historische Verbrenner im Einsatz sind.


