Was hat Trinkwasser mit Erdöl zu tun?

„Die Trinkwasserversorgung ist von strategischer Bedeutung für die Arabische Halbinsel“, so eine kurze, aber hoch interessante Analyse im Newsletter Pioneer Briefing. 450 Anlagen zur Meerwasser-Entsalzung versorgen in der Region die Bevölkerung und die Landwirtschaft und die Erdölindustrie! Kein Wunder, dass solche Anlagen auch das Interesse der Feinde wecken. Das war schon im ersten Golfkrieg bei der Zerstörung solcher Anlagen durch die Iraker in Kuwait der Fall und ist auch aktuell Teil der Raketenziele der Iraner.

Das hat bei mir sofort unsere Studie zur „Klimaneutralen Schifffahrt auf dem Bodensee“ in Erinnerung gebracht. Dort war die Versorgung von etwa 5 Millionen Menschen durch den größten Trinkwasserspeicher Europas ein zentrales Thema. Die potentielle Gefährdung durch vielen Boote und Schiffe, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden, hat damals bei keinem der Verantwortlichen der zehn Anrainerstaaten für Aufmerksamkeit gesorgt.

Zum Thema Trinkwasser im Mittleren Osten noch ein paar Zahlen am Beispiel Saudi Arabien:

Mit 15 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag verbraucht Saudi Arabien etwa 30-mal soviel wie der Bodensee an Trinkwasser bereitstellt. Davon stammen 11 Millionen Kubikmeter pro Tag aus der Entsalzung von Meerwasser. Etwa 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag, das sind 10 Prozent des gesamten Verbrauches, werden für die Erdölförderung (Fracking) und Verarbeitung gebraucht. Anders formuliert: Pro Liter gefördertem Öl braucht man 3 bis 6 Liter entsalztes Wasser. Die Energie für die Entsalzung des Meerwasser kommt wiederum vom Erdöl: Etwa einen Liter pro Kubikmeter Wasser oder auf Saudi Arabien umgerechnet etwa 11 Millionen Liter Erdöl pro Tag.

Zurück in unsere Region: Unsere heutige Mobilität auf dem Wasser und auf den Straßen basiert fast vollständig auf Erdöl.

Wie fragil und teuer das ganze Gebilde unserer heutigen Energieversorgung geworden ist, zeigen diese Fakten zum Wasserverbrauch für die Ölförderung. Beim Erdgas, das über Fracking gewonnen wird, ist es mit Sicherheit nicht besser. Wer Lust hat, kann auch einmal den Wasserverbrauch für den Tourismus und die Landwirtschaft auf der Arabischen Halbinsel recherchieren.

 

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