Das Tor der Tränen und die Energiewende im Rest der Welt

Jetzt haben die Huthi das Tor, den Bad al-Mandab  ( = Tor der Tränen) zugemacht. Die weltweite Versorgung mit Rohöl wurde weiter eingeschränkt, und bei uns brechen alle in Tränen aus. So vermittelt das die aktuell sehr ausführliche Berichterstattung in den Medien. Natürlich ist das für alle, die beruflich auf Benzin oder Diesel angewiesen sind, ein Drama. Was wir von den Medien zur Zeit nicht hören:

Der Ausstieg aus den fossilen Energien wurde schon vor fünf Jahren gesetzlich vereinbart!

Das von der großen Koalition im Mai 2021 verabschiedete Novellierte Klimaschutzgesetz forderte einen konsequenten, stufenweisen Ausstieg aus den fossilen Kraftstoffen. Inzwischen ist nicht nur der Klimaschutz, sondern auch noch die Verfügbarkeit der fossilen Kraftstoffe zum großen Treiber für die Energiewende geworden. Jetzt wird Handeln für die Fahrzeughersteller, die Energiewirtschaft und die Verbraucher zum Muss!

Sowohl Klimawandel als auch die Versorgung mit Erdöl und Erdgas sind ein globales Thema. Da Deutschland nur für 1 Prozent der Weltbevölkerung, 1,6 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und 2 Prozent der CO2-Emissionen steht, stellt sich die Frage:

Was macht eigentlich der Rest der Welt?

Das renommierte Analysehaus für Energie und Rohstoffe BNEF hat kürzlich einen informativen Bericht zu den weltweiten Reaktionen der Politik auf den Einbruch der Erdölversorgung veröffentlicht. Das sind die wichtigsten Aussagen:

Indien und Südost-Asien

Die Regierungen haben die Verbraucher vor steigenden Strom- und Kraftstoffpreisen geschützt, wobei ein Großteil der Stromversorgung in Indien und Indonesien auf heimischer Kohle basiert. Auf den Philipen und in Malaysia ist die Anzahl von Solaranlagen auf den Dächern massiv angestiegen.  Die Verkäufe an E-Fahrzeugen haben sich überall verdoppelt.

China

Die Regierung hat schon seit Jahren die Versorgungssicherheit mit Energie zu einem strategischen Ziel gemacht und sehr große Vorräte an Erdöl aufgebaut. In Folge konnte China die Importe von teurem Rohöl in den letzten Monaten dramatisch reduzieren, was natürlich den anderen Ländern zu Gute kam. Der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien und der E-Mobilität helfen die Abhängigkeiten von importierter Energie zu reduzieren.

Afrika

Neben dem Verkehr sorgen auch viele Stromgeneratoren, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden, für große Abhängigkeit von importierten Kraftstoffen. Die massiven Preisanstiege haben den Kontinent hart getroffen. Der wichtigste Lichtblick ist der stark steigendende Import von kostengünstigen Solaranlagen aus China.

Europa

Unser Kontinent ist stark abhängig vom Import von Kerosin und Diesel aus der arabischen Halbinsel. Deshalb haben die Regierungen die Verbraucher vor den hohen Preisen geschützt, damit aber auch die Anstrengungen zur Reduzierung der Abhängigkeiten von Öl und Gas reduziert. Bei der Stromversorgung half der Anteil von 35 Prozent an Erneuerbaren Energien, die Preisanstiege moderat ausfallen zu lassen.

Lateinamerika

Hier ist die Abhängigkeit von Ölimporten begrenzt und man hat die eigene Produktion hochgefahren. Für Brasilien, den weltweit zweitgrößten Hersteller von Biokraftstoffen (Ethanol), zog das Geschäft kräftig an. Chile und Peru profitierten von gestiegenen Preisen für Kupfer und Lithium. Der Verkauf an E-Autos stieg ebenfalls kräftig an.

USA und Kanada

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten war aufgrund der starken, eigenen Öl- und Gasproduktion  von der globalen Verknappung wenig betroffen. Der Markt für E-Fahrzeuge steigt dort nur langsam, ganz im Gegensatz zu Kanada. Dieses Land will seinen Status als „Energy Superpower“ auf allen Gebieten ausbauen. Versorgungssicherheit und Wirtschaftskraft haben für Kanada Vorrang.

Mittlerer Osten

Für die meisten Länder haben die kriegsbedingten Exportbeschränkungen deutliche Auswirkungen auf die essentiellen Erlöse aus dem Export von Öl und Gas. Der Aufbau einer redundanten Infrastruktur zu Verarbeitung und Transport hat jetzt eine hohe Priorität. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, auch wenn die Kosten für die Finanzierung der Großprojekte gestiegen sind.

Mein Fazit:

Die Welt verändert sich gerade grundlegend und rasant. Die geopolitischen Verwerfungen sind neben dem Klimawandel zum zweiten großen Treiber für die Abkehr von den fossilen Energien geworden. Das bietet neue, hervorragende Exportchancen für die Technologien der Energiewende in Verbindung mit dem renommierten „German Engineering“.

Titelbild: Petra Boeger KI generiert: Mit dem Eigenverbrauch von Erdöl können die arabischen Staaten ihren Wohlstand nicht finanzieren.

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