Wasserstoff marsch!

200.000 Kilometer – so lang ist das Netz an Ferngasleitungen, das ganz Europa jährlich mit 3.850 Terawattstunden an Erdgas versorgt. Das Verteilnetz, das die Energie an 100 Millionen Haushalte und an mehrere hunderttausend Unternehmen weiterleitet, hat eine Länge von zwei Millionen Kilometern. Gespeist wird das Erdgasnetz primär aus den Gasfeldern in der Nordsee und denen in Algerien. Bis vor wenigen Jahren kamen noch die Gasleitungen aus Russland dazu. Etwa 50 Terminals an den Küsten speisen ebenfalls Erdgas in das Netz ein, das per Schiff als LNG (verflüssigtes Erdgas) aus den USA, den Golfstaaten und Russland kommt.

All das wurde über die letzen 50 Jahren konsequent und mit viel Geld aufgebaut und ist damit relativ neu und voll funktionsfähig. Da liegt es nahe, durch dieses vorhandene Netz statt Methan (CH4) künftig Wasserstoff (H2) zu schicken. Bei etwa 80 Prozent der Leitungen ist das technisch einfach machbar. Wirtschaftlich ist dies um Größenordnungen billiger als der Bau von neuen Stromleitungen. Die Verwendung von Wasserstoff ist der von Methan sehr ähnlich: Wärme- und Stromerzeugung, als Kraftstoff im Verkehr sowie die Nutzung in der chemischen Industrie.

In Deutschland sind jetzt die ersten 573 von insgesamt 9.040 geplanten Kilometern in Betrieb gegangen. Bis Ende nächsten Jahres werden weiter 900 Kilometer hinzukommen (siehe auch Bericht aus Hzwei ). Die komplette Umstellung braucht noch etwa 10 Jahre.

Ein aktuelles Beispiel ist die Initiative GET H2, die in Lingen Wasserstoff aus Windstrom produziert und diesen über eine 120 Kilometer lange Pipeline an den Chemiestandort Marl transportiert. Ende des Jahres soll auch der Wasserstoff-Kavernenspeicher in der Region in Betrieb gehen. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung.

Im Großraum Leipzig mit dem BMW-Werk (siehe unseren Bericht vom 9.10.26) und dem Chemiestandort Leuna schreitet der Aufbau des Wasserstoffnetzes ebenfalls zügig voran.

Ganz entscheidend:

Seit März 2026 können Marktteilnehmer verbindlich Ein- und Ausspeisekapazitäten reservieren. Nach Angaben des FNB Gas übertrifft die Nachfrage die Erwartungen. Bis zum letzten Stichtag wurden Kapazitäten von knapp sechs Gigawatt zahlungspflichtig reserviert. Das sei doppelt so viel wie noch im Mai 2026.

Auch im Süden Deutschlands schreiten die Aktivitäten voran.

Auf einer Veranstaltungen der IHK am 3.12.26 zur Wasserstoffwirtschaft in Bayern und Baden-Württemberg in Weingarten können sie dazu mehr erfahren. Hier geht es zur Anmeldung: link.

Am 29.10.26 findet in Augsburg der Wasserstofftag statt. Hier können Sie sich zur Veranstaltung anmelden: link

Titelbild: BMW Pressemitteilung

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