Wasserstoff-Tankstelle Memmingen, oder: Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen!

Das war eine Überraschung: Ganz prominent auf „Seite Drei“ erschien in der Schwäbischen Zeitung letzten Montag ein ganzseitiger Bericht über die neue Wasserstoff-Tankstelle in Memmingen.

Endlich kommt auch in unserer Region Bewegung auf, so meine zunächst positive Neugierde. In der Schweiz gibt es bereits 18 dieser Tankstellen, und in Nordrhein-Westphalen, Belgien und den Niederlanden besteht ebenfalls schon ein funktionsfähiges Netz zum Betanken von Wasserstoff-Fahrzeugen. Aber nördlich und östlich des Bodensees herrscht bislang Leere.

Kommt da jetzt Schwung auf?

Meine Euphorie beim Lesen des Artikels verflog schnell. Denn die Recherche-Künste des Journalisten stellten sich als äusserst bescheiden heraus. Ein Blick auf die interaktive Karte H2.Live hätte ihn sehr viel näher an die Fakten gebracht. Auch bei Google findet man sehr schnell heraus, dass es weltweit über 1.000 Wasserstoff-Tankstellen gibt, und dass China und Süd-Korea hier führend sind.

Wie bei vielen anderen Nachrichten, werden auch in diesem Beitrag der angeblich hohe Preis für den erneuerbaren Strom und den daraus erzeugten Wasserstoff sowie der hohe Energieverbrauch ausgiebig thematisiert. Aufmerksame Zeitgenossen haben allerdings gerade in den letzten, sehr sonnigen Wochen festgestellt, dass es Sonnenstrom im Überfluss und vielfach sogar kostenlos gibt. Statt den Sonnenstrom einfach abzuschalten, hätte man damit Wasserstoff kostengünstig erzeugen können. Mit dem grünen Strom, der jedes Jahr in Deutschland ungenutzt bleibt, hätte man etwa 15.000 Busse oder Lkw das ganz Jahr über mit Wasserstoff, der aus diesem ungenutzten Strom erzeugt wird,  betreiben können. So etwas wäre doch einmal eine schöne Schlagzeile!

Gut, dass es auch für Memmingen den Plan gibt, den Wasserstoff kostengünstig vor Ort zu produzieren. Zu den Abnehmern für den Wasserstoff am Flughafen sind die Aussagen der Verantwortlichen leider etwas nebulös. So gibt es zwischen dem Bahnhof Memmingen und dem Flughafen einen intensiven Busverkehr. Was wäre naheliegender als diese Busse Zug um Zug auf Wasserstoff umzustellen. Heute sind in Deutschland bereits mehr als 600 Wasserstoffbusse im Einsatz – so etwas ist keine Hexenwerk mehr.

Beim Thema Speicherung von Wasserstoff hat sich dann der Journalist endgültig auf das Glatteis der Physik begeben und Fakten mit Glauben vermischt. Technische Gase wie Wasserstoff werden seit Jahrzehnten unter hohem Druck gespeichert, transportiert und industriell verarbeitet.

Schön wäre es, wenn die Medien positiv und faktenbasiert über die Technologien der Zukunft berichten würden. Es gibt ja viele Fachleute, die man fragen kann. Auch das Internet weiß alles, wenn man die richtigen Fragen stellt. Nur durch eine faktenbasierte Berichterstattung entsteht eine breite Akzeptanz für neue, klimafreundliche Technologien und damit auch die dazugehörigen Arbeitsplätze der Zukunft. Die leider weitverbreitete Negativstimmung zu Wasserstoff hat die Folge, dass wir, wie schon bei den Batterien und der Photovoltaik, auch beim Wasserstoff die Produkte künftig in Asien kaufen werden. Dort herrscht Aufbruchstimmung und die meisten der weltweit etwa 100.000 Wasserstoff-Fahrzeuge sind dort im Einsatz.

 

Bildquelle: Pressemitteilung e-con AG

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