Richtig oder falsch: Die neuen Technologien sind viel zu teuer!

Das Argument der viel zu hohen Kosten hören wir regelmäßig zur E-Mobilität wie auch bei den Wasserstoff-Technologien. Dabei gibt es zur Entwicklung der Kosten innovativer Produkte schon seit Jahrzehnten etablierte Gesetzmäßigkeiten. Viele von uns haben das selbst erlebt:

Erinnern Sie sich noch an die ersten Personal Computer (PC) in den 1980er Jahren und die ersten Handys Anfang der 1990er Jahre? Damals kosteten die PCs ein Vermögen und waren nicht viel mehr als eine Schreibmaschine mit einer simplen Tabellenkalkulation. Das Internet war nur für wenige Forschungsinstitute verfügbar. Heute werden jährlich 250 Millionen PCs bzw. Notebooks und 1.250 Millionen Smartphones hergestellt. Jeder besitzt mindestens ein Handy, das sich jeder leisten kann und das so fast alles macht, was man sich nur vorstellen kann – eine völlig andere Welt im Vergleich zu dem Beginn des Zeitalters der Mobiltelefone (Titelbild).

Ein weiteres Beispiel: Vor 30 Jahren war die Photovoltaik nur etwas für exotische Anwendungen, weil sündhaft teuer. Im vergangenen Jahr lag der Preis für die Solarmodule nur noch bei 10 Cent pro Watt, etwa einem Hundertstel der ursprünglichen Kosten. Dementsprechend wurden im vergangenen Jahr 650 Milliarden Watt an Solarmodulen produziert und in Folge Sonnenstrom unschlagbar billig. In sonnenreichen Regionen unserer Erde kostet der nur noch 1 Cent pro Kilowattstunde.

Als es vor 15 Jahren langsam mit der Elektromobilität losging, kosteten die Batterien etwa 1.000 US Dollar pro Kilowattstunde. Die einhellige Meinung der Autohersteller: Viel zu teuer! Heute sind wir bei etwa 50 US Dollar pro Kilowattstunde und die ersten E-Autos kosten nicht mehr als die Verbrenner.

Hinter diesen Kostenreduktionen steckt eine Gesetzmäßigkeit, die schon 1936 vom Ingenieur Theodore Wright für den Bau von Flugzeugen festgestellt wurde: Mit jeder Verdopplung der kumuliert produzierten Stückzahlen reduziert sich der Preis auf 80 Prozent der ursprünglichen Kosten. In den 1960er Jahren hatte der Gründer der Boston Consulting Group diese Gesetzmäßigkeit auf alle Produkte ausgeweitet (Boston Experience Curve). Nicht nur die Optimierung der Lieferketten und der Produktion sind dafür verantwortlich. Neue und optimierte Technologien machen die Produkte regelmäßig leistungsfähiger. So konnten die ersten Solarmodule nur 10 Prozent des einfallenden Lichtes in Strom umwandeln. Heute sind wir bei 25 Prozent. Das alleine führt zu einer Kostenreduktion um den Faktor 2,5. Dazu kommen immer weniger Rohstoffe (Silizium, Silber etc.) sowie bessere und schnellere Produktionstechnologien.

Dieses Prinzip gilt für alle Technologien, vom Computer-Chip bis zur Waschmaschine!

Und was ist mit den zukünftigen Produkten, die in fünf oder 10 Jahren den Markt beherrschen werden?

Auch hier gilt das gleiche Prinzip: Mit dem Anstieg der Produktionsmengen werden die Kosten immer niedriger. China hat das verstanden und setzt das konsequent in seiner Strategie um – ob für Roboter, autonomes Fahren oder das Wasserstoff-Ökosystem. Elektrolyseure und Brennstoffzellen werden durch die schnelle Skalierung der Produktion schnell kostengünstig und verdrängen zunehmend die fossilen Technologien aus dem Markt.

Unternehmen, die sich von den anfänglich immer hohen Kosten abschrecken lassen, werden langfristig von neuen und sehr agilen Unternehmen aus dem Markt gedrängt:

Die Herstellung der neuen, innovativen Produkte steht aber auch für die bei uns so dringend notwendigen Arbeitsplätze der Zukunft!

 

Titelbild: JohnnyOp @ unsplash

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