Die Zeit läuft uns davon, die Erderwärmung wird schneller (Teil 1)

Ein Gastbeitrag von Michael Trapp

Die atmosphärische Kohlendioxidkonzentration (CO2) und die globale Oberflächentemperatur der Erde nehmen immer schneller zu. Die jährliche Zunahme der CO2-Konzentration beschleunigte sich seit den 1960er von ~1 ppm CO2 p.a. auf über 3 ppm p.a. in 2023 / 2024. 2025 lag sie 420 ppm um 1,1 % höher im Vergleich zu 2024. Zu den Quellen:

https://www.co2.earth/co2-acceleration
https://gml.noaa.gov/ccgg/trends/gr.html
https://globalcarbonbudget.org/fossil-fuel-co2-emissions-hit-record-high-in-2025/

Damit steigt auch die globale Oberflächentemperatur seit 2015 beschleunigt an. Die Autoren der Studie des Potsdam Instituts für Klimaforschung (PIK) kommen zu dem Schluss, dass es zu einer Überschreitung der 1,5° Grenze des Pariser Abkommens vor 2030 kommen könnte, deutlich früher als bisher prognostiziert. Quelle:
PIK / G. Foster, S. Rahmstorf (2026): Global Warming has accelerated significantly. Geophysical Research Letters. 16.3.2026 Volume 53 Issue 5 [DOI:10.1029/2025GL118804]

Auch die globale durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur verzeichnet weiterhin steigende Temperaturen. Im Frühjahr 2026 lag sie auf dem Rekordniveau der Jahre 2023 – 2025. Eine direkte Folge davon: Das Wasser verdampft schneller und trägt zu Starkregenfällen bei, gefolgt von zerstörerischen Überflutungen.

Grafik: Quelle: NOAA OISST V2.1  https://climatereanalyzer.org/clim/sst_daily/?dm_id=world2

 

Wir werden nicht verhindern können, dass die Erderwärmung auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird: Volkswirtschaften, die  fossile Rohstoffe fördern oder nutzen können ihre CO2-Emission nicht kurzfristig einstellen, ohne dass es zu ökonomischen, sozialen Krisen kommt. Weltweit sind hunderte neue Kohlekraftwerke geplant, mit Kapazitäten von ca. 257 Gigawatt (GW) (in Planung) und 227 GW (in Bau) – Stand 2026. Auch hunderte neue Öl- und Gasvorkommen sollen erschlossen werden. Quelle: https://globalenergymonitor.org/

Die Lebensdauern von Treibhausgas emittierenden Produkten & Anlagen bedingen weitere Emissionen. Geopolitische und marktwirtschaftliche Eigeninteressen behindern den Fokus auf die klimaneutrale Transformation und erschweren die Etablierung emissionsminimierter Technologien im Markt. Schwächelnde Klimawandel-Resilienz der natürlichen CO2–Senken (Dürren, Waldbrände, Torfabbau, Flächenversiegelung, etc.) und Rückkopplungseffekte wie tauende Permafrostböden tragen zum Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration bei.

Gleichzeitig steigt der Energiebedarf durch die wachsende Weltbevölkerung, Digitalisierung (Rechenzentren, Netzwerkinfrastruktur) und durch Maßnahmen zur Klima-Anpassung, Extremwetter bedingte Schadensbehebungen, Kühlung während Hitzeperioden, Rebound-Effekte, Transformationsprozesse in der Energie-, Material- und Landwirtschaft.

Durch die Trägheit der Erdsphären wirken die Folgen der Treibhausgasemissionen mit einer zeitlichen Verzögerung von Dekaden.

Wenn also die Fieberkurve der Erde zu einem exponentiellen Verlauf neigt bekäme nicht nur die Reduktion der Treibhausgasemissionen noch mehr dramatische Dringlichkeit, auch die Entlastung der Atmosphäre von CO2 im Milliarden Tonnen Maßstab sollte sofort in Angriff genommen werden.

Energieaufwand und Finanzierung der CO2-Entsorgung (Negativ Emission) scheinen jedoch noch jenseits des Vorstellbaren zu liegen. Die durch den Klimawandel verursachten Anpassungs- und Schadensbebungskosten könnten den Aufwand einer CO2-Bindung und CO2-Lagerung allerdings relativieren. Technologien um CO2 im größeren Maßstab zu binden oder speichern stehen zur Verfügung, wenn auch noch nicht ausgereift für den großtechnischen Einsatz im erforderliche Mengenmaßstab. Weitere Informationen:

Pädiatrische Allergologie » 01 / 2022 » Umweltmedizin: Teil 1 NETs und Einlagerung von CO2 als Gas
Pädiatrische Allergologie » 02 / 2022 » Umweltmedizin: Teil 2 Kohlendioxid biologisch und chemisch binden
Pädiatrische Allergologie » 02 / 2024 » Umweltmedizin: Teil 3 Kohlendioxid entsorgen

Sollte die jährliche CO2-Emissionswachstumsrate in den nächsten 10 Jahren weiterhin bei 2- 3 ppm p.a. liegen, würden wir 2035 eine atmosphärische CO2-Konzentration von 450 bis 460 ppm erreichen. Zur globalen Oberflächentemperatur, die dann zu erwarten wäre, gibt es unterschiedliche Meinungen. Mehr als +2°C wird nicht ausgeschlossen.

Gerne wird in Diskussion darauf verwiesen, dass es historisch auch schon diese hohen CO2-Konzentrationen gab (siehe Grafik unten). Die Ursache lag in der zu dieser Zeit stattfindenden Verschiebung der Kontinente und der damit verbundenen CO2-Emissionen aus den vielen Vulkanen. Der Veränderungsprozesse zogen sich über tausende von Jahren hin. Die aktuellen Veränderungen finden dagegen sehr schnell im Zeitraum von weniger Jahrzehnten statt.

 

Quelle der Grafik: Wiki

Die hohen CO2-Konzentrationen führten damals zu einem weltweit subtropischen Klima und Temperaturen, die teils mehr als 10°C höher lagen als heute. In Folge lag der Meeresspiegel 100 bis 200 m höher im Vergleich zu heute: https://klimaportal.geosphere.at/informationsportal-klimawandel/meer_vergangenheit.html

Weltweit leben heute ca. 680 Millionen Menschen in Küstenzonen, die weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel liegen und somit direkt vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. Bis 2050 wird erwartet, dass ca. 300 Millionen Menschen regelmäßig von Hochwasser betroffen sein werden. 6,5% der globalen Küsten mit ca. 150 Millionen Menschen sind zusätzlich von Bodenabsenkungen betroffen (Subsidenz).

Nach dem Eozän wurden durch Verwitterungsprozesse (z.B. Basalt reagiert mit CO₂ zu natürlichen Mineralien) sehr viel atmosphärisches Kohlendioxid chemisch gebunden und damit über lange Zeiträume dem Kohlenstoffkreislauf der Erde entzogen. Seit etwa 10.000 Jahren liegt die CO2-Konzentration bei etwa 280 ppm um in den letzten Jahrzehnte rapide auf 420 ppm anzusteigen.

In der nächsten Woche gibt es Teil 2 mit den möglichen Maßnahmen zur CO2-Reduktion

 

 Titelbild: Ekaterina Kuznetsova

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