Die Hitzewelle ist überstanden. Wieder verträgliche Temperaturen helfen beim Nachdenken. In den tropischen Nächten ging mir der Thriller °C von Marc Elsberg durch den Kopf. Dort geht es um die chaotischen Versuche der Regierungen in China, den USA, der EU und der UNO mit Geo-Engineering – das ist das Versprühen von Chemikalien in die Atmosphäre, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren – die finale Klimakatastrophe abzuwenden. Meine Reaktion beim Lesen: So dumm kann die Menschheit doch nicht sein! Die Reaktionen unserer Politiker und der Medien auf die Hitzewelle in den letzten Wochen haben mir eines bewußt gemacht: Ja, wir sind anscheinend wirklich so dumm!
Alle wissen, dass die Klimaerwärmung das Ergebnis der seit Jahrzehnten zunehmenden Emissionen von CO2 ist. Aktuell erhöhen wir die Menge um jährlich 39 Milliarden Tonnen. Die verweilen für Jahrhunderte in der Atmosphäre und heizen unseren Planeten weiter auf.
Woher kommt das CO2?
Aus der Verbrennung von Benzin, Diesel, Kerosin, Erdgas und Kohle. Deren Verbrauch ist bis heute weltweit gestiegen. Dies gilt auch für den Verkehrssektor in Deutschland – trotz der vielen Nachrichten über die wachsende Anzahl an E-Autos. Das sind bislang nur vier Prozent aller Fahrzeuge, und die werden dann auch noch zu 40 Prozent mit fossilem Strom geladen.
Warum wird das alles in den Nachrichten nicht thematisiert?
Wenn wir die 39 Milliarden Tonnen CO2 durch die Anzahl der Erdbewohner teilen, dann heißt das: Pro Kopf – vom Neugeborenen bis zu den Senioren – belasten wir die Atmosphäre jedes Jahr zusätzlich mit 4,7 Tonnen CO2. Dabei sind die Emissionen sehr ungleich verteilt: Wir Deutschen erzeugen etwa 12 Tonnen pro Kopf und Jahr, wenn man die internationalen Emissionen durch Flüge oder Waren-Transport (Konsum) einrechnet. Die Menschen in Entwicklungsländern haben sehr viel geringere Verbräuche an fossilen Kraft- und Brennstoffen.
Dabei gibt es unendlich viele Möglichkeiten unseren CO2 Fussabdruck sehr schnell zu reduzieren.
Weniger Benzin, Diesel oder Kerosin verbrauchen ist sehr einfach und hat nichts mit Verzicht zu tun, es bringt sogar Lebensqualität. Ich bin mir sicher, dass Ihnen sofort ganz viele Beispiele einfallen, wie wir den Verbrauch an fossilen Energien sofort reduzieren könnten. Achten Sie einmal darauf, ob das auch in den Medien angesprochen wird.
Titelbild: Marc Elsberg Celsius



2 Kommentare
Warum wird das alles in den Nachrichten nicht thematisiert?.
Richtig gefragt wäre: „Warum erreichen wir so wenig?“
Die Antwort lautet, weil wir z. B. meinen, dass mehr E Autos die Emissionen reduzieren.
Das ist aber falsch.
Ein Reduktion wird nur erreicht, wenn die Verbrenner weniger werden.
Die rd. 2 Mio. E Autos die in Deutschland zugelassen sind, haben aber nicht die Verbrenner reduziert, sondern den Fahrzeugbestand erhöht.
Wir sind jetzt bei schon fast 50 Mio. Fahrzeugen für in MIV (motorisierter Individualverkehr).
Die Bestandserhöhung erfolgt mit allen bekannten, aber zu wenig oder kaum thematisierten, Begleiterscheinungen, wie Verkehrsdichte, Feinstaubbelastung, zusätzlichem Bedarf an Verkehrswegen (Flächenversiegelung/Grundwasser) – und v.a.m.
Und wenn ein Verbrenner bei uns tatsächlich nicht nur um- sondern abgemeldet wird, dann fährt er in anderen Ländern weiter. Aus unserem Emissionsinventar sind sie dann entfernt, für den Klimaschutz bringen sie aber nichts.
Wir gefallen uns darin uns mit Placebos zufrieden zu geben.
meine Erkenntnis, warum das in den Medien nicht thematisiert wird: Die Medien leben von Werbeeinnahmen und wollen ungern die Kunden in der Autoindustrie oder bei den Reiseveranstaltern verlieren.