Servicewüste Deutschland

Ich bin wirklich positiv eingestellt, auch der Elektromobilität gegenüber! Aber es gibt immer noch idiotische Firmen, die mir das Leben schwer machen wollen.

Ein Beispiel habe ich diese Woche wieder erleben dürfen. Mutig wie ich bin, versuche ich gerade auch Langstrecken mit meinem kleinen alten BMW i3 zu bewältigen. Es erfordert schon etwas Fingerspitzengefühl, die sich ständig ändernden Reichweiteangaben im Fahrerdisplay richtig zu deuten. Je nach aktuellem Verbrauch vergrößert oder verkleinert sich die E-Reichweite und die RE-Reichweite laufend. Tanken ist simpel. Laden ist aber noch eine Herausforderung. So kam ich rechtzeitig mit noch einer halben Stunde Zeitreserve am Köschinger Forst in der Nähe von Ingolstadt an und fuhr nichtsahnend an eine Schnellladesäule der Firma MER, die offensichtlich alte ABB Säulen übernommen (überklebt) hat. Neben mir gar kein anderes Auto….

Das Display forderte mich auf, die Ladeart zu wählen und dann das Ladekabel einzustecken. Daraufhin wurde ich aufgefordert, mich mit meinem Telefon anzumelden. (War da nicht eine Verpflichtung, sich an einer Schnelladesäule adhoc einfach mit der Kreditkarte anmelden zu können??). Nach der Eingabe aller meiner persönlichen Daten und der Kreditkartendaten bekam ich zur Antwort, dass es ein Kommunikationsproblem gibt. Abbruch… Nach 14 maligem Folgen der misslichen Anweisungen (meine neue Gelassenheit wurde auf eine große Probe gestellt) rief ich entnervt die Hotline an. Eine ernste und recht strenge Dame fragte mich, was mein Problem sei… Ist doch kinderleicht, schwang in ihrer Stimme mit… Ich erwiderte, dass ich nur Rocket Scientist sei und mir deshalb der Umgang mit Technik nicht wirklich leicht fiele!?!

Erste schwere Frage: Wie lautet die IP der Ladesäule. Die stehe klar und deutlich drauf. Ich schaue rings herum, oben und unten und überall. Keine IP. Nun sagt sie, es seien kleine QR Codes an den Ladekabelaufnahmen angebracht. Da standen zwar lange alphanumerische Zeichenketten, ohne jedoch anzudeuten, dass diese IP’s seien. Bislang waren IP’s für mich numerische Codes mit Punkten getrennter Zahlen. Nun las ich ihr diesen Code vor.

Ich solle nun, entgegen der Bildschirmanweisung, das Ladekabel wieder zurück in die Ladesäule stecken und mit der telefonischen Anmelderoutine beginnen. Nach nur fünf gemeinsamen Fehlversuchen, welche die Dame auch nicht nachvollziehen konnte, war urplötzlich die Säule zum Laden bereit. Geht doch! Nur mittlerweile waren 15 Minuten meiner 30 Minütigen Pufferzeit verplämpert! Keine Entschuldigung von der überforderten Dame am anderen Ende des Telefons. Ich schlug ihr vor, einmal einen Mitarbeiter zu schicken, der den Anweisungen zur Probe selbst folgt und danach die fehlerhaften Schritte korrigiert. Keine Antwort.

Ich hatte also noch 15 Minuten Zeit zum Laden und Zeit auf die sonstigen Ladesäulen zu schauen. Dort standen alle anderen Autofahrer bei Ionity. Probiere ich das nächste Mal gleich und warte einfach darauf, dass MER untergehen möge…

Mich erinnert diese Art von Service sehr stark an das alte Bahn- und Telekom-Vorgehen, die beide den Service ausschliesslich aus ihren betriebsinternen Abläufen heraus gestaltet haben. Besser ist es allerdings aus meiner Erfahrung, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Der Vergleich zwischen einem Kundenonlineportal einer deutschen Firma mit Eingabe dutzender Daten und vieler unverständlichen Untermenues und dem One-Click Verfahren bei Amazon zeigt, wie der wahre digitale Geschäftserfolg gelingt. Mache es dem Kunden einfach, Dein Produkt zu kaufen, und Du wirst zum Milliardär. So einfach ist das!

Ich kam am Ende trotz aller Anstregung 15 Minuten zu spät zu meinem Termin, aber mein Geschäftspartner hatte Mitleid mit mir, weil ich elektrisch fahren musste. Das erste mal hatte ich wieder Sehnsucht nach einem stinknormalen Benzinfahrzeug, am Besten befeuert mit Klimabenzin95 🙂 .

 

Titelbild: privat

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Ein Kommentar

  1. Lieber Herr Dr. Tiiimetz,
    vor 2 3/4 Jahren als ich den Umstieg auf E-Auto ( i.D3 pro) „wagt“ ähnliche Probleme:
    Stadtwerke , Autobahnladestellen, Parkhäuser u.s.w.
    = damals hätte ich min. 10 verschiedene Ladekarten benötigt…
    doch inzwischen habe ich seit 2 Jahren EnBW mobility+
    lade bei EnBE Ladesäulen ( alle Arten..) für 47 Cent / kWh – hat D-weit ein grosses Netz und
    die handy-App, bzw Auto zeigen wunderbar die nächsten freien, bestzten Ladesäulen an
    mit Filter sogar z.B. nur Schnellladesäulen
    u n d komme mit der Karte an fast allen anderen Ladesäulen inkl . CH,A,F, zum benötigten Stom.
    Mit besten Grüssen und Wünschen für ein schönes Wochenende
    Helmut Spaeter

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