Die Werbung* auf den Lindauer Stadtbussen vermittelt den Eindruck, dass diese keine Tankstelle und keinen Diesel brauchen. Diese Hybrid-Busse verbrauchen aber nur sehr geringfügig weniger fossilen Kraftstoff als die Dieselbusse ohne Hybrid, wie eine kurze Recherche im Internet aufzeigt. Sie sind auch nicht leiser als jeder andere Dieselbus. Die Werbung* mit „Tschüss Dezibel“ vermittelt einen anderen Eindruck. Vor mehr als sechs Jahren hatten die Verantwortlichen beschlossen auf klimafreundliche und leise E-Busse umzusteigen. Bis heute fährt kein einziger Bus elektrisch und gleichzeitig hat sich die Welt dramatisch gewandelt: Mit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran sind plötzlich Preis und Verfügbarkeit unseres „Lebenselixiers“ Diesel zum beherrschenden Thema geworden. „Adieu Tankstelle“ bekommt da eine ganz andere Bedeutung.
Jeder, der mit dem Vertrieb eines Produktes zu tun hat, sucht immer nach einer Gelegenheit, beim Kunden höhere Preise durchzusetzen. Die Nachricht von der Blockade von 20 Prozent der weltweiten Versorgung mit Rohöl hat vor sechs Monaten genau diesen weltweiten Preisschub ausgelöst. Wie geht ein schlauer Kunde damit um? Er sucht zügig nach Alternativen und Einsparpotential.
Die Lufthansa hat das sehr schnell gemacht, um die Versorgung ihre Flotte mit Kerosin sicher zu stellen: Der Flugplan wurde massiv ausgedünnt, und die Tochtergesellschaft CityLine ganz schnell stillgelegt.
Und wie sind unsere Regierungen mit dem Thema umgegangen? Mit der Auflösung strategischer Ölreserven und Subventionen für den Kraftstoff haben sie sich und das Volk beruhigt. In Folge hatte das Einsparen von Kraftstoff auch keine Priorität. Ganze zwei Prozent weniger Verbrauch waren es im ersten Halbjahr 2026. Entgegen den Hoffnungen der Politiker zeichnet sich im Mittleren Osten keine Entspannung ab. Viele Raffinerien müssen auch erst wieder aufwändig repariert werden – das dauert und kostet viel Geld. Damit wird es zunehmend eng mit der Versorgung von Sprit, wie man bei einer kurzen Recherche schnell herausfinden kann (die meisten Journalisten halten sich da interessanterweise zurück).
Wie hilfreich wäre es gewesen, wenn die Regierungschefs gesagt hätten:
„Bürgerinnen und Bürger, wir haben ein Problem! Wir müssen sparsam mit den fossilen Kraftstoffen umgehen und zügig auf alternative Antriebe umsteigen“.
Die gestiegenen Preise, nicht nur beim Sprit, sondern auch bei Lebensmitteln und vielen anderen Produkten, die mit Hilfe fossiler Energien hergestellt und transportiert werden, führen langsam, aber immer mehr zum Umdenken in der Gesellschaft:
„Was brauche ich wirklich, was kann ich mir noch leisten? Mein nächstes Auto wird auf alle Fälle elektrisch fahren!“
Das hat sehr viel mit Versorgungssicherheit zu tun, die für uns alle eine sehr hohe Priorität hat. Um diese zu erhalten, könnten wir selbst in unserer Region (Kommunen, Landkreise, Kantone, Unternehmen, Landwirtschaft, private Haushalte) sehr viel mehr tun und damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Die heimische Versorgung mit grüner Energie schafft Resilienz, spart Geld und hilft beim Klimaschutz.
Adieu Diesel!
* Ein wichtiger Hinweis zum Thema Werbung: Ab dem 27. September 2026 wird Greenwashing bestraft


