Wo kam in der letzten Woche unser Strom her?

Diese Woche hat die Bundesnetzagentur die Förderung für fünf Gigawatt (GW) an Reservekraftwerken, die zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff betrieben werden, bekannt gegeben. Diese Kraftwerke müssen in den sogenannten Dunkelflauten (wenig Strom aus Sonne und Wind) die Stromversorgung sicherstellen. Von vielen Seiten kommt Kritik: Brauchen wir das überhaupt?

Da hilft ein Blick auf die Stromversorgung in den letzten zwei Wochen. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet hatte für gut fünf Tage dafür gesorgt, dass wir nur wenig Strom aus fossilen Kraftwerken brauchten. Am Dienstag letzter Woche (27.10. in der Grafik unten) ließ dann der Wind nach und für den Rest der Woche dominierte wieder die Stromerzeugung aus Erdgas (hellbraune Flächen) mit etwa 20 GW Leistung und aus Kohle (dunkelbraune Flächen) mit etwa 17 GW Leistung. Mehr als 4.000 GWh an fossilem Strom benötigten wir nur für diese eine Woche, um die Versorgung sicherzustellen. Zum Vergleich: Heute haben wir 35 GWh an Batteriespeichern installiert und können 40 GWh  in Pumpspeicher-Kraftwerken speichern.

Dieser Trend hielt auch in dieser Woche (KW 45) weiter an. Die Sonne bringt zu dieser Jahreszeit nur etwa ein Viertel des Stromes, den man im Sommer ernten kann. Wenn sich dann auch der Wind für viele Tage kaum sehen lässt, bleibt nur noch die fossile Stromerzeugung übrig.

Das hat zur Folge, dass immer dann, wenn der Verbrauch an Strom aus teurem Erdgas steigt, die Strompreise an der Börse in Leipzig steil nach oben gehen (rote Kurve). Der weitere Ausbau der Batteriespeicher hilft das zu vermeiden, wenn man grünen Überschussstrom zum Laden hat. Das war am Montag der letzten Woche der Fall. Ab dann war für zwei Wochen kein grüner Strom mehr zum Laden übrig! Mit steigender Zahl an E-Fahrzeugen, Wärmepumpen und Rechenzentren steigt auch der Strombedarf. Wenn dann auch noch die dreckigen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, dann braucht es immer mehr Reservekraftwerke. Daher die aktuellem und weiterhin geplanten Ausschreibungen für Gaskraftwerke. Leider wurde nur ein kleines Kraftwerk in Mannheim, das die Abwärme für eine Wärmenetz nutzt, genehmigt. Da Erdgas nur begrenzt verfügbar und daher teuer ist, wäre die im Winter so sinnvolle, hoch-effiziente Kraft-Wärme-Kopplung für alle Kraftwerke entscheidend!

Könnten unsere Nachbarn mit grünem Strom aushelfen? Die europäische Stromerzeugung (Grafik unten) zeigt, dass letzte Woche in ganz Europa ebenfalls sehr viel fossile Energien zur Stromerzeugung gebraucht wurden. Wenn viele der alten Kernkraftwerke (rote Flächen) in den Ruhestand gehen, dann wird die Herausforderung noch größer.

 

Was tun?

Der zügige Ausbau aller Erneuerbaren Energien inklusive der Batteriespeicher hilft weiter. Gerade in den Wintermonaten wird es aber ohne den Import von Energie in Form von Wasserstoff, der in sonnen- und windreichen Regionen dieser Erde erzeugt wird, keine saubere, sichere und bezahlbare Energieversorgung geben. Die Umsetzung ist herausfordernd und funktioniert nicht einfach von „heute auf morgen“. Weniger Energie verbrauchen hilft allerdings sofort und spart viel Geld!

Titelbild: Petra Boeger, KI generiert

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