Die Vögel tauschen bereits angeregt die Neuigkeiten des Tages aus. Es ist 5:22 Uhr – die Sonne geht gerade auf. So haben es die Meteorologen für die Bodenseeregion gemeldet. Je nach Wetter und Standort, ob oben auf dem Berg oder unten am See, beginnen bald die ersten Elektronen aus der Photovoltaik-Anlage zu fließen. 16 Stunden später ist dann wieder Schluss mit dem Sonnenstrom.
Wie ist das eigentlich in den skandinavischen Ländern? Fließt da bei Mitternachtssonne auch der Strom und damit rund um die Uhr – 24/7? Ja, so ist es. Ein Blick auf die Energy Charts zeigt, dass dort auch in der Nacht etwas Sonnenstrom erzeugt wird. Es ist nicht viel. Je weiter im Norden, umso weniger besiedelt sind diese Regionen und die Zahl der Solaranlagen entsprechend niedrig. Dazu kommt die dunkle Jahreszeit, die dort noch viel länger dauert als bei uns.
Ab nächster Woche werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Bis zur Wintersonnenwende kurz vor Weihnachten halbiert sich die Zeit, die für die Erzeugung von Sonnenstrom zu Verfügung steht. Dazu kommt der niedrigere Sonnenstand, viel Nebel, Regen und Schnee. Die Ausbeute an Sonnenstrom ist in den deutschen Wintermonaten nur etwa ein Viertel von dem in den Sommermonaten. Lange, dunkle und kalte Winternächte sorgen gleichzeitig für einen höheren Stromverbrauch.

Durchschnittliche horizontale Sonneneinstrahlung (Grafik: Arno Evers)
Ganz anders im Süden, dem Sonnengürtel unserer Erde. Dort scheint die Sonne nicht nur an 130 Tagen, wie in Deutschland, sondern regelmäßig jeden Tag.
Mit dem aktuell sehr dynamischen Ausbau der Batteriespeicher werden wir es schaffen, in den kurzen Sommernächten den am Tag gespeicherten Sonnenstrom verfügbar zu machen. In den Wintermonaten wird aber der Import von grüner Energie aus dem Sonnengürtel die entscheidende Rolle spielen. In diesem Zusammenhang ist es gut zu wissen, dass die Umstellung unseres Erdgasnetzes auf grünen Wasserstoff zügig voranschreitet.



6 Kommentare
„Mit dem aktuell sehr dynamischen Ausbau der Batteriespeicher werden wir es schaffen, in den kurzen Sommernächten den am Tag gespeicherten Sonnenstrom verfügbar zu machen“.
Eine kühne Behauptung die mit dem aktuellen Ausbau nicht eintreffen wird.
Die aktuell gebauten Speicher haben selten eine Speichertiefe von mehr als 1,5 Stunden, das ist auch für die kurzen Sommernächte zu kurz.
Daher isit im StromVKG für die Ausschreibung der Kapazitäten, die sog, 10 Stunden Regel vorgesehen.
Noch haben wir viel zu wenig Speicher. Allerdings ist die Entwicklung sehr dynamisch.
Zur Zeit haben wir einen Überschuss an Sonnenstrom über 7h mit bis zu 10 GW Leistung – also 70 GWh.
In der Nacht brauchen wir zu Zeit etwa 17 GW fossilen Strom über 15h. Das macht 255 GWh.
Zum Glück können die Chinesen die Batterien liefern und die Betreiber der Speicher verdienen viel Geld. Damit erscheint es über die nächsten Jahre machbar, die Kapazitäten aufzubauen.
Auch der stark zunehmende Eigenverbrauch des PV-Stromes hilft.
Leider eine sehr theoretische Rechnung. Derzeit werden da Speicher gebaut, wie Scheunen mit einem sehr grossen Tor (Leistung) aber nur sehr wenig Stauraum (Kapazitaet). Grund ist: Arbitrage lohnt sich, speichern nicht. Daher gibt es auch wenig Interesse der Betreiber gefuellt in die Nacht zu gehen, wenn die Arbitrage vorheriges entladen lohnt. Uebrigens sind 255GWh immer noch rd. 255 Mrd., bei ND 15 also fast 18 für eine kurze Nacht
Ich würde dazu gerne eine etwas differenzierte Betrachtung hinzufügen:
Bei Speicherkosten von 100 €/kWh und 5.000 Zyklen über 20 Jahre kostet die gespeicherte kWh 2 Cent (nur Abschreibung) gerechnet.
Wenn man den Strom dann am Abend für 20 Cent/kWh verkaufen kann, ist das ein tolles Geschäft. Das wird sich aber mit zunehmender Anzahl an Speichern verringern.
Wichtig für Unternehmer und Haushalte ist es, so viel wie möglich für den Eigenbedarf zu speichern. Auch bei 300 €/kWh für den Speicher ist das viel günstiger wie der Bezug des Stromes.
Wichtig ist zunächst die 90 GWh Überschuss vom Tag wegzubekommen und damit die ganzen Redispatchkosten einzusparen. Die Investitionen sind ja für 20 Jahre und müssen auch mit dem vermiedenen Strombezug verrechnet werden.
Natürlich können Batteriespeicher nicht alles übernehmen. Spätestens nach dem ersten Regentag bedarf es einer anderen Lösung. Da wird dann Wasserstoff eine wichtige Rolle übernehmen.
Sorry, hab mich vertippt, nicht für eine Nacht, sondern für 10
Ich möchte in dem Zusammenhang auf die Arbeit der KollegenInnen der RWTH Aachen hinweisen und darauf, dass der Ausbau insbesondere von Groß(Akku)speichern massiv zugenommen hat; mittlerweile bei über 5GWh angekommen ist. Tendenz bis 2028: 30 GWh, dazu darf man dann auch noch die vielen Heimspeicher und Akkumulatoren in mobilen Anwendungen zählen, die i. d. R. als weitere Flexibilitätsoption zur Verfügung stehen. Vornehmlich in Anwendungen, die nicht, zyklisch und regelmäßig genutzt werden, bietet V2G bzw. V2X hier weiter enormes Potenzial.
Thema Speichertiefe: Unter Berücksichtigung geplanter Speicherprojekte werden 63 % der im Q4/26 einsatzfähigen Systeme, eine EPR 2 aufweisen.