E-Mobilität in China und Deutschland – was man aus Zahlen lernen kann!

Vor wenigen Wochen hatte die NOW einen interessanten Bericht zum Stand der E-Mobilität in China veröffentlicht. Anlässlich der IAA für Nutzfahrzeuge möchte ich einige wichtige, ergänzende Aspekte beleuchten. Das sollte Sie aber nicht davon abhalten, die Analysen der Experten der NOW zu lesen. Hier finden Sie das Dossier: link.

Bemerkenswert ist, dass in dem Bericht die Zahlen für die insgesamt zugelassenen Fahrzeuge (= Bestand) betrachtet  werden und nicht nur – wie sonst üblich – die wenig aussagekräftigen jährlichen Verkaufszahlen. Der Fahrzeugbestand ist relevant für die (vermiedenen) CO2-Emissionen, den Energieverbrauch und die notwendige Energie-Infrastruktur.

Die Stadtbusse (ÖPNV) waren vor mehr als zehn Jahren für China der Einstieg in die E-Mobilität und nicht der Individualverkehr (Pkw). Heute sind in China 700.000 E-Busse im Einsatz. Das sind 31 Prozent aller Busse. In Deutschland ging das alles sehr viel langsamer los. Heute sind wir bei knapp 5.000 E-Bussen, das sind ganze 6 Prozent aller Busse – der Rest fährt mit Diesel.

Bei den E-Nutzfahrzeugen sind in China heute mehr als 1,3 Millionen auf der Straße, der größte Teil im mittleren und schweren Fahrzeugsegment mit knapp einer Million. Das Wachstum ist mit 390.000 neu verkauften Fahrzeugen im letzten Jahr enorm. Wechselbatterien spielen eine wichtige Rolle. In Deutschland sind die meisten E-Lkw im Transporterbereich zu finden (ca. 80.000). Schwere E-Lkw sind bisher nur 1.400 zugelassen, weit unter einem Prozent aller schweren Lkw auf den Straßen.

Bei den E-Fahrzeugen mit Brennstoffzellen/Wasserstoff hat in China der Hochlauf ebenfalls begonnen. Inzwischen sind dort 8.400 Wasserstoff-E-Busse und 28.000 Wasserstoff-E-Lkw auf der Straße. In Deutschland sind es 760 Busse und 215 Lkw.

Was bedeuten diese Zahlen?

Die Experten kennen das: Je höher die produzierten Stückzahlen sind, desto niedriger sind die Herstellkosten! Konkret: Bei jeder Verdopplung der kumulierten Produktionsvolumina fallen die Herstellkosten um 20 bis 30 Prozent. In Folge sind mit den inzwischen hohen Stückzahlen im heimischen Markt die Kosten der chinesischen Fahrzeuge  bereits deutlich nach unten gegangen und  viel niedriger als die Kosten bei den europäischen Hersteller mit ihren niedrigen Stückzahlen.

Verbunden mit den hohen Stückzahlen ist der Aufbau einer starken Zulieferindustrie (Beispiel Batterien), die im harten Wettbewerb um Qualität und Preise steht. Auch für die Infrastruktur (Ladesäulen, Tankstellen, Energieversorgung) ist eine große Zahl an Fahrzeugen hilfreich. Auslastung und Umsatz helfen die Investitionen zu rechtfertigen.

Das komplette Ökosystem, von der Rohstoffversorgung bis zum Service für die Fahrzeuge beginnt zu leben. Alle Akteure sammeln wertvolle Erfahrung, die dann in die nächste Produktgeneration einfließt.

Mit den dann reifen und kostengünstigen Produkten in China – von der Batterie über den Elektrolyseur bis zu den Fahrzeugen – lässt sich dann der weltweite Markt erobern.

Die Studie des ICCT zur weltweiten Marktentwicklung bei E-Lkw zeigt eindrücklich die Erfolge der chinesischen Strategie.

Und was bedeutet das für Europa?

Bei den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sind wir vor Jahrzehnten zum Exportweltmeister geworden. Die Technologien für die Fahrzeuge mit E-Antrieb sind in Deutschland und Europa alle vorhanden. Die Prinzipien zur erfolgreichen Umsetzung von Innovationen sind auch alle bekannt. Der europäische Heimmarkt wäre auch riesengroß. Mit Mut und einer langfristig angelegten Strategie lässt sich die Energie- und Mobilitätswende auf der Basis einer starken heimischen Wertschöpfung (= Arbeitsplätze) auch bei uns erfolgreich umsetzen.

 

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