Neulich in Appenzell: Wassermangel und Solar-Boom

Der heiße Sommer ist zu Ende, und die beste Wanderzeit in den Bergen hat begonnen. Mit der traumhaften Felskulisse und den vielen Berggasthäusern mit Kulinarischem aus der Region gehört der Alpstein zu den beliebten Zielen. Mittendrin lädt der Sämtisersee, umringt von Almen, zum Baden und Grillen ein. Dieses Jahr ist er verschwunden, der Sämtisersee, wenn man von einer kleinen Pfütze absieht. Grillen ist verboten.

Der Sämtisersee im September 2026

Das Rekordhitzejahr hat den See und viele Gebirgsbäche austrocknen lassen, sehr zum Leidwesen für die Touristen und vor allem für die Landwirtschaft und die Fischer. Ob Bodensee, Rhein, Donau und viele Regionen Europas, der Klimawandel und seine Folgen werden immer sichtbarer.

Zeit zum Handeln!

Sichtbar gehandelt haben die beiden Appenzeller Kantone. Auf der Fahrt in den Alpstein fallen die vielen neuen Photovoltaikanlagen, auch auf den traditionellen Bauernhöfen, auf (siehe Titelbild). Bei Neubauten ist Photovoltaik auf dem Dach Pflicht. So gut wie alle Anlagen sind architektonisch sehr gelungen. Woher kommt der plötzliche Wandel? Der Kanton verdoppelte 2022 die Solarförderung des Bundes, für Neubauten wurde ab 2023 Photovoltaik zur Pflicht und die stark gestiegenen Strompreise waren ein zusätzlicher Motivator für die Investition.

Auf den ersten Blick ist das für ein Land, das eine hundertprozentig  CO2-freie Stromversorgung hat, bemerkenswert. Auf den zweiten Blick wird der Handlungsbedarf für die Eidgenossen sehr deutlich. Der niedrige Pegel der Flüsse begrenzt nicht nur die Stromerzeugung der Laufwasserkraftwerke. Auch die vier Kernkraftwerke, die für ein Drittel der Stromerzeugung verantwortlich sind, kommen mangels Kühlwasser zeitweise an ihre Grenzen. Zwei der Kernkraftwerke nähern sich darüber hinaus dem Altersruhestand. Der Strom muss dann anders erzeugt werden.

Für die auch in der Schweiz bis 2050 vereinbarte Klimaneutralität ist der Primärenergiebedarf die entscheidende Zahl. 43 Prozent der Energie kommt aus importiertem Erdöl und Erdgas (in Deutschland sind es etwa 70 Prozent). Das zu ersetzen ist eine sehr große Herausforderung und erfordert konsequentes Handeln. Der Import von grüner Energie, z.B. über das Europäische Wasserstoffnetz, wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

 

 Aufteilung der Primärenergieversorgung der Schweiz im Jahr 2025
(Primärenergiebedarf Schweiz: 278 TWh; Deutschland zum Vergleich: 2.930 TWh)

 

 

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