HVO für Busse und Rauchwolken in Indonesien.

Diese Woche berichtete die Schwäbische Zeitung über die Bemühungen des Landkreises zum Klimaschutz. Dort heißt es: “ … wird geprüft, inwiefern der erneuerbare Dieselkraftstoff HVO100 für die Regionalbusflotte genutzt werden kann“. 

Bei der Aussage habe ich mich zunächst gefragt, ob denn niemand die Preise für HVO an den Tankstellen gesehen hat. Der liegt über dem von fossilem Diesel, der derzeit noch mit 17 Cent pro Liter vom Tankrabatt profitiert. Dabei hat HVO, anders als bei Diesel und Erdgas (LNG), nichts mit den Engpässen in Raffinerien oder dem Transport durch die Straße von Hormuz zu tun. Deshalb verdienen Hersteller und Händler von HVO sich gerade eine goldene Nase!

Dazu passen – viel gravierender – die schlimmen Nachrichten aus Indonesien: Dort wüten seit Monaten heftige Waldbrände. Giftige Rauchwolken hüllen weite Teile Südostasiens ein. In Nachbarländern wie Malaysia mussten hunderte Schulen geschlossen werden, und in Singapur erreichte die Luftverschmutzung Alarmwerte. Für Teile der Region galt zeitweise die höchste Alarmstufe.

Die Brände werden gezielt für die Rodungen von Regenwäldern durch die Palmöl- und Landwirtschaftsindustrie gelegt und brennen auf ausgetrockneten Torfböden oft tief unter der Oberfläche weiter. Die indonesische Regierung musste zehntausende Einsatzkräften mobilisieren. Dennoch kam es zu Todesfällen bei Löscharbeiten und Evakuierungen.

Natürlich kann den Bauern in der Region niemand verwehren, auch mal gutes Geld zu verdienen. Die eigentlichen Profiteure sind aber die Konzerne, die das Palmöl verkaufen und HVO produzieren. Die Auslöser für die Umweltkatastrophen sind vor allem wir in Europa, wo man offenbar glaubt, dass HVO das Klima rettet. Mit dem Abbrennen von Regenwäldern erreichen wir genau das Gegenteil.

Es wird ja immer wieder behauptet, dass HVO aus gebrauchten Speiseöl hergestellt wird. Inzwischen ist es relativ einfach – vorausgesetzt man stellt die richtigen Fragen – gute Informationen über KI aus dem Internet zu bekommen:

Heute werden weltweit etwa 230 Millionen Tonnen Planzen- und Speiseöl produziert. Davon landen etwa 150 Millionen Tonnen für Lebensmittel auf unseren Tischen. Etwa 40 Millionen Tonnen werden direkt (!!!) als Kraftstoff verwendet und rund 30 Millionen Tonnen kommen aus Reststoffen (Used Cooking Oil, UCO). Für 2030 wird mit einem drastischen Anstieg des Verbrauches an Kraftstoffen aus Pflanzenöl für die Luftfahrt, die Schifffahrt und den Straßenverkehr gerechnet! Das ist der Hintergrund für die Rodungen von Regenwäldern in Indonesien. In diesem Fall wird die CO2-Bilanz von HVO um den Faktor drei schlechter als die von fossilem Diesel!

Höchste Zeit, das Märchen über klimafreundliches HVO neu zu schreiben. Gerne helfen wir auch dem Landkreis Lindau bei der weiteren Analyse der Fakten.

 

Titelbild: Petra Boeger, KI generiert

 

 

 

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