Der Krieg und die E-Mobilität

Vor gut einem Jahr hatten wir einen Beitrag zu E-Fuel für Panzer geschrieben. Damals ging es um die Aktivitäten von Rheinmetall zur Herstellung von synthetischem Diesel aus CO2 und Wasserstoff. Die Kraftstoffversorgung spielte schon immer eine zentrale Rolle für das Militär.  Da ist es nachvollziehbar, den notwendigen Kraftstoff unabhängig von geopolitischen Verwerfungen selbst herstellen zu können, wie es beispielsweise im Dritten Reich in Leuna der Fall war.  Panzer oder Flugzeuge batterie-elektrisch zu betreiben, klappt auch mit modernen Batterien nicht so recht (siehe Titelbild).

Inzwischen hat das Thema Kraftstoffe und Krieg aber deutlich mehr an Bedeutung genommen. Die Sperrung der Straße vom Hormuz vor vier Monaten hat immer noch dramatische Folgen für die weltweite Kraftstoffversorgung. Bislang verschleiern die Regierungen noch die Auswirkungen durch die Nutzung ihrer strategischen Ölreserven. Inzwischen gehen diese zur Neige und die Folgen werden in den nächsten Monaten erst richtig sichtbar.

Die vermeintlich unterlegene Ukraine hat es durch moderne Technologien inzwischen geschafft, die Kraftstoffversorgung auf der Krim und in ganz Russland empfindlich zu stören. Nicht nur den Militärs, auch der Zivilbevölkerung wird dort deutlich vor Augen geführt, dass ohne Benzin, Kerosin und Diesel gar nichts mehr geht. Da ist der Beitrag über das damit verbundene, wachsende Interesse an E-Autos in Russland ( link) schon fast amüsant. Dabei müssen auch E-Autos mit Energie in Form von Strom versorgt werden. Gerade zentrale Kraftwerke sind ein beliebtes Ziel von militärischen Angriffen und dann wird es schwierig, mit dem knappen Strom auch noch Fahrzeuge laden zu wollen.

Allerdings haben elektrische Antriebe inzwischen eine große Bedeutung für Drohnen erlangt. Für Reichweiten bis zu 20 Kilometer und nicht zu große Lasten sind E-Drohnen das Mittel der Wahl, da sie auch schwer zu detektieren sind (kein Lärm, keine Wärme, kein CO2). Langsam fliegende Aufklärungsdrohnen können auch 100 Kilometer elektrisch zurücklegen. Für Entfernung bis zu 1.000 Kilometern werden E-Drohnen mit Wasserstoff/Brennstoffzelle interessant. Anmerkung: Ähnlichkeiten mit E-Fahrzeugen sind kein Zufall, sondern einfach physikalisch bedingt, wobei bei Fluggeräten das Gewicht die entscheidende Rolle spielt.

Bei militärischen Anwendungen kommt damit plötzlich der Versorgungssicherheit mit den Schlüsseltechnologien Batterie oder Brennstoffzelle nochmals eine ganz andere Bedeutung zu. Ob sich Europa oder die NATO dazu wohl Gedanken machen?

Zurück zur Versorgungssicherheit bei Benzin, Diesel oder Kerosin im Alltag: Die Wahrscheinlichkeit, dass es da zu Problemen kommen wird, liegt sicherlich nicht bei Null. Interessant, dass weder die Wirtschaft noch die Politik darüber (öffentlich) redet. Dabei wäre hier dringend eine Aufklärung der Bevölkerung notwendig, um nicht plötzlich vor einer kaum mehr lösbaren Situation zu stehen – auch Risikovorsorge genannt.

Die Nutzung von fossilen Energieträgern zu reduzieren, geht direkt einher mit der Reduktion von CO2-Emissionen und den sich immer deutlicher abzeichnenden Klimakatastrophen. Alle versuche die Symptome zu kurieren, niemand kümmert sich um die Ursache der Hitzerekorde und Wasserverknappung. Die Pläne von Unionspolitikern, die Klimaneutralität auf 2045 zu verschieben, um der traditionellen Industrie zu helfen, wirken da mehr als grotesk. Mit 150-Jahre alten Technologien kann man nicht die Arbeitsplätze der Zukunft schaffen. Die für die Energiewende notwendigen Produkte hätten dagegen eine große Chance die deutsche Wirtschaft zu kurieren.

Ob sich diese Erkenntnis in der Regierung und bei den Konzernvorständen durchsetzen wird?

 

Titelbild: Uta Weik-Hamann

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