So wurde mir das in meiner Kindheit beigebracht. In vielen Religionen findet sich das auch im achten der zehn Gebote wieder. Wenn wir damals Märchen gelesen hatten, gingen wir davon aus, dass es sich um erfundene Geschichten handelte. Später hat uns dann Science-Fiction fasziniert. Wenn das Raumschiff abenteuerlich zwischen den Galaxien pendelte, wussten wir auch, dass das bei 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung realistisch nicht machbar ist.
Heute ist es, trotz oder wegen Internet und KI, ganz schön schwer geworden, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. Dazu zwei Beispiele:
Im ersten Beispiel, das ich in die Kategorie Märchen einordnen würde, geht es um die Verkündung der Finanzzahlen der letzten neun Monate des MAN Konzerns. Ganz im Vordergrund der Presseinformation steht die Elektrifizierung und der Verkauf von E-Trucks, der um 36 Prozent gestiegen ist. 1.480 E-Fahrzeuge wurde verkauft. Das hört sich doch gut an – oder? Nachdem der Absatz aller Fahrzeuge um fünf Prozent auf 75.400 gestiegen ist, also um 3.770 Fahrzeuge, bedeutet das, dass die Zahl der verkauften Diesel-Fahrzeuge deutlich stärker gestiegen ist, als E-Fahrzeuge verkauft wurden. Die emissionsfreien Fahrzeuge machen weniger als zwei Prozent aller verkauften Fahrzeuge aus. Das wäre dann eine ganz andere Botschaft, die „man“ nicht so gern in den Vordergrund stellen wollte.
Im zweiten Beispiel, das ich in die Kategorie Lügen einsortiere, geht es um eine Studie von E-ON. Die Schlagzeile: „Umstieg auf Wärmepumpen könnte Milliarden für Erdgas sparen„. Das hört sich doch in Zeiten hoher Erdgaspreise und gefährdeter Versorgungslage doch super an – oder? Um die Seriosität der Aussage zu untermauern, werden in der Pressemitteilung viele Details zur Berechnung aufgeführt. Etwas versteckt kommt dann die Aussage, dass die hohen Einsparungen auf dem Ökostromtarif, der dann von Null CO2-Emissionen ausgeht, beruhen. Fakt ist aber: Wer den „guten“ und teuren Ökostromtarif wählt, nimmt einfach allen anderen Verbrauchern den in den kalten Winternächten sehr knappen Grünstrom weg – an der Gesamtbilanz ändert sich dabei nichts.
Dabei weiß EON ganz genau, dass die CO2-Intensität der Stromerzeugung im Winterhalbjahr, wenn die Wärmepumpen so richtig im Einsatz sind, bei etwa 400 g/kWh liegt. Je nach Wirkungsgrad der Wärmepumpe bleibt da nicht viel CO2-Einsparung im Vergleich zu einer modernen Gastherme übrig.
Der Strom wird dann zu einem großen Anteil aus Erdgas und mit einem Wirkungsgrad von meist unter 40 Prozent erzeugt. Das heißt, für die Stromerzeugung brauche ich mehr als 2,5-mal soviel Erdgas wie für das Verbrennen von Erdgas in der Gastherme! Der Wirkungsgradvorteil der Wärmepumpe ist damit Großteils verpufft.
Ich frage mich, warum EON so etwas macht. Offensichtlich wollen sie noch mehr Geld durch den hohen Strombedarf für die Wärmepumpen verdienen.
Dabei machen Wärmepumpen durchaus viel Sinn. Allerdings muss das komplette Gebäude energieoptimiert und mit einer Solaranlage ausgerüstet sein. Nur die Gastherme gegen eine Wärmepumpe zu tauschen, wie es die Studie von EON propagiert, ist „zu kurz gedacht“.
Wenn wir die Energiewende erfolgreich meistern wollen, dann sollten wir als erstes ehrlich und faktenbasiert kommunizieren, sonst bewahrheitet sich das Sprichwort „Lügen haben kurze Beine„. Das mussten dieser Tage viele sehr reiche und einflussreiche US-Amerikaner erkennen muss: Trotz hunderter von Millionen schwerer Werbekampagnen ließ sich das Volk nicht beirren. Das macht Hoffnung!
Titelbild: Petra Boeger, KI-generiert


