Grundwasser für die Getränkeindustrie

Als Folge der fehlenden Niederschläge in Verbindung mit der intensiven Nutzung von Wasser gehen in vielen Regionen Europas die Grundwasser-Reserven massiv zurück. Jeder will das kostbare Gut haben: Die Bürger als Trink und Brauchwasser, die Landwirtschaft zum Bewässern und die Getränke-Industrie zum Verkaufen. So hätte Bayerns Ministerpräsident gerne den Bodensee angezapft, um seine Fränkische Heimat mit Wasser zu versorgen. Im Landkreis Traunstein holt die Firma Adelholzener bislang jährlich 1,59 Milliarden Kubikmeter Wasser aus 140 Metern Tiefe und das auch noch kostenlos. Da wird der Verkauf von jährlich 700 Millionen Flaschen zum attraktiven Geschäftsmodell. Einen lesenswerten Bericht dazu finden Sie in der Süddeutschen.

Auch in der Bodenseeregion wird mit billigem Grundwasser sehr viel Geld verdient. Wussten Sie, dass ein sehr großer Teil der jährlich 14 Milliarden Red Bull Dosen in der Bodensee-Region abgefüllt wird?

Dank KI findet man sehr schnell spannende Fakten:

Die Abfüllanlage von Red Bull im Schweizerischen Widnau verbraucht etwa eine Million Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. Für das Vorarlberger Nüziders findet man ähnliche Zahlen. Nachdem eine Dose Red Bull im Supermarkt etwa 1,80 Euro kostet und der Inhalt zu 85 Prozent aus dem (fast) kostenlosen Grundwasser und der Rest aus billigem Zucker besteht, kann sich jeder ausrechnen, dass die Marke, wie bei vielen andere Getränken auch, eine echte Goldgrube ist.

Neben der Grundwasser-Problematik hat mich ein anderer Aspekt noch viel nachdenklicher gestimmt:

Für den Abtransport der Dosen zu den weltweiten Verbrauchern sind pro Standort (Nüziders und Widnau) jeden Tag etwa 100 Lkw im Einsatz. Die verbrauchen jede Menge Diesel-Kraftstoff und pusten das dabei erzeugte CO2 in die Atmosphäre.

Die Alu-Dosen werden direkt vor Ort hergestellt. Dafür müssen jeden Tag etwa 200 Tonnen Aluminium-Bleche  an die beiden Standorte angeliefert werden. Vermutlich auch wieder per Diesel-Lkw. Die Herstellung von Aluminium gehört zu den energieintensivsten Prozessen überhaupt und verschlingt Unmengen an elektrischem Strom.  Daher hat man die Aluminium-Produktion vor Jahrzehnten nach China verlagert . Da wundern wir uns über die vielen Kohlekraftwerke in China, die man braucht, um daraus Dosen für die Kult-Getränke zu produzieren! Zum Glück kommen inzwischen etwa 75 Prozent des Aluminiums aus dem Recycling. Aber auch dafür muss man die Dosen einsammeln und per Lkw zu den Aufbereitungsanlagen, die auch einiges an Energie verbrauchen, fahren.

Was tun?

Ich kenne ganz viele kleine und hervorragende Getränke-Hersteller, die in der Heimat für die Heimat produzieren. Und dann gibt es noch den beliebten „Hahnenburger“, das Wasser aus der Leitung mit exzellenter  Qualität – kostet weniger als ein ein Cent pro Liter!

 

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3 Kommentare

  1. Trotz des Klimawandels ist ein abnehmender Trend der Niederschläge nicht festzustellen.
    Ich empfehle dazu einen Blick in die Wetterstatistik Bayern oder zum Deutschen Wetterdienst. Dort findet man in den Aufzeichnungen seit 1881, als niederschlagsreichstes Jahr das Jahr 2002 und als niederschlagsärmstes 1959.

    Dass es immer so schnell trocken wird und die Grundwasserstände abnehmen, hat andere Ursachen.
    Wir machen aus vertikalen Wasserströmen immer mehr horizontale, nämlich immer mehr Abfluss und immer weniger Einsickerung. Folge von immer mehr Versiegelung.

    Was abgeflossen ist, ist weg, kann nicht mehr einsickern und trägt nicht mehr zur Grundwasserneubildung bei. Mehr offene Flächen sind die Lösung, mehr Grün und offene Beläge für Parkplätze und Wege, die Wasser nicht ableiten, sondern einsickern lassen.

    Das Positive dabei: Wir haben das selbst in der Hand.

    1. Es ist richtig, dass die Versiegelung der Oberflächen ein Problem ist.
      Es wird auch zunehmend von der sog. Schwamm-Stadt gesprochen – Wasser in den Siedlungsräumen zu speichern – umgesetzt wird das aber kaum.
      Ein großes Problem sind die zunehmend extremen Wetterverhältnisse. Lange Trockenperioden, in denen Wasser aus den Flüssen für die Landwirtschaft genutzt wird. Und dann extreme Niederschläge, die der Boden nicht aufnehmen kann.

  2. Das ist nicht nur ein Problem, sondern der entscheidende Grund.

    Das lässt sich ganz einfach aus der Wasserformel ableiten:
    Niederschlagsmenge – Abfluss – Verdunstung – Einsickerung = 0.

    Zugenommen hat der Abfluss, abgenommen die Einsickerung.
    Die anderen Faktoren der Formel haben sich nicht oder wenig verändert.

    Dass nichts umgesetzt wird, kann man leichter ändern als die THG Emissionen.
    Entsiegelung, Verbot von Steingärten und Kunstrasen, weniger Vorfluter, versickerungsoffene Wege usw. sind Massnahme. die oft nicht mal viel kosten.

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