Dual-Electric Range Extender für E-Lkw

Bislang kannte ich den Begriff „Range Extender“ von E-Autos mit einem Stromgenerator an Bord, der effizientes Fahren mit hohe Reichweiten und traditionellem Tanken von Benzin verknüpft. In China sind davon schon etwa vier Millionen auf den Straßen unterwegs. Kürzlich hatte ich gelernt, dass bei den E-Bikes ein Zusatzakku auch als „Range Extender“ bezeichnet wird.

Jetzt verwendet der weltweit größte Batteriehersteller CATL diesen Begriff für eine neue Konfiguration von Wechselbatterien für E-Lkw.

In China spielt, anders als bei uns, der Wechselakku eine zunehmend größere Rolle. Im Pkw-Sektor wird  NIO bald eine Million Fahrzeuge mit Wechelsakkus verkauft haben. Die können an heute bereits 4.100 Stationen getauscht werden. Etwa 100.000 E-Lkw sind inzwischen mit Wechselakkus unterwegs. Qiyuan Green Power betreibt gut 1.600 Lade- und Batteriewechselstationen in 208 Städten. Von CATL kommen dieses Jahr noch 900 Stationen dazu, die im kommenden Jahr auf 2.000 wachsen sollen. Das ist schon eine faszinierenden Dynamik.

Jetzt hat CATL aus den bisherigen Erfahrungen dazu gelernt und den „Dual-Electric Range Extender“ präsentiert. In dieser Konfiguration wird zusätzlich zum Wechselakku, den es in zwei Größen (432 und 513 kWh) gibt, ein kleinerer Akku (77 kWh) fest im Lkw verbaut. Bei der bisherigen Konfiguration, die nur den Wechselakku verwendete, wurde dieser oft nur bis auf 30 Prozent entladen, da die Fahrer Bedenken hatten, die nächste Wechselstation zu erreichen. Jetzt können sie den Wechselakku immer bis auf 5 Prozent entladen, da der festverbaute kleine Akku immer ausreichend Reichweite bis zur nächsten Wechselstation ermöglicht. Durch die bessere Ausnutzung des Wechselakkus sinken die Kosten für die Batteriemiete. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie man früh im Markt dazu lernen und mit einem verbesserten Produkt seine Wettbewerbsposition ausbauen kann.

Die Batteriewechsel-Technologie hat eine ganze Reihe von Vorteilen: Das Basisfahrzeug ohne Batterie ist in der Anschaffung deutlich günstiger. Der Batteriewechsel erfolgt in wenigen Minuten und geht sehr viel schneller als das Schnellladen der Akkus. Für das Aufladen der leeren Batterien kann man sich Zeit lassen und sich an Verfügbarkeit und Kosten des grünen Stromes orientieren. Man braucht keinen extrem teuren Netzausbau. Mit den Batterien in der Wechselstation kann man auch am Stromhandel teilnehmen und mit weiteren netzdienlichen Geschäften zusätzlich viel Geld verdienen. Das ist sehr viel einfacher als das bei und so gehypte bidirektionale Laden. Und nachdem der so wichtige Ausbau der stationären Batteriespeicher bei uns enorm an Fahrt aufgenommen hat, wäre es doch naheliegend, dieses auch mit Batterie-Wechselstationen zu tun – also zwei Fliegen mit einer Klatsche erschlagen. Ich bim mir sehr sicher, dass mutige Unternehmen aus China diese Technologien auch in Europa etablieren werden.

Über diesem link erfahren Sie mehr zum Thema, vor allem das Interview mit Klaus Sekot, Geschäftsführer der Bosch MC Battery Solutions GmbH ist sehr lesenswert.

Nach der Lektüre hatte ich wieder einmal das Gefühl, dass wir auch bei diesem Thema aufwachen und nicht nur reflexartig den Ausbau des Stromnetzes fordern sollten. Es geht sehr viel einfacher und kostengünstiger.

Bildquelle: Titelbild: CATL

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