Was haben Moore mit dem Klimawandel zu tun?

Eine Wanderung durch Moore, und das auch noch im farbenreichen Herbst, ist ein Traum. Die Bodenseeregion bietet eine Vielzahl an Moorlandschaften. Haben Sie sich schon einmal Gedanken über den Zusammenhang von Klimawandel und Mooren gemacht?

Für mich war die Teilnahme an der Verleihung des Deutschen Umweltpreises durch Bundespräsident Steinmeier an die Moorforscherin Dr. Franziska Tanneberger vor zwei Jahren ein prägendes Erlebnis. Hier finden Sie unseren Beitrag dazu: https://e2connect.org/deutscher-umweltpreis-fuer-intelligente-speicher-und-die-wiedervernaessung-der-moore/. Im gleichen Jahr 2023 wurde auch der sehr informative Mooratlas veröffentlicht, den man hier herunterladen kann: https://www.boell.de/de/2022/11/17/mooratlas-2023.

Dort heißt es:
„Moore sind beeindruckende Ökosysteme. Sie sind reich an seltenen Tier- und Pflanzenarten und können in ihren Torfböden riesige Mengen Kohlenstoff speichern. In Mitteleuropa sind weit über 90 Prozent der Moore trockengelegt. Auch heute noch werden Moorgebiete in allen Teilen der Welt zerstört. Etwa 4 Prozent der durch Menschen verursachten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto entwässerter Moore. Diese Emissionen können reduziert werden, wenn trockengelegte Moore wiedervernässt werden – so bleibt der Torf erhalten und der Kohlenstoff darin gebunden. Eine nasse Nutzung großer Moorgebiete stellt jedoch viele Herausforderungen an die Landwirtschaft. Der Mooratlas beleuchtet die Folgen der Zerstörung dieser einzigartigen Lebensräume und zeigt die Chancen nasser Moore und ihrer Nutzung für die Gesellschaft auf, um alle Akteur*innen zum Handeln zu ermutigen – „Moor muss nass“!“

Seitdem frage ich mich regelmäßig, was denn in unserer Region zum Thema Wiedervernässung der Moore passiert und was die konkreten Herausforderungen sind. Am 1.Oktober gab es die Chance all das zu erfahren: Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e.V. (LPV) lud zu einer Besichtigung des Degermooses südlich von Wangen ein. Link PM  https://lpv-lindau.de/wp-content/uploads/2026/09/260916_PM_Wiedervernaessungen_Herbst26.pdf

 

 

Geschäftsführerin des LPV, Britta Linde und Moorschutzmanager Armin Woll informierten die Teilnehmer der Führung über alle Hintergründe und die konkreten Maßnahmen zur Wiedervernässung von Teilen des Degermooses (siehe Bild oben in einem vor wenigen Wochen wiedervernässten Grundstück).

Unsere Moore entstanden vor etwa 10.000-12.000 Jahren mit dem Ende der letzten Eiszeit. In den Mulden sammelte sich Wasser. Abgestorbene Pflanzen setzten sich dort ab, verrotteten aufgrund des Sauerstoffmangels unter Wasser kaum. So konnten sie für mehrere tausend Jahre den Kohlenstoff binden, den die Pflanzen aus der Atmosphäre geholt hatten. Ab dem Mittelalter begann man, Moore in Weiden und Futterflächen umzuwandeln. Ab dem 18. und 19. Jahrhundert folgte eine starke Ausweitung durch Moorkolonisation, Ackerbau und Torfgewinnung als Brennstoff. Im 20. Jahrhundert wurden Moore zusätzlich großflächig drainiert und intensiv genutzt. Erst seit den 1990er Jahren rückt der Schutz und die Wiedervernässung in den Fokus.

Im Degermoos begann die Trockenlegung ab 1850 mit dem Bau der Eisenbahn von Lindau nach München. Der im Degermoos erzeugte Torf diente als Brennstoff für die Dampflokomotiven. Der über tausende von Jahren gebundene Kohlenstoff gelangte so als CO2 wieder in unsere Atmosphäre. Heute werden viele Teile des Moores für die Landwirtschaft, konkret als Weideflächen und für die Holzwirtschaft, genutzt. Ist so ein Moor trockengelegt, dann beginnen die Pflanzenreste zu verrotten und setzen damit große Mengen an CO2 frei. Aufgrund der weltweit riesigen, trockengelegten Moorflächen trägt das erheblich zum Klimawandel bei. Durch das Wiedervernässen lassen sich diese Emissionen stoppen. Es gibt aber noch weitere wichtige Faktoren. Intakte Moorlandschaften sind Heimat vieler vom Aussterben bedrohter Pflanzen und Tiere. In diesem extrem heißen und trockenen Jahr wurde noch ein anderer Vorteil intakter Moore sichtbar: Sie können riesige Wassermengen speichern, die dann einerseits den leidenden Bäumen zugutekommen und andererseits durch Verdunstung ein angenehm kühles Mikroklima schaffen.

Das gesamte Degermoos hat eine Fläche von 400 Hektar und erstreckt sich über die bayerisch-baden-württembergische Landesgrenze. Durch die Arbeiten des LPV entstanden auf bayerischer Seite im Landkreis Lindau insgesamt 51 Torfdämme und sieben Kleingewässer; rund fünf Hektar Moorfläche konnten dadurch bislang wiedervernässt werden. Ähnliche Aktivitäten laufen derzeit auch auf baden-württembergischer Seite.

Meine wichtigste Frage an die Experten war: Wie lange dauert so eine Renaturierung und wie teuer ist das? Das größte Problem ist die sehr große Zahl an Eigentümern im Degermoos. Jeder einzelne muss überzeugt werden, sein Grundstück zu verkaufen, zu tauschen oder die Wiedervernässung zu akzeptieren. Entsprechende Mittel zum Kauf oder Tausch müssen zur Verfügung stehen. Ohne Einwilligung ist eine Wiedervernässung nicht möglich. Fünf Jahre akribische Kleinarbeit waren notwendig, bis Moormanager Woll für die ersten Flächen Vollzug vermelden konnte. Dazu gehört auch die Erstellung eines sehr exakten Höhenprofiles, um die Dämme an den richtigen Stellen einzubauen und benachbarte Grundstücke nicht zu beeinträchtigen. Die Umsetzung der Maßnahmen nimmt dann einige Monate in Anspruch und hat im Bayerischen Teil des Degermooses bisher etwa 250.000 Euro gekostet. Weitere Maßnahmen sind in Planung.

Um die Freisetzung von CO2 aus trockenen Mooren zu reduzieren, müsste die Wiedervernässung sehr, sehr viel schneller als heute voranschreiten. Was man dafür tun kann, finden Sie auf der Seite des LPV unter dem Motto „Machen Sie mit“: https://lpv-lindau.de/machen-sie-mit/.

Flächen unkompliziert zur Verfügung stellen und Spenden sind die wichtigsten Maßnahmen, um die als CO2-Emissionen der vielen trockengelegten Moore zu reduzieren!

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