Die österreichischen Besitzer einer Solaranlage können jetzt über sogenannte Peer-to-Peer Verträge (Vertrag zwischen Gleichen) einfach ihren überschüssigen Sonnenstrom direkt an ihren Nachbarn liefern. Die einzige Bedingung ist, dass beide (Lieferant und Empfänger des Stromes) beim gleichen Netzbetreiber sind. Nachdem in Deutschland das Thema seit vielen Jahren diskutiert wird und an Komplexität kaum noch zu überbieten ist, fand ich diese Nachricht sehr ermutigend. Das sollte zum Nachahmen anregen.
Der sonnige Sommer hat die Hintergründe dazu wieder sehr deutlich aufgezeigt: Zwischen 50 und 80 Prozent des auf dem eigenen Dach erzeugten Stromes können trotz Batteriespeicher nicht selbst genutzt werden. Der Strom fließt dann direkt zu den Nachbarn, die keine Solaranlage haben. Für den eingespeisten Strom gibt es eine kleine Vergütung. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist der vermiedene, immer teurer werdend Strombezug vom Energieversorger. Dies betrifft auch die Nachbarn ohne Solaranlage, die für den billig abgegeben Solarstrom den vollen Preis beim Energieversorger bezahlen.
In Österreich kann man das jetzt besser machen: Der Besitzer einer Solaranlage kann sehr einfach Sonnenstrom, den er nicht selbst braucht, direkt an seinen Nachbarn verkaufen. Bei der Preisgestaltung ist er frei und muss nur das an den Netzbetreiber zu bezahlenden Netzentgelt berücksichtigen. Dieses soll für das Peer-to-Peer Verfahren ab dem nächsten Jahr auch noch reduziert werden, da ja alles über das bestehende Stromnetz erfolgt und keinerlei Veränderungen notwendig sind. Hier finden Sie noch weitere Informationen: link
Insgesamt erscheint mir das neue Österreichische Modell einfach und wegweisend zu sein.
Während des Schreibens des Beitrages sind mir noch einige Fragen durch den Kopf gegangen:
Wie hoch ist das heutige Netzentgelt in Vorarlberg? Brutto sind das 6,9 Cent pro kWh. Wir in Lindau sind auch an das Vorarlberger Stromnetz angeschlossen, zahlen aber ein Netzentgelt von 9,43 Cent pro kWh – ein Drittel mehr.
Beim gesamten Strompreis für private Haushalte wird das noch deutlicher: In Vorarlberg sind das 20 bis 26 Cent pro kWh, in Lindau 37 Cent pro kWh – etwa 60 Prozent mehr für den gleichen Strom aus dem gleichen Netz.
Woran das wohl liegt?


