Die letzten Stolpersteine werden gerade beseitigt

Die Industrie möchte der Energiewende folgen und sucht Wege mit geringen Investitionen und niedrigem Risiko.

Wenn man den Transformationsprozess aufmerksam verfolgt wird deutlich, dass wir uns unaufhaltsam auf eine schöne neue Welt zubewegen. Weniger Schadstoffe, weniger Lärm und wieder mehr ökologische Vielfalt. 

Mittlerweile ist sichtbar, dass erneuerbarer Strom günstiger ist als fossiler. Auf den Dächern und vielen Feldern, an den Küsten und in den Meeren boomt die erneuerbare Stromerzeugung. Mittels Akkumulatoren kann der üppige solare Mittagsstrom und der Starkwindstrom auch mit in die Nacht genommen werden.

Grosse Industriekonzerne möchten nun auch an den hohen Renditen der Erneuerbaren teilhaben. International investieren sie sehr clever dort, wo es riesige und sehr günstige Flächen mit viel Sonne und Wind zu kaufen gibt. Nun stehen sie aber vor dem Problem, dass der viele Strom selbst in der Nachbarschaft grosser Städte tagsüber nicht vollständig abgenommen wird und der Kauf von grossen Mengen an Akkumulatoren sich nicht überall gut rechnet.

Erste Firmen haben jetzt erkannt, dass grüner Strom sich durch die Umwandlung in Wasserstoff günstiger und für längere Zeit speichen lässt. Viele Projekte wurden in den vergangenen fünf Jahren gestartet. Aber nun sehen die Firmen und ihre Investoren, dass sich dies noch nicht so gut rechnet wie gedacht. Die meisten FIDs (endgültige Finanzierungs- Entscheidungen) sind deshalb noch nicht getroffen worden.

Fieberhaft suchen Firmen zusammen mit Energiepolitikern nach Wegen, die im Wasserstoff gespeicherte Energie kostengünstig und jederzeit dorthin zu bekommen, wo diese auch benötigt wird.

Die Lösung sind chemische Verfahren, die den Wasserstoff günstig transportierbar und lagerfähig machen. Diese sind die Umwandlung von Wasserstoff in E-Methan, E-Methanol oder E-Ammoniak. Für die ersten beiden benötigt man CO2 aus Bioabfällen, Industrieabgasen oder direkt aus der Umgebungsluft. Für die Herstellung von E-Ammoniak muss man Stickstoff aus der Umgebungsluft filtern.

Diese Anlagen erfordern einen hohen Investitionsaufwand und müssen längerfristig finanziert werden. Dafür wird aber der Transport und die Lagerung in der heute schon bestehenden Infrastruktur sehr einfach möglich. Noch scheuen sich die Investoren davor, so grosse Summen zu binden, obwohl die Machbarkeiten schon bewiesen sind.

Keiner möchte der erste sein – bis auf einige Leute in China, obwohl in diesem Vorgehen jede Menge Potential steckt, um den Lieferanten von Kohle, Erdöl und Erdgas ihr lukratives Energiegeschäft streitig zu machen. Es dauert vier bis sechs Jahre, um solche Anlagen zu errichten. Sie zahlen sich dann aber in kurzer Zeit wieder ab und ergeben über Jahrzehnte hinaus sehr hohe Gewinne für seriöse Investoren, die nicht nach drei Jahren schon wieder aussteigen wollen.

Es braucht jetzt sehr viel Mut und Geschick, um sich die richtige Technologie auszusuchen. Die ersten erfolgreichen Projektentwickler und deren Investoren werden sich daduch eine traumhafte Zukunft sichern.

Die Vorreiter in der Projektierung sind aktuell für E-Methan die Firma TES-H2 in Belgien und für E-Methanol z.B. die Firmen HIF global in Chile, MGH Energy in Frankreich, European Energy in Dänemark und ABEL Energy in Australien.

E-Ammoniak als Möglichkeit für den Energietransport ist jedoch ungeeignet. Einige Firmen und Politiker sind dem Trugschluss erlegen, dass viel mehr Stickstoff in der Umgebungsluft ist im Vergleich zu CO2. Das ist vordergründig richtig, aber Ammoniak ist leider gasförmig und höchst giftig. Es eignet sich hervorragend zur Herstellung von Kunstdünger, als Kraftstoff oder zur energieintensiven Aufspaltung, zurück in Wasserstoff taugt es jedoch wenig. Das merken nun auch die potentiellen Ammoniak-Kunden in der Energiewirtschaft, und der anvisierte Markt bricht gerade wieder ein.

Hoffen wir, dass auch die Investoren dies rechtzeitig erkennen und lieber langfristig tragfähige Projekte unterstützen, damit die Energiewende zügig und erfolgreich weitergeht!

 

Titelbild: Gustavo Quepóns @ unsplash.com

Blogbeitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren ...

Sonne ohne Ende

Was war das für ein Sommer! So gut wie jeden Tag gab es viel, oft zu viel Sonne. Auf der einen Seite hat uns allen

Weiterlesen »